Syrien Radikale Rebellen lassen Frist zum Abzug aus Idlib verstreichen

Bis zum Montag hätten Rebellen in Idlib Zeit gehabt, eine geplante Pufferzone zu verlassen. Das haben sie offenbar nicht getan. Irans Außenminister droht bereits indirekt mit einer gewaltsamen Lösung.

Ein Kämpfer der Rebellen in Idlib
AP

Ein Kämpfer der Rebellen in Idlib


Auf zwei Bedingungen hatten sich Russland und die Türkei geeinigt, um eine entmilitarisierte Zone um das syrische Idlib zu bilden: Den Abzug aller schweren Waffen und den Rückzug aller Rebellen aus der Pufferzone. Die zweite Bedingung haben die radikalislamischen Milizen in der Region nun offenbar verstreichen lassen. Keine der Gruppen soll die Rebellenhochburg bisher verlassen haben, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Montag mit.

Die oppositionelle Beobachtungsstelle bezieht ihre Informationen von einem Netzwerk aus Ärzten und Aktivisten in Syrien. Die Angaben sind meist nicht unabhängig überprüfbar. Sie haben sich in der Vergangenheit aber meist als zuverlässig erwiesen.

Laut der Vereinbarung zwischen Ankara und Moskau hätte der Rückzug bis zum Montag erfolgen müssen. Der erste Teil der Abmachung war offenbar noch eingehalten worden. Laut der Türkei und der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden alle schweren Waffen abgezogen. Hierfür war die Frist bereits am vergangenen Mittwoch abgelaufen.

Radikale Miliz will den Kampf fortsetzen

Russland als Verbündeter der syrischen Regierung und die Türkei als Unterstützer der Rebellen hatten sich im September auf die bis zu 20 Kilometer breite entmilitarisierte Pufferzone geeinigt. Sie soll eine Offensive der Regierung auf Idlib verhindern.

Die Region um die gleichnamige Stadt im Nordwesten des Bürgerkriegslands ist die letzte große Rebellenhochburg Syriens. Dort leben rund drei Millionen Zivilisten, fast die Hälfte davon Flüchtlinge. Hilfsorganisationen hatten gewarnt, eine Offensive auf Idlib könnte zu einer neuen humanitären Katastrophe führen.

Die radikale Miliz Haiat Tahrir al-Scham (HTS) kündigte am Sonntagabend an, ihren Kampf fortzusetzen. "Wir werden nicht vom Weg des Dschihads abweichen, um die Ziele unserer Revolution zu verwirklichen", heißt es in einer Erklärung. Die Gruppe will wie andere Rebellen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad stürzen. Die früher unter dem Namen Nusra-Front bekannte Miliz ist in Idlib besonders stark. Sie hat Verbindungen zum Terrornetzwerk al-Qaida.

Syriens Außenminister will Russland Zeit zur Beurteilung geben

Der syrische Außenminister Walid ad-Moualem zeigte sich besorgt: "Wir können mit Blick auf die anhaltende Situation in Idlib nicht stillhalten, sollte die Nusra-Front sich weigern, die Vereinbarung einzuhalten." Syrien werde seinem Verbündeten Russland allerdings Zeit geben, um zu beurteilen, ob die Türkei und die bewaffnete syrische Opposition ihren Teil des Deals eingehalten hätten.

"Wir haben immer gesagt, dass Idlib wie jede andere Provinz wieder unter syrische Herrschaft fallen muss", sagte ad-Moualem weiter. "Wir ziehen es vor, das durch friedliche Mittel zu erreichen, durch Versöhnung, aber falls nicht, gibt es auch andere Möglichkeiten."

aev/dpa/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.