SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

26. September 2015, 08:46 Uhr

Pentagon-Bericht

Syrische Kämpfer sollen US-Waffen an Extremisten weitergegeben haben

Schwerer Rückschlag für das Pentagon im Kampf gegen islamische Extremisten in Syrien: Von den USA trainierte Rebellen sollen Qaida-nahen Kämpfern Militärgerät ausgehändigt haben.

In Syrien haben nach Angaben der US-Armee aus Washington unterstützte Truppen militärische Ausrüstung an Extremisten weitergegeben. Dabei ging es um sechs Armeelaster sowie Munition, die die von den USA geführte Militärkoalition geliefert hatte. Das gab ein Sprecher des US-Zentralkommandos bekannt. Den Pentagon-Angaben zufolge entspricht das rund einem Viertel der von der US-geführten Militärkoalition zur Verfügung gestellten Ausrüstung.

Die syrischen Kämpfer hätten dies der Rebellengruppe Nusra-Front ausgehändigt, die mit der Extremistenorganisation Al-Qaida verbündet ist. Sie hätten im Gegenzug eine von der Nusra-Front kontrollierte Gegend durchqueren dürfen. Offenbar wollten die Rebellen damit sicherstellen, dass sie ungehindert in ihr Einsatzgebiet kommen, sagte ein Sprecher des für den Einsatz zuständigen Central Command.

Das US-Zentralkommando sprach von einer sehr besorgniserregenden Nachricht. Sollte sich der Vorfall bestätigen, hätten die syrischen Partner damit gegen Vereinbarungen verstoßen, sagte der Sprecher.

Zuerst hatte das Pentagon die Berichte dementiert

Die Gruppe mit etwa 70 in der Türkei trainierten Kämpfern war am vergangenen Wochenende in Syrien eingetroffen. Schon kurz darauf gab es auf dem Kurzmitteilungsdienst Twitter Berichte, einige Kämpfer seien zur Nusra-Front übergelaufen oder hätten ihre Ausrüstung an die Dschihadisten übergeben. Das Pentagon hatte diese Berichte zunächst dementiert, musste aber nun einräumen, dass zumindest die Angaben zur Militärausrüstung zutrafen. Zuvor war eine erste Gruppe von 54 Rebellen kurz nach ihrem Eintreffen in Syrien im Juli von Nusra-Kämpfern angegriffen und getötet oder entführt worden.

Die USA fliegen mit internationalen Partnern Luftangriffe gegen die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien und dem Irak. Darüber hinaus bilden sie in der Türkei syrische Rebellen für den Kampf gegen den IS aus.

Das eine halbe Milliarde teure Programm ist allerdings umstritten: Ursprünglich sah es vor, drei Jahre lang jährlich 5400 Kämpfer in der Türkei auszubilden und nach Syrien zu schicken. Doch es kommt nicht so recht voran, unter anderem, weil es an geeigneten Kandidaten fehlt. Vor knapp zwei Wochen musste ein für das Programm zuständiger General vor einem Senatsausschuss einräumen, dass nur "vier oder fünf" Kämpfer tatsächlich vor Ort im Einsatz gegen den IS seien. Die US-Regierung denkt nun über eine Reform nach.

yes/Reuters/AFP

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH