Pentagon-Bericht Syrische Kämpfer sollen US-Waffen an Extremisten weitergegeben haben

Schwerer Rückschlag für das Pentagon im Kampf gegen islamische Extremisten in Syrien: Von den USA trainierte Rebellen sollen Qaida-nahen Kämpfern Militärgerät ausgehändigt haben.


In Syrien haben nach Angaben der US-Armee aus Washington unterstützte Truppen militärische Ausrüstung an Extremisten weitergegeben. Dabei ging es um sechs Armeelaster sowie Munition, die die von den USA geführte Militärkoalition geliefert hatte. Das gab ein Sprecher des US-Zentralkommandos bekannt. Den Pentagon-Angaben zufolge entspricht das rund einem Viertel der von der US-geführten Militärkoalition zur Verfügung gestellten Ausrüstung.

Die syrischen Kämpfer hätten dies der Rebellengruppe Nusra-Front ausgehändigt, die mit der Extremistenorganisation Al-Qaida verbündet ist. Sie hätten im Gegenzug eine von der Nusra-Front kontrollierte Gegend durchqueren dürfen. Offenbar wollten die Rebellen damit sicherstellen, dass sie ungehindert in ihr Einsatzgebiet kommen, sagte ein Sprecher des für den Einsatz zuständigen Central Command.

Das US-Zentralkommando sprach von einer sehr besorgniserregenden Nachricht. Sollte sich der Vorfall bestätigen, hätten die syrischen Partner damit gegen Vereinbarungen verstoßen, sagte der Sprecher.

Zuerst hatte das Pentagon die Berichte dementiert

Die Gruppe mit etwa 70 in der Türkei trainierten Kämpfern war am vergangenen Wochenende in Syrien eingetroffen. Schon kurz darauf gab es auf dem Kurzmitteilungsdienst Twitter Berichte, einige Kämpfer seien zur Nusra-Front übergelaufen oder hätten ihre Ausrüstung an die Dschihadisten übergeben. Das Pentagon hatte diese Berichte zunächst dementiert, musste aber nun einräumen, dass zumindest die Angaben zur Militärausrüstung zutrafen. Zuvor war eine erste Gruppe von 54 Rebellen kurz nach ihrem Eintreffen in Syrien im Juli von Nusra-Kämpfern angegriffen und getötet oder entführt worden.

Die USA fliegen mit internationalen Partnern Luftangriffe gegen die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien und dem Irak. Darüber hinaus bilden sie in der Türkei syrische Rebellen für den Kampf gegen den IS aus.

Das eine halbe Milliarde teure Programm ist allerdings umstritten: Ursprünglich sah es vor, drei Jahre lang jährlich 5400 Kämpfer in der Türkei auszubilden und nach Syrien zu schicken. Doch es kommt nicht so recht voran, unter anderem, weil es an geeigneten Kandidaten fehlt. Vor knapp zwei Wochen musste ein für das Programm zuständiger General vor einem Senatsausschuss einräumen, dass nur "vier oder fünf" Kämpfer tatsächlich vor Ort im Einsatz gegen den IS seien. Die US-Regierung denkt nun über eine Reform nach.

yes/Reuters/AFP

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boardinggoofy 26.09.2015
1. Verrannt!!!
Da haben sich die USA in eine Schnapsidee verrannt, ohne die Situation vor Ort richtig eingeschätzt zu haben. Al-Nusra und IS waren Bestandteil der Anti-Assad-Allianz bis die Gruppen unter einander zerstritten waren. Ob man sich Aghannistan, den Irak, Lybien oder Syrien ansieht, sobald die Warlords auf einer Kriegsseite mehr Profit für sich erahnen, wechseln sie die Seiten und mit Ihnen ihre Schergen, samt den Waffensystemen und jeder kocht sein eigenes Süppchen. Biologische Systeme stabilisieren sich meist selbst ganz gut, solange sich der Mensch nicht zu sehr einmischt.
omnium_consensu 26.09.2015
2. ...kaum zu glauben!
haha, im Ernst, damit hätte ich nun ja gar nicht gerechnet, dass die syrischen angeblich US-freundlichen "Oppositionellen" ihre Waffen nach Erhalt munter weiterverschieben, aus welchen Beweggründen auch immer. Heute für Wegerecht, morgen des Profits wegen, übermorgen der Rückkehr zu den religiösen Wurzeln. Der Leser fragt sich - ist die Abgabe moderner Waffen an diese instabilen und heterogen zusammengesetzten Gruppierungen wirklich nur Blödheit der Amerikaner oder schon Berechnung? Die Loyalitäten und Bündnisse wechseln in diesen Gebieten doch je nach Tagesform.
niklot1147 26.09.2015
3. Statt 5.400 jährlich nur 4 oder 5 Kämpfer insgesamt
Na so was, da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich. Wer hätte das gedacht, da liefert man Waffen und Ausrüstung an 4 oder 5 Kämpfer, die von der Anzahl her für 5.400 gedacht waren. Und die verkaufen sie dann weiter an die "richtigen" Kämpfer. Von denen werden sie dann auch gleich "verwendet".Damit konnte doch niemand rechnen. Leute, glaubt ihr das eigentlich selber?!
lupenreinerdemokrat 26.09.2015
4.
Das trifft es wohl am besten. Vier oder fünf der von USA über Saudi-Arabien mit Waffen unterstützte "Rebellen" kämpfen tatsächlich gegen den IS (das werden dann wohl die Ausbilder von "Academi" sein). Die restlichen Lieferungen gehen, wie allgemein bekannt, direkt in Richtung IS und Al Nusra und das ist von den USA mit größter anzunehmender Wahrscheinlichkeit auch so gewollt. Ebenso sind die sogenannten "Luftwaffeneinsätze" wohl kaum dazu gedacht, den IS wirklich zu schwächen. Ein bisschen Symbolpolitik, um die wirklichen Absichten zu verschleiern...
jbkdge14.god 26.09.2015
5.
Um's mal mit Loriot zu sagen: Ach? Seufz. Ganz ehrlich. Ja, wer hätte das bloß gedacht, dass das passieren könnte? Wirklich. Damit konnte man doch nicht rechnen. Echt.
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