Syrienkrieg Russland bestreitet Verantwortung für Massenflucht aus Aleppo

Zehntausende Syrer sind vor den russischen Luftangriffen auf Aleppo geflüchtet - doch der Kreml weist jede Verantwortung von sich. Laut Aktivisten wurden seit Beginn der Offensive mehr als 500 Menschen getötet.


Russlands Regierung weist die Kritik an seinen Luftangriffen auf Aleppo und Umgebung zurück. Der Vorwurf von US-Außenminister John Kerry, wonach die russische Luftwaffe ungelenkte Bomben einsetze und damit Zivilisten töte, sei "völlig inakzeptabel", sagte Außenamtssprecherin Maria Sacharowa in Moskau. "Das sind Spekulationen, die nicht durch Fakten gedeckt sind."

Auch der Vorwurf, Russland habe mit seiner am 1. Februar gestarteten Offensive eine humanitäre Krise im Norden Syriens verursacht, sei unzutreffend. Stattdessen habe der Westen das Problem jahrelang verschärft. Die Behauptung, die russischen Luftangriffe würden zu einer neuen Flüchtlingsbewegung nach Europa führen, bezeichnete Sacharowa als "grundlose Kritik".

Nach Zählung der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte sind bei den Gefechten rund um Aleppo in den vergangenen zehn Tagen mehr als 500 Menschen ums Leben gekommen, die meisten von ihnen Kämpfer beider Seiten. Unter den Opfern seien aber auch 89 Zivilisten, darunter 23 Kinder. Die Beobachtungsstelle mit Sitz in Großbritannien bezieht ihre Informationen von Augenzeugen vor Ort. Ihre Angaben sind von unabhängiger Seite schwer zu überprüfen, haben sich in der Vergangenheit im Nachhinein aber meist als zuverlässig erwiesen.

Seit Tagen rücken syrische Regierungstruppen, Einheiten der libanesischen Hisbollah und Pro-Assad-Milizen mit russischer Luftunterstützung in Aleppo vor. Sollten sie die von Rebellen gehaltenen Teile der Stadt von der Umgebung abschneiden, könnte nach Einschätzung der Vereinten Nationen die Lebensmittelversorgung für 300.000 noch in der Stadt ausharrende Menschen zusammenbrechen.

Mehrere Zehntausend Syrer sind vor den Bomben inzwischen an die türkisch-syrische Grenze geflüchtet.

syd/Reuters/AFP

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