Syrisches Horror-Video: Die Hölle auf YouTube

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Rebellenkämpfer in Aleppo: Beide Seiten begehen Verbrechen und filmen sie Zur Großansicht
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Rebellenkämpfer in Aleppo: Beide Seiten begehen Verbrechen und filmen sie

Syrer erleben täglich, wie ihr Land im Abgrund versinkt. Im Netz werden die Grausamkeiten des Bürgerkriegs in aller Ausführlichkeit dokumentiert, zum Beispiel bei YouTube. Neuer Tiefpunkt: Ein Video, das einen Rebellenchef zeigt, der die Leiche eines Assad-Soldaten schändet.

Damaskus - Wenn man gerade denkt, dass die Gewalt in Syrien kaum noch schlimmer werden kann, gibt es neue Bilder. Sie sind kaum zu ertragen. Menschen werden zu Tode geprügelt, in Brand gesteckt, mit einem Schnitt durch die Kehle hingerichtet. Nun zeigt ein YouTube-Video, wie ein Rebell die Leiche eines syrischen Soldaten schändet. Das Video konnte von Journalisten des US-Magazins "Time" verifiziert werden. Der Rebell wurde als der Milizenchef Chaled al-Hamad, alias "Abu Sakar", identifiziert.

Auf den Bildern ist zu sehen, wie Chaled al-Hamad, sich über die Leiche eines syrischen Soldaten beugt. Er hat ein Messer in der Hand und schneidet damit in die Leiche, wieder und wieder. Der Rebellenchef schneidet das Herz des Soldaten heraus. Dann wendet er sich von der Leiche ab und schaut mit dem Messer und Organen in den Händen in Richtung der Kamera. "Ich schwöre, wir werden euer Herz und eure Leber essen, ihr Soldaten von Baschar al-Assad, dem Hund!", droht der Mann in die Kamera. Dann beißt er in das Herz hinein.

Kriege sind immer grausam, doch gerade Bürgerkriege gleiten häufig in unvorstellbare Brutalität ab. Sie folgen oft der Logik von Vernichtungskriegen, in denen die eine Seite die Gegenseite auslöschen will. Wer nicht mit uns ist, ist gegen uns. Die Verbrechen der jeweils anderen Seite werden gerächt, Auge um Auge.

Noch nie zuvor wurde ein Krieg so ausführlich in Internetvideos dokumentiert

Im Fall von Syrien wird diese Grausamkeit erstmals in einer Ausführlichkeit auf YouTube für alle Welt sichtbar dokumentiert, wie es wohl bisher bei keinem Krieg der Fall war. Es scheint, dass gerade die Allgegenwärtigkeit der Handykameras die Kämpfer in ihrer Brutalität noch befeuert.

Die grausamen Clips sind zum Teil des Konfliktes geworden. Sie werden gedreht als Propagandavideos, um die andere Seite einzuschüchtern und zu demütigen. Auf Videos von Assad-Anhängern und Rebellen ist zu sehen, wie Menschen misshandelt und getötet werden, weil sie jeweils auf der falschen Seite stehen sollen.

Die Gegenseite greift ihrerseits bereitwillig solche Horrorvideos auf und verbreitet sie - für die eigene Propaganda. Das Video, das den kannibalischen Rebellenchef zeigt, zirkulierte auf regimetreuen Facebook-Seiten. Umgekehrt sind es oft Seiten der Rebellen, die Videos mit Grausamkeiten von Assad-Anhängern verbreiten. Es geht darum, die andere Seite zu diskreditieren.

Solche schrecklichen Bilder sind nur schwer zu vergessen. Nebensächlich wird die Frage, ob es sich um brutale Ausnahmen handelt. Der Horror färbt den Gesamteindruck. Es ist in der Erinnerung egal, welche Assad-treue Miliz oder Rebellengruppe genau die dokumentierten Schrecken verübt hat - inzwischen kämpfen wohl über tausend verschiedene kleine Gruppen ihre jeweiligen Kriege. Im Gedächtnis bleibt das Video, assoziiert mit der einen oder anderen Seite.

Für die Syrer ist es, als würden sie via YouTube nahezu live zuschauen, wie ihr Land in immer neue Abgründe der Grausamkeit stürzt. Die Videos stellen sie täglich vor die Fragen, welches Lager ihnen weniger schauderhaft erscheint - und wie man danach, nach allem, was passiert ist, wieder gemeinsam weitermachen soll.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 155 Beiträge
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1.
mhjduerr 13.05.2013
Bei solchen Belegen für die Unmenschlichkeit der Rebellen sollte jede Unterstützung für diese Banden unmöglich sein!
2. keine Aktivisten mehr...
EinGangLion 13.05.2013
Es ist interessant zu sehen, wie der Namensgebrauch für die Aufständischen sich von AKTIVISTEN - zu Rebellen geändert hat... Für viele Journalisten war es noch ok zu schreiben, dass Aktivisten mit Panzerfäusten bla bla bla, oder Aktivisten eine Stadt einnahmen (mit Waffen) - aber das passt jetzt leider nicht mehr zum "ehrenwerten" Aktivisten, der in er Früh Kant liest, nebebei Alternativmediziner ist und Abends normalerweise Kinderbücher illustriert. Krieg ist grenzenlos grausam, von jeder Seite, für jede Seite...
3.
dongerdo 13.05.2013
Zitat von sysopSyrer erleben täglich, wie ihr Land im Abgrund versinkt. Im Netz werden die Grausamkeiten des Bürgerkriegs in aller Ausführlichkeit dokumentiert, zum Beispiel bei YouTube. Neuer Tiefpunkt: Ein Video, das einen Rebellenchef zeigt, der die Leiche eines Assad-Soldaten schändet. Syrien: Rebell isst Herz eines Assad-Soldats - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-rebell-isst-herz-eines-assad-soldats-a-899439.html)
Die Tatsache dass ausgerechnet DIESE Autorin die vorherrschende Propaganda kritisiert entbehrt nicht einer gewissen Komik und Ironie.... Die Berichterstattung der deutschen Medien im Allgemeinen war seit Beginn des Konflikts mehr als beschämend und die westlichen Medien insgesamt haben eine definitive Mitschuld an der Entwicklung dass dieser Bürgerkrieg vor allem auch über Videos im Netz ausgetragen wird.
4.
porkypork 13.05.2013
Jürgen Todenhöfer hat Anfang Mai in der FAZ eine auf seinen Erfahrungen und Gesprächen mit beiden Konfliktparteien basierende Einschätzung der gegenwärtigen Lage in Syrien veröffentlicht. www.juergentodenhoefer.de/
5.
J4cky 13.05.2013
Zitat von mhjduerrBei solchen Belegen für die Unmenschlichkeit der Rebellen sollte jede Unterstützung für diese Banden unmöglich sein!
Die Optionen bei einer Unterstützung lauten eben Pest oder Cholera. Bis diese Länder wirklich friedlich sind wird noch viel Zeit vergehen.
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Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

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Karte
Flüchtlingskrise in Syrien


Assads Arsenal an Chemiewaffen
Giftarten
Syriens Vorräte an Chemiewaffen gelten als die größten in der Region und sollen unter anderem aus Sarin, Senfgas und VX bestehen. Nach den Niederlagen in den Kriegen gegen Israel in den Jahren 1967, 1973 und 1982 begann die Regierung in Damaskus in den frühen achtziger Jahren, ein Arsenal an Chemiewaffen zu unterhalten und durch Zukäufe zu erweitern.
Menge
Experten von Global Security schätzten unter Berufung auf den US-Geheimdienst CIA, dass mehrere Hundert Liter Kampfstoff vorhanden sind und jährlich Hunderte Tonnen Vorläuferstoffe produziert werden.
Produktion
Der Aufbau eigener Produktionsstätten begann bereits 1971 in Damaskus. Experten von Global Security haben vier mutmaßliche Produktionsstätten ausgemacht: Zum einen nördlich von Damaskus und nahe der Industriestadt Homs. In Hama soll eine Anlage neben Sarin und Tabun auch VX herstellen. Eine vierte Stätte soll sich in der Hafenstadt Latakia am Mittelmeer befinden.
Trägersysteme
Das Land soll der Nuclear Threat Initiative (NRI) zufolge über Scud- und SS-21-Raketen, Artilleriegeschosse und Bomben als Trägersysteme verfügen.
C-Waffenkonvention
Die Regierung in Damaskus hat die Chemiewaffenkonvention von 1992 nicht unterzeichnet, die den Einsatz, die Herstellung und Lagerung von chemischen Kampfstoffen untersagt.