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Bürgerkrieg in Syrien: Rebellen berichten von Massaker mit 200 Toten

Mehr als 200 Tote sollen nach Darstellung syrischer Oppositioneller in der Nähe der Stadt Damaskus gefunden worden sein. Regierungstruppen hätten die Menschen regelrecht hingerichtet. Der August gilt schon jetzt als der blutigste Monat seit Beginn der Aufstände.

REUTERS

Damaskus/Amman - In Daraja, einer Stadt südwestlich der syrischen Hauptstadt Damaskus, sind nach Oppositionsangaben zahlreiche Leichen entdeckt worden. Das berichteten die Lokalen Koordinierungskomitees in der Nacht zum Sonntag im Internet. Sie seien Opfer der Regierungstruppen geworden, hieß es. Diese hätten die Menschen regelrecht hingerichtet. Die meisten Leichen seien in Häusern und Kellern gefunden worden.

"Assads Armee hat in Daraja ein Massaker angerichtet", sagte Aktivist Abu Kinan. Wegen der Einschränkung der Berichterstattung ist eine unabhängige Überprüfung der Angaben nicht möglich. Daraja ist eine der großen, überwiegend von Sunniten bewohnten Slumstädte vor den Toren von Damaskus.

Der Angriff auf den Ort war Teil einer Armeeoffensive, mit der die Streitkräfte die Kontrolle über diese Hauptstadtvororte wiedererlangen wollen. Die Rebellen hatten sich dorthin zurückgezogen und Angriffe auf die Assad-Truppen ausgeführt.

Erstmals hat sich ein Kommandeur abgesetzt

Insgesamt seien am Samstag in Syrien etwa 440 Menschen gewaltsam ums Leben gekommen, darunter seien auch Frauen und Kinder gewesen. In Damaskus und Umgebung habe es 310 Tote gegeben, diese Zahl schließe die Opfer in Daraja ein, erklären die Lokalen Koordinierungskomitees.

Die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sprach von 40 bis 50 Leichen, die gefunden wurden. In der Stadt seien in den vorangegangenen Tagen bereits 109 Tote nach Razzien der Regierungssoldaten entdeckt worden. Die Angaben lassen sich von unabhängiger Seite nicht überprüfen.

Mit mehr als 4000 Toten ist der August schon jetzt der blutigste Monat seit dem Beginn des Aufstands gegen Syriens Präsident Baschar al-Assad im März 2011. In den vergangenen Wochen hatte es vermehrt Berichte über mutmaßliche Massenhinrichtungen in dem Land gegeben.

Erstmals soll sich ein syrischer Kommandeur abgesetzt haben, der größere Kampfverbände befehligt hatte. Jordanische Medien meldeten, General Mohammed Mussa al-Chairat habe am Samstag die Grenze überquert.

Der Name des Kommandeurs der 7. Division war im Januar auf einer von den Koordinationskomitees der Syrischen Revolution in der Stadt Dschasim verbreiteten Liste aufgetaucht. Die Aktivisten hatten damals die Namen von Militärs aufgelistet, die nach ihren Angaben an der brutalen Unterdrückung der Protestbewegung in ihrer Stadt beteiligt waren.

Rakete in Jordanien eingeschlagen

Keine Bestätigung gab es für einen Bericht des Nachrichtensenders al-Arabija, wonach sich auch Vizepräsident Faruk al-Scharaa nach Jordanien abgesetzt haben soll. Ein Kommandeur der Freien Syrischen Armee hatte erst kürzlich erklärt, al-Scharaa habe sich von Präsident Baschar al-Assad losgesagt. Er halte sich "an einem sehr sicheren Ort in Syrien" auf. Beobachter hatten spekuliert, dass die Regierungstruppen ihre Angriffe auf die Grenzprovinz Daraa in den vergangenen Tagen verstärkt hatten, um eine Flucht des Vize zu verhindern.

In Jordanien ist am späten Samstagabend erneut eine Rakete eingeschlagen. Nach jordanischen Angaben ging das Geschoss in der Nähe einer Grenzstadt nieder, ohne Schaden anzurichten. Die Regierung in Amman sei dennoch "sehr besorgt" über den Zwischenfall, erklärte der jordanische Informationsminister Samih al-Maaita. "Dies ist eine Verletzung der nationalen Souveränität, und unabhängig davon, ob es absichtlich oder nicht war, ist der Vorfall inakzeptabel", erklärte al-Maaita. Jordanien werde eine angemessene Antwort auf die Verletzung seiner Souveränität finden. Beim Einschlag von vier Raketen am vergangenen Sonntagabend waren mehrere Menschen in Jordanien verletzt worden.

Ebenfalls am Wochenende wurde die Leiche der beim Bürgerkrieg in Syrien getöteten japanischen Journalistin Mika Yamamoto in ihr Heimatland überführt. Yamamoto und ihre Kollegin Kazutaka Sato waren am Montag mit der oppositionellen Freien Syrischen Armee in der Wirtschaftsmetropole Aleppo im Nordwesten Syrien unterwegs, als die 45-jährige Journalistin im Kugelhagel von Rebellen und Regierungstruppen tödlich verletzt wurde.

nik/Reuters/dpa/Afp

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insgesamt 155 Beiträge
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1. optional
viperhyper 26.08.2012
Naja Krieg hat seine eigenen Regeln und ich denke mal das die meisten Hinrichtungsopfer Rebellen waren. Und leider muss man das militärisch respektieren, denn es wäre doof Rebellen gefangen zu nehmen. Denn so wie sich der Westen bemüht, die sache sehr einseitig zu sehen, bringt es dem syrischen Staat im Invasionsfall nix wenn der Gegner die Gefangenen befreit und ... Krieg ist scheisse!
2. Immer das Gleiche
warndtbewohner 26.08.2012
Assads Truppen sind sicher sehr brutal in ihrem Vorgehen, aber immer sind sie die einzigen die Kriegsverbrechen begehen, das kommt mir alles ein bischen merkwürdig vor. Was die "Aktivisten" so anstellen, davon hört man nix..
3. Faszinierend ...
umff 26.08.2012
Zitat von viperhyperNaja Krieg hat seine eigenen Regeln und ich denke mal das die meisten Hinrichtungsopfer Rebellen waren. Und leider muss man das militärisch respektieren, denn es wäre doof Rebellen gefangen zu nehmen. Denn so wie sich der Westen bemüht, die sache sehr einseitig zu sehen, bringt es dem syrischen Staat im Invasionsfall nix wenn der Gegner die Gefangenen befreit und ... Krieg ist scheisse!
... zu was sich manche hier versteigen! Krieg ist scheiße, aber an die Genfer Konventionen muss die Seite, mit der man unverholen sympatisiert, sich nicht halten.
4. Rebellen berichten ...
Waldknobi 26.08.2012
"Berichten" nur die Rebellen oder gibt's auch noch was von der Gegenseite zu berichten. Diese einseitige Berichterstattung stinkt gewaltig.
5.
ewspapst 26.08.2012
Zitat von sysopDPAMehr als 200 Tote sollen nach Darstellung syrischer Oppositioneller in der Nähe der Stadt Damaskus gefunden worden sein. Regierungstruppen hätten die Menschen regelrecht hingerichtet. Der August gilt schon jetzt als der blutigste Monat seit Beginn der Aufstände. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,852122,00.html
Ich habe dazu nur eine Frage zur Klärung: Wenn es dort Kämpfe gegeben haben soll, gegen wen haben dann die syrischen Verbände gekämpft und wo hatten sich die Kämpfer verborgen oder versteckt und waren sie uniformiert?
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Assads Krieg: Syrien droht mit Flächenbrand

Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki; Imad Khamis (designiert)

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