Syrien Rebellen rufen neue Schlacht gegen Assad-Truppen aus

Wegen angeblicher Verstöße der Regierungstruppen gegen die Waffenruhe wollen mächtige syrische Rebellengruppen eine Großoffensive gegen Assads Armee starten - die Feuerpause steht damit endgültig vor dem Aus.

Rebellenkämpfer südlich von Aleppo
REUTERS

Rebellenkämpfer südlich von Aleppo


Zehn syrische Rebellengruppen haben eine Offensive gegen die Assad -Armee angekündigt. Sie beschuldigen die Assad-Armee gegen die Waffenruhe verstoßen zu haben. "Nach der Zunahme der Verstöße durch Regierungskräfte, darunter die gezielte Vertreibung von Menschen und die anhaltende Bombardierung von Wohnvierteln, erklären wir als Reaktion den Beginn der Schlacht", schrieben die Rebellengruppen in einer Erklärung.

In Syrien war im Februar unter Vermittlung Russlands und der USA erstmals seit Beginn des Bürgerkriegs eine landesweite Waffenruhe zwischen Regierungstruppen und moderaten Rebellen ausgehandelt worden. Die Feuerpause galt nicht für die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) oder die islamistische Nusra-Front. Trotz Verstößen beider Seiten hielt die Waffenruhe zunächst und führte zu einem deutlichen Rückgang der Gewalt in Syrien - beide Seiten - das Regime und die Rebellen - werfen sich jedoch gegenseitig Verstöße vor.

In den vergangenen Tagen flammten jedoch die Kämpfe in der Provinz Aleppo wieder auf. Die Erklärung der Rebellen zu einer neuen Offensive wurde von den mächtigen islamistischen Rebellengruppe Dschaisch al-Islam und Ahrar al-Scham unterzeichnet, die besonders einflussreich in der Region Ost-Ghuta und in Aleppo sind. Dschaisch al-Islam wird von Mohammed Allusch geführt, der bei den Friedensgesprächen in Genf der Chefunterhändler der Opposition ist. Allusch forderte am Sonntag erneute Angriffe auf die Armee. "Vertraut nicht dem Regime und wartet nicht auf sein Mitleid", schrieb Allusch auf Twitter. "Schlagt sie in den Nacken. Schlagt sie überall."

Zu den Unterzeichnern gehörten auch Gruppen, die Teil der Freien Syrischen Armee sind. Wo die sogenannte Schlacht erfolgen könnte, ist unbekannt.

In den vergangenen Tagen hatte die Terrormiliz IS im Norden Syriens mehrere Flüchtlingslager angegriffen . Nach Angaben von Helfern vor Ort sind mindestens 30.000 Menschen vor den Dschihadisten geflohen. Sie sind auf dem Weg an die türkische Grenze. Ankara weigert sich jedoch, die Syrer ins Land zu lassen.

Die aktuellen Gefechte sind Teil eines Machtkampfs zwischen Rebellen und dem IS in Nordsyrien. Zunächst war es der bewaffneten Opposition gelungen, die Stadt Rai aus den Händen des IS zu befreien. Vor einer Woche starteten die Dschihadisten aber eine Gegenoffensive und eroberten einige Gebiete wieder zurück.

anr/AFP/Reuters

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