Syrischer Bürgerkrieg Rebellenchef Alusch getötet - womöglich durch russische Raketen

Sahran Alusch, einer der mächtigsten Rebellenchefs in Syrien, ist tot. Er starb bei einem Luftschlag gegen ein geheimes Hauptquartier bei Damaskus. Unklar ist, wer den Angriff ausführte.

Rebellenchef Sahran Alusch (im Juni 2014): Von russischen Kampfjets getötet?
AFP

Rebellenchef Sahran Alusch (im Juni 2014): Von russischen Kampfjets getötet?


Die radikalislamischen Rebellen in Syrien haben einen ihrer wichtigsten Anführer verloren. Sahran Alusch, Chef der Miliz Dschaisch al-Islam, sei bei einem russischen Luftangriff in der Nähe von Damaskus ums Leben gekommen, berichteten die Nachrichtenseite "Orient News" und andere Oppositionsmedien am Freitag. Auch die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete den Tod des 44-Jährigen und fünf weiterer Kommandeure.

Die Armee von Diktator Baschar al-Assad bestätigte Aluschs Tod ebenfalls - widerspricht aber den anderen Angaben in einem wichtigen Punkt: Nicht Russland, sondern sie selbst habe die Angriffe geflogen.

Den Oppositionsangaben zufolge bombardierten Flugzeuge östlich von Damaskus ein Führungstreffen in einem geheimen Hauptquartier der bewaffneten Gruppe. Dabei habe es mehrere Tote gegeben, erklärte die Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Die Rebellen sollen einen Angriff auf Regimetruppen und mit ihnen verbündete Kämpfer der libanesischen Schiiten-Miliz Hisbollah geplant haben.

Die Truppen von Machthaber Assad versuchen derzeit mit einer massiven Offensive, die Region Ost-Ghuta wieder unter ihre Kontrolle zu bekommen.

Die Miliz Dschaisch al-Islam ("Armee des Islam") gehört mit Tausenden Kämpfern zu den mächtigsten und bestorganisierten Rebellengruppen im syrischen Bürgerkrieg. Sie ist vor allem in den Gebieten östlich von Damaskus stark. Die Gruppe nahm im Dezember auch an der Einigungskonferenz der syrischen Opposition in Riad teil, die Verhandlungen mit dem Regime vorbereitete.

Alusch verbrachte mindestens zwei Jahre in syrischen Gefängnissen, bevor er im Juni 2011 im Rahmen einer Generalamnestie freikam. Zuletzt soll er mit westlichen Geheimdiensten in Kontakt gestanden haben - als möglicher Partner gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS).

IS-Kämpfer verlassen Damaskus

Unterdessen haben Hunderte Anhänger des IS und anderer Extremisten mit dem Abzug aus dem Süden von Damaskus begonnen. Möglich macht das ein bisher einzigartiges Abkommen mit Syriens Regime. Die von den Vereinten Nationen vermittelte Einigung sieht vor, dass die Kämpfer und ihre Familien die Viertel am Rand der Hauptstadt verlassen, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete. Es sei das erste Mal, dass sich das syrische Regime und der IS auf ein Abkommen geeinigt hätten.

Die dem Regime nahestehende libanesische Nachrichtenseite Al-Mayadeen meldete, insgesamt würden mehr als 3500 Bewaffnete und Zivilisten abziehen. Darunter seien auch Kämpfer der Nusra-Front, des syrischen Ablegers des Terrornetzwerkes al-Qaida.

Die Extremisten werden demnach mit Bussen in Gebiete gebracht, die unter ihrer Kontrolle stehen, unter anderem in die IS-Hochburg Rakka. Sie hätten zugestimmt, vorher Waffen und Militärfahrzeuge zu zerstören. Das Abkommen solle die IS-Präsenz in Damaskus beenden, so die Beobachtungsstelle.

nck/Reuters/dpa/AP

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Seite 1
Kezman9 25.12.2015
1. Diese Russen
http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.erklaert-putin-den-cyber-war-massive-angriffe-auf-banken-in-der-tuerkei.74bc5dcf-3a4e-46df-9802-9c26bf01b41d.html
westerwäller 25.12.2015
2. Ist wohl nicht wahr ...
... was SPON hier schreibt ... Oder doch? "Alusch selbst soll zuletzt mit westlichen Geheimdiensten in Kontakt gestanden haben - als möglicher Partner gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" Das sind unsere Freiheitskämpfer? Und Assad ist der böse Teufel?
hapeschmidt2 25.12.2015
3. War...
War das jetzt einer von den Gemäßigten? Der Name seiner Gruppe klingt zumindest nicht so. Ist eine ehrlich gemeinte Frage. Schöne Weihnachten allen.
arrache-coeur 25.12.2015
4.
"Die radikalislamischen Rebellen in Syrien haben offenbar einen ihrer wichtigsten Anführer verloren" - "radikalislamisch" - Also eine gute Nachricht für alle nicht-radikalen Syrer. Oder zählt "radikalislamisch" zu den sog. "gemäßigten Rebellen"?
meroswar 25.12.2015
5. Ein Feind der Demokratie.
Ich bin mit der Wahl dieses Titels nicht sonderlich zufrieden. Richtig wäre "islamister Rebellenchef". Das "islamistisch" ist nicht nur ein kleines Detail, sondern von höchster Bedeutung. Dass die Terrorunterstützer aus Saudi-Arabien und der Türkei sich lautstark über Russland empören werden, ist zu erwarten. Ich hoffe, dass wenigstens der Westen so viel Rückgrat besitzt, dies nicht zu tun. Hier ist ein Feind von Demokratie, Rechtsstaat, Liberalismus, Gleichberechtigung und vielem mehr gestorben. Einer von so vielen, die eine friedliche Zukunft für Syrien verhindern. Dazu zähle uch im Übrigen auch Assad.
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