Krieg in Syrien Russland bestreitet Bombardierung von Krankenhaus

Der Kreml will mit dem Luftangriff auf ein von Ärzte ohne Grenzen unterstütztes Krankenhaus in Syrien nichts zu tun haben. Wladimir Putins Sprecher bezeichnete diese Vorwürfe als "inakzeptabel".

Ruine von Krankenhaus in Hawija: "Wir weisen diese Anschuldigungen kategorisch zurück"
DPA/ MSF

Ruine von Krankenhaus in Hawija: "Wir weisen diese Anschuldigungen kategorisch zurück"


Fast 50 Menschen wurden am Montag bei Luftschlägen auf Krankenhäuser in Syrien getötet - in jenem Gebiet, in dem Russland seit mehr als zwei Wochen schwere Angriffe fliegt. Doch der Kreml bestreitet jegliche Verantwortung für die Bombardements.

"Wir weisen diese Anschuldigungen kategorisch zurück", sagte Wladimir Putins Sprecher Dmitri Peskow in Moskau. "Jedes Mal, wenn solche Behauptungen aufgestellt werden, kann sie niemand mit Beweisen in irgendeiner Form belegen." Daher seien die Vorwürfe inakzeptabel, so Peskow.

Der Kreml-Sprecher ging sogar noch weiter: "Die wichtigste Quelle für uns in dieser Angelegenheit sind die offiziellen Vertreter der syrischen Behörden", sagte Peskow. Und der syrische Botschafter in Moskau habe gesagt, dass das von Ärzte ohne Grenzen unterstützte Hospital in Hawija in der Provinz Idlib von den Amerikanern zerstört worden sei.

Bei einem zweiten Luftangriff auf ein Krankenhaus in der Stadt Asas wurden mindestens 14 Menschen getötet.

Video: Krankenhäuser in Nordsyrien bombardiert

Steinmeier äußert Erwartungen gegenüber Moskau und Ankara

Frankreich und die Türkei bezeichneten die Angriffe auf medizinische Einrichtungen als Kriegsverbrechen. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach von "eklatanten Verstößen gegen internationales Recht".

Ein Uno-Sprecher sagte: "Russische und syrische Kampfflugzeuge sind in diesem Gebiet sehr aktiv. Sie sollten wissen, wer verantwortlich ist."

Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier bezeichnete die jüngsten Angriffe auf Krankenhäuser und Schulen als neuen "traurigen Tiefpunkt" des Konflikts. "Meine klare Erwartung ist, dass auch Moskau und Ankara sich in all ihrem militärischen und politischen Tun an den Münchner Verpflichtungen orientieren", so der SPD-Politiker.

Der Außenminister betonte, noch vor den endgültigen Vereinbarungen über die geplante Feuerpause müsse es zu einem "spürbaren Rückgang der militärischen Aktivitäten" kommen. Die USA, Russland und die beteiligten Regionalmächte hatten sich in der vergangenen Woche in München auf eine Waffenruhe für Syrien geeinigt, die eigentlich an diesem Freitag beginnen soll. Steinmeier sagte, dazu gebe es "keine Alternative".

syd/sev/Reuters



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