Raketenangriff auf Militärbasis Bleibt Trumps erster Schritt der letzte?

Der US-Angriff auf eine syrische Militärbasis dürfte nicht der Beginn einer groß angelegten Intervention sein. Doch wenn der Vergeltungsschlag verpufft, könnte Trump bald zu weiteren militärischen Schritten gezwungen sein.

Tomahawk-Rakete, die von einem amerikanischen Zerstörer abgeschossen wird (Archiv).
AFP

Tomahawk-Rakete, die von einem amerikanischen Zerstörer abgeschossen wird (Archiv).

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Der 7. April 2017 ist für das syrische Regime ein besonderer Tag. An diesem Freitag feiert Damaskus den 70. Jahrestag der Gründung der herrschenden Baath-Partei. Ausgerechnet an diesem Tag haben die USA zum ersten Mal seit Beginn des Syrienkriegs einen Militärstützpunkt des Regimes angegriffen. 59 Tomahawk-Marschflugkörper schlugen in der Nacht auf der Luftwaffenbasis Schairat in der Nähe von Homs ein.

Die Anlage liegt rund hundert Kilometer südlich von Chan Schaichun entfernt, dem Ort an dem am Dienstag mindestens 86 Menschen an den Folgen eines Giftgaseinsatzes starben.

Von der Basis in Schairat aus sollen die syrischen Flugzeuge gestartet sein, die den chemischen Kampfstoff über Chan Schaichun abwarfen, behauptet die US-Regierung. Nachprüfbare Belege hat Washington dafür bislang nicht vorgelegt.

Ist der Angriff auf den Flugplatz am Rande der syrischen Wüste nun der Beginn einer groß angelegten US-Militärintervention? Eher nicht.

Donald Trump hat in seiner knappen Ansprache an das amerikanische Volk zwei Dinge deutlich gemacht.

Erstens: Der Angriff ist ein gezielter Vergeltungsschlag für den Giftgasangriff von Chan Schaichun. Der US-Präsident erwähnte mit keinem Wort, dass weitere Attacken gegen syrische Ziele oder gar der Einsatz von Bodentruppen geplant seien. Bis auf Weiteres soll der Angriff in der vergangenen Nacht offenbar ein Einzelfall bleiben.

Donald Trump
DPA

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Zweitens: Die Tomahawk Missiles sollen Baschar al-Assad abschrecken. "Vorherige Versuche, Assads Verhalten zu ändern, sind allesamt dramatisch gescheitert", sagte Donald Trump. Der US-Militärschlag ist nun der bislang dramatischste Versuch, Assad zu einer Kehrtwende, oder zumindest einem Kurswechsel zu bewegen. Trumps Botschaft an den syrischen Diktator: Die USA sehen Kriegsverbrechen in Syrien nicht mehr tatenlos zu. Wenn Damaskus weiterhin Chemiewaffen einsetzt, wird Washington reagieren.

Doch das birgt Risiken: Was passiert, wenn sich Assad von Trump einfach nicht einschüchtern lässt?

In der Nacht zum Freitag ließ Russland, das den Luftraum über Syrien kontrolliert, die USA gewähren. Das Pentagon informierte den Kreml vorab über seine Pläne und darüber, dass es sich um einen einmaligen Angriff gegen einen einzelnen Militärstützpunkt handelte. Das US-Verteidigungsministerium verwies in seiner Mitteilung ausdrücklich darauf, man habe "Vorkehrungen getroffen, um das Risiko für russisches oder syrisches Personal auf dem Flugplatz zu minimieren." Es ging also ausdrücklich nicht darum, die militärischen Fähigkeiten der syrischen Armee entscheidend zu schwächen - also Armeeangehörige zu töten. Eher darum, militärische Infrastruktur zu zerstören.

Angriff lässt Raum für weitere Eskalation

Diese Art von Angriffen ist für Russlands Staatschef Wladimir Putin offenbar hinnehmbar. Und diese Art von Angriffen lässt großen Raum für weitere Eskalationsstufen. Trump hat mit dem Raketenbeschuss gezeigt, wo seine rote Linie in Syrien verläuft. Nun muss Putin zeigen, wo er seine rote Linie zieht. Wann reagiert Russland militärisch auf US-Angriffe gegen Assad? Wenn weitere Militäranlagen getroffen werden? Wenn die syrische Armee durch US-Attacken entscheidend geschwächt wird? Wenn das Überleben des Regimes gefährdet ist?

US-Außenminister Rex Tillerson warf der russischen Regierung vor, den Einsatz von Chemiewaffen durch das syrische Regime nicht verhindert zu haben. Washington verlangt also von Moskau, dafür zu sorgen, dass Assad Angriffe mit Sarin, Chlorgas oder anderen chemischen Kampfstoffen künftig unterlässt. Doch wenn sich Assad in diesem Punkt nichts von Putin sagen lässt und den nächsten Angriff ankündigt, ist Trump schon bald gezwungen, weitere Schritte zu gehen.

Um glaubwürdig und verlässlich zu bleiben, müssen die USA ab diesem Freitag jeden Giftgasangriff in Syrien mit Militärschlägen beantworten. Und diese müssten das Assad-Regime mit jedem Mal empfindlicher treffen. Das heißt: Wenn es der syrische Diktator will und Russland das zulässt, werden die USA damit Schritt für Schritt tiefer in den Syrienkrieg hineingezogen. In einen Konflikt, aus dem sich Trump eigentlich heraushalten wollte.



insgesamt 181 Beiträge
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Seite 1
banker1 07.04.2017
1. Guten Morgen
kaum aufgestanden, muß man solch einen neuen eskalationsscheiss lesen.ich kenne assad nicht, aber so blöd z giftgas abwerfen zu lassen, um genau diesen vorwand einens militärschlages zu liefern. dürfte er nicht sein.spannend dürfte es zwischen jetzt russland und trump werden.ist trump nun auf linie gebracht ? und eine interessante chronologie zum 70.Jubiläum.wie in jedem krieg, die wahrheit verliert zuerst.
MütterchenMüh 07.04.2017
2. Un
Ohne UN - Mandat und ohne eindeutige Beweise dürfte er keine Verbündeten für derartige Aktionen finden.Wird ihm persönlich zwar gewaltig stinken, aber hat er sich durch seine unüberlegte Handlung selber zuzuschreiben.
Subco1979 07.04.2017
3.
Jetzt hat der Assad hoffentlich gemerkt, dass er Zivilisten und Aufständische nicht mit Giftgas töten darf, sondern nur mit Raketen, Bomben und Schusswaffen. Genauso wie die anderen Kriegsparteien. Ein großer Sieg für die Menschlichkeit - für einen sauberen humanen Krieg! Wer zufällig Sarkaskmus und Ironie finden sollte...
arnold.susana 07.04.2017
4.
Zitat von banker1kaum aufgestanden, muß man solch einen neuen eskalationsscheiss lesen.ich kenne assad nicht, aber so blöd z giftgas abwerfen zu lassen, um genau diesen vorwand einens militärschlages zu liefern. dürfte er nicht sein.spannend dürfte es zwischen jetzt russland und trump werden.ist trump nun auf linie gebracht ? und eine interessante chronologie zum 70.Jubiläum.wie in jedem krieg, die wahrheit verliert zuerst.
Guten Morgen auch Ihnen Giftgas von Assad war es zu 100% bestätigt. Angesichts der vielen schrecklichen Opfer kann Ihnen doch das unsinnige, ratlose und hilflose Gequatsche unserer deutschen und EU Politiker nicht gleichgültig sein ?
geirröd 07.04.2017
5. Cui bono....
..wieder einmal stellt sich die Frage: Wem nützt es? Der Sachverhalt des Giftgaseinsatzes hat daraufblickend ein wenig "Geschmäckle". Ist es wirklich erwiesen, dass Assad diesen Einsatz zu verantworten hat? Oder wird uns hier ein Grund aufgetischt, wieder einmal einen Krieg zu legitimieren, aus welchen Gründen auch immer (cold war is funny, rockets made the money). Will man die USA gegen Russland aufhetzen? Wir können nun abwarten und sehen was sich entwickelt, oder die UN setzt sich zusammen und klärt das!
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