Syrien Rotes Kreuz meldet schwerste Kämpfe seit Jahresbeginn

Hunderte Tote, zerstörte Krankenhäuser und Schulen: Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz berichtet von einem neuen Ausmaß der Gewalt in Syrien.

Militärhubschrauber in der syrischen Provinz Deir al-Sor
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Militärhubschrauber in der syrischen Provinz Deir al-Sor


Mehrere Regionen Syriens werden von schweren Kämpfen erschüttert. Einem Bericht des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) zufolge sind dabei Hunderte Menschen ums Leben gekommen. Zudem sollen Krankenhäuser und Schulen zerstört worden sein. Das Komitee spricht von den schlimmsten Auseinandersetzungen in dem Bürgerkriegsland seit der Schlacht um Aleppo im Dezember vergangenen Jahres.

Dem Bericht zufolge wurden in den vergangenen zehn Tagen zehn Krankenhäuser angegriffen. Damit könnten Hunderttausende Menschen nicht mehr medizinisch versorgt werden. "In den vergangenen zwei Wochen haben wir einen besorgniserregenden Anstieg der Militäroperationen gesehen, gleichzeitig stieg die Zahl der zivilen Todesopfer", sagte Marianne Gasser vom IKRK in Syrien.

Ihre Kollegen hätten Schockierendes berichtet. So sei eine 13-köpfige Familie aus Deir al-Sor geflüchtet, habe auf ihrem Weg aber fast alle Angehörigen durch Luftangriffe und Explosionen verloren. Nur drei von ihnen konnten sich demnach in Sicherheit bringen.

Die Gewalt spielt sich dem Bericht zufolge nicht nur in umkämpften Regionen rund um Rakka und Deir al-Sor ab, sondern auch in bereits befriedeten Gebieten wie Idleb und Ost-Ghouta. "Während in den vergangenen Monaten wieder Hoffnung geschöpft werden konnte, bringt der erneute Gewaltausbruch unglaubliches Leid in weite Teile des Landes, während Hilfsorganisationen immer weniger Zugang bekommen", sagte Gasser weiter.

Erst vor wenigen Tagen hatten Ermittler der Uno nach eigenen Angaben Hinweise auf einen weiteren Giftgasangriff in Syrien bekommen. Demnach wurde Ende März bei einem "Vorfall" in einem Dorf im Nordwesten des Landes das Nervengift Sarin eingesetzt. Fünf Tage später, am 4. April, wurden bei einem Giftgasangriff auf die ebenfalls im Nordwesten des Landes gelegene Kleinstadt Chan Scheichun mehr als 80 Menschen getötet.

vks/Reuters

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