Die Bilder sind grobkörnig und stark verwackelt - doch sie zeigen genug, um einen womöglich entscheidenden Moment in dem blutigen Konflikt um Syrien festzuhalten. In dem Videoclip, der seit Dienstag bei YouTube kursiert, ist ein Hubschrauber zu sehen, vermutlich ein Mil Mi 8 russischer Herkunft, in Diensten der syrischen Luftwaffe. Nach wenigen Sekunden wird die Maschine von einem Geschoss getroffen, das im steilen Winkel vom Boden aufsteigt. Die Rakete schlägt in der Nähe des Motors des Transporthubschraubers ein, schwer getroffen dreht dieser ab.
Nach Informationen der "New York Times" könnten die Bilder belegen, dass die syrischen Rebellen inzwischen wärmegesteuerte Luftabwehr gegen die Truppen von Machthaber Baschar al-Assad einsetzen. SPIEGEL ONLINE kann die Echtheit der Aufnahmen jedoch nicht endgültig verifizieren.
Bisher hatten die Aufständischen vor allem mit Maschinengewehren auf die Kampfjets und Helikopter der staatlichen Luftwaffe gefeuert - und damit nach eigenen Angaben auch immer wieder Treffer gelandet. Eine funktionierende Luftabwehr mit mobilen und infrarotgesteuerten Raketen könnte ihre Schlagkraft jedoch noch einmal dramatisch erhöhen. Die Lufthoheit, bisher einer der Trümpfe der Assad-Armee, könnte so verlorengehen.
Zuletzt gab es immer wieder Meldungen, dass sich die Rebellen mit den leichten Luftabwehrwaffen ausgerüstet haben. Ein Beleg für den Einsatz der Manpads fehlte jedoch bisher.
Woher stammen die Luftabwehrraketen?
Die USA und Europa hatten bisher öffentlich abgelehnt, die Rebellen mit den strategisch wichtigen Geschossen auszustatten. Nun haben sich die Aufständischen offenbar selbst Manpads beschafft. Möglicherweise stammen diese aus eroberten Militärstützpunkten der syrischen Armee. Vor einer Woche hatten die Rebellen die Militärbasis 46 bei Aleppo eingenommen und dabei viele Waffen erobern können. Auch Manpads sollen darunter gewesen sein.
"Sobald die Regierung die Kontrolle über eine solche Waffe verliert, ist es fast unmöglich, sie wieder aufzuspüren. Oder zu ermitteln, wer Zugang zu ihr hat", zitiert die "New York Times" den US-Militäranalysten Matthew Schroeder. Zudem sollen auch immer wieder Waffenlieferungen über Schmuggelrouten ins Land gelangen.
Piloten und Waffenexperten schulen die Rebellen
Auch Andrew J. Tabler, Syrien-Experte am Nahost-Institut in Washington, sprach von einem "wichtigen Durchbruch. Auch wenn es kein allzu überraschender Durchbruch mehr ist." Bereits vor rund einem Monat hatte es erste Berichte über ein Luftabwehr-Bataillon der Rebellen gegeben. Desertierte Piloten und Raketenexperten der syrischen Luftwaffe sollen sich dort um die Ausbildung der Soldaten gekümmert haben.
Die Rebellen hatten in den vergangenen Monaten immer wieder versucht, Kampfjets und Helikopter noch am Boden zu zerstören, indem sie Militärflughäfen eroberten. Gegen die verheerenden Luftschläge der Armee waren sie jedoch machtlos. Nun scheint es, als könnten sie den Assad-Jets auch in der Luft etwas entgegensetzen.
jok/ras
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