Bürgerkrieg in Syrien: Rebellen präsentieren angeblich iranische Drohnen

Von , Beirut

Iran mischt im syrischen Bürgerkrieg womöglich stärker mit als bisher bekannt. Offenbar hilft Teheran dem Regime in Damaskus mit Geld, Revolutionsgarden - und auch Überwachungsdrohnen. In Aleppo führen Aufständische nun erstmals drei intakte Fluggeräte vor, die aus Iran stammen sollen.

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Ausschnitt aus YouTube-Video: Angeblich von Rebellen erobertes Labor in Aleppo

Im hart umkämpften Aleppo haben syrische Rebellen offenbar einen wichtigen Fund gemacht: Drei iranische Drohnen sind angeblich in ihre Hände gefallen. In einem YouTube-Video, das aus Aleppo stammen soll, zeigen die Aufständischen die drei unbemannten Überwachungsflieger, aufgestellt in einem Forschungslabor.

Offenbar gelang es den Rebellen, dieses Labor zu erobern, in dem die drei leicht beschädigten Drohen wohl zur Reparatur untergebracht waren. Dazu wollen die Aufständischen auch Propaganda-Pamphlete aus Iran gefunden haben, die sie in die Kamera halten. Möglicherweise waren in dem Forschungslabor iranische Wissenschaftler beschäftigt, um die Drohnen zu warten.

Dieses Video soll ein Forschungslabor in Aleppo zeigen, das Rebellen erobert haben. In dem Labor werden drei beschädigte iranische Drohnen ausgestellt. SPIEGEL ONLINE kann die Aufnahmen nicht überprüfen. Für Mobilnutzer: Hier klicken, um das Video zu sehen

Offiziell gibt sich Teheran zurückhaltend. Immer wieder bestreitet die Regierung, am Krieg in Syrien beteiligt zu sein. Doch es mehren sich die Anzeichen, dass dies nicht stimmt. Inzwischen scheint sich Iran auch militärisch in Syrien einzumischen, um seinem engsten Verbündeten Baschar al-Assad zu helfen.

Schon seit längerem unterstützt Teheran Assad mit Militärausrüstung und Logistik:

  • Drohnen: Seit Februar wurden über Vororten von Damaskus sowie über Homs und Hama kleine iranische Überwachungsdrohnen gesichtet und in Satellitenaufnahmen dokumentiert. In Aleppo gelang es Aufständischen offenbar erstmals, intakte Drohnen des Typs Mohajer 4 und Ababil zu erobern. Die Mohajer 4 sind kleine Drohnen, die per Fernbedienung gesteuert werden. Die Ababil ist größer und soll einen Flugradius von bis zu 150 Kilometern haben. Das syrische Regime kann mit den Drohnen beobachten, wo die Rebellen Position beziehen.
  • Geld: Teheran hilft Damaskus, die Wirtschaftssanktionen zu umgehen, die die Europäische Union und die USA gegen Syrien erlassen haben. Nachdem Assads wichtigster Handelspartner, die EU, weggefallen ist, nimmt Teheran Assad das Öl ab. Dazu werden iranische Tankschiffe eingesetzt, die unter anderer Flagge fahren. Ob und wohin Iran das Öl weiterverkauft, ist unklar. Das klamme syrische Regime kommt dank Teherans Hilfe an dringend benötigtes Geld. Auch hat Iran Syrien Stromlieferungen versprochen.

Weil das Assad-Regime zunehmend in Bedrängnis gerät, scheint sich Teheran für eine Ausweitung seiner Intervention entschieden zu haben. Für die Islamische Republik ist Syrien einer der wichtigsten Partner. Da das iranische Regime hinter Syriens Bürgerkrieg teils eine ausländische Verschwörung vermutet, dürfte die Angst groß sein, als nächstes an der Reihe zu sein, sollte Damaskus fallen. Spätestens seit Frühjahr 2012 verstärken offenbar iranische Militärs die Assad-Truppen.

So wird Assad von iranischen Militärs unterstützt:

  • Einsatz der Revolutionsgarden: Schon im vergangenen Jahr waren immer wieder hochrangige Mitglieder von Irans Eliteeinheit, der Kuds-Brigade (auch bekannt als Revolutionsgarden), zu Besuch in Damaskus. Sie sollten das syrische Regime beraten. Die Rolle der Brigade scheint nun ausgeweitet worden zu sein. Im Mai gab Ismail Ghaani, Vize-Kommandeur von Irans Elitetruppe, erstmals in einem Gespräch mit der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur Isna zu, dass Kuds-Kämpfer in Syrien aktiv seien. Isna nahm das Interview allerdings schnell wieder von seiner Website, ohne den Inhalt zu dementieren. Nun haben syrische Rebellen 48 Iraner festgenommen. Teheran musste zugeben, dass einige von ihnen Kuds-Kämpfer sind. Sie seien aber "in Rente".
  • Aufbau einer Iran-treuen Miliz: Nach Angaben der USA ist Teheran dabei, in Syrien eine Miliz aus alawitischen und schiitischen Syrern aufzubauen, die Baschar al-Assad unterstützen soll. Sollte sich der Vorwurf bestätigen, würde Iran in Syrien eine Strategie wiederholen, die es bereits im Libanon erfolgreich eingesetzt hat. Dort hatte Iran früh auf die schiitische Hisbollah-Bewegung gesetzt und sie beim Aufbau einer Miliz unterstützt. Die Hisbollah stellt heute im Libanon einen wesentlichen Machtfaktor dar und ist für Teheran nach wie vor ein treuer Verbündeter. Sollte das Assad-Regime stürzen, hätte Teheran mit einer Art syrischen Hisbollah nach wie vor großen Einfluss auf die Politik Syriens.

Die Einmischung Teherans macht den Konflikt in Syrien komplexer und gefährlicher. Vom Krieg eines Regimes gegen Teile seiner Bevölkerung ist er zu einem Bürgerkrieg mit konfessionellen Zügen mutiert. Dieser wird zudem befeuert durch einen regionalen Stellvertreterkrieg: Die sunnitischen Golf-Monarchien unterstützen seit Frühjahr 2012 verschiedene Rebellengruppen mit Waffenlieferungen. Der schiitische Iran weitet seine Unterstützung für das Assad-Regime und schiitische Gruppen in Syrien massiv aus. Den Syrern drohen lang anhaltende, brutale Auseinandersetzungen, die mittelfristig auch auf die Nachbarn übergreifen könnten.

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insgesamt 97 Beiträge
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1. das kann alles sein,
schaech 17.08.2012
allerdings hält mich vom dran glauben immer die tatsache ab,dass die USA mitmischen (stichwort irak/massenvernichtungswaffen). diese dinger,zumal in diesem zustand,können genauso gut auch von den USA zur verfügung und präsentation bereitgestellt worden sein. wie gesagt,alles möglich,aber der faktor USA ist sehr vertrauenzerstörend.
2.
Klarseherps 17.08.2012
Zitat von sysopYoutubeIran mischt im syrischen Bürgerkrieg womöglich stärker mit als bisher bekannt. Offenbar hilft Teheran dem Regime in Damaskus mit Geld, Revolutionsgarden - und auch Überwachungsdrohnen. In Aleppo führen Aufständische nun erstmals drei intakte Fluggeräte vor, die aus Iran stammen sollen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,850617,00.html
Soviel zur Legende vom "seit über 100 Jahren friedlichen Iran"! Hamas, Hisbollah und jetzt Revolutionsgarden in Syrien! Wann ist die Welt endlich bereit diesem gefährlichen Regime ein Ende zu bereiten?!?
3. und wieder Syrien
Bedie 17.08.2012
Zitat von sysopYoutubeIran mischt im syrischen Bürgerkrieg womöglich stärker mit als bisher bekannt. Offenbar hilft Teheran dem Regime in Damaskus mit Geld, Revolutionsgarden - und auch Überwachungsdrohnen. In Aleppo führen Aufständische nun erstmals drei intakte Fluggeräte vor, die aus Iran stammen sollen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,850617,00.html
ja, das ist das ureigenste Interesse des Iran, dass Syrien nicht fällt. Aber es wird noch weitergehen. Russland und China werden sich auch nicht aus der Zone heraushalten. Je mehr hier geschürt wird, desto höher werden die Flammen schlagen.
4. Merkwürdig
rayon2 17.08.2012
Warum sollte der Iran unterlassen, was Saudi Arabien ,Katar, Türkei, USA, Fr, GB längst tun?
5. Beeindruckend
deuterius 17.08.2012
Ein paar "Drohnen" die jedem Modellflieger peinlich wären. Ein "Forchungslabor mit dem Inventar eines Einmann-Betriebes. Gibts nix Aufregenderes? Zeigt uns doch mal, was die Briten und Amis so alles nach Syrien schaffen. Oder dürft ihr das nicht?
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