Krieg in Syrien Russland fliegt schwere Angriffe - kurz vor der Waffenruhe

Wenige Stunden vor der geplanten Waffenruhe in Syrien hat die russische Armee ihre Bombenangriffe verstärkt. Aus mehreren Landesteilen melden Beobachter schwere Luftschläge mit zivilen Opfern.

Kinder in der syrischen Stadt Bosra: Ab Mitternacht sollen die Waffen schweigen
REUTERS

Kinder in der syrischen Stadt Bosra: Ab Mitternacht sollen die Waffen schweigen


Kurz vor Beginn der vereinbarten Feuerpause in Syrien versucht das Regime von Baschar al-Assad mit russischer Unterstützung seine strategische Position zu verbessern. Syrische und russische Kampfjets haben laut Augenzeugen zahlreiche von Aufständischen kontrollierte Gebiete bombardiert.

Allein in Duma, einem Vorort der Hauptstadt Damaskus, zählten Bewohner mindestens zehn Luftangriffe und Artillerieeinschläge. Rettungskräfte berichteten von Opfern unter der Zivilbevölkerung. Vertreter des syrischen Militärs waren nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Seit Mitternacht seien auch Ziele in den nördlichen Provinzen Idlib, Aleppo und Hama attackiert worden, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Die Organisation mit Sitz in Großbritannien bezieht ihre Informationen von Augenzeugen vor Ort. Die Angriffe seien heftiger gewesen als in den vergangenen Tagen.

Der Sprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin wies die Verantwortung für Luftangriffe auf Zivilisten zurück. Es gebe keine Beweise für diese Vorwürfe, sagte Dmitri Peskow vor Journalisten in Moskau.

Opposition stimmt Waffenruhe zu

Die USA und Russland hatten sich Anfang der Woche auf die Feuerpause geeinigt, die um Mitternacht beginnen soll. Damit wollen die beiden Großmächte die Anfang Februar ausgesetzten Friedensgespräche zwischen syrischem Regime und der Opposition wieder in Gang bringen.

Die Regierung, das wichtigste Oppositionsbündnis sowie weitere Konfliktparteien stimmten der Waffenruhe zu. Ausgenommen von der Feuerpause sind der IS sowie die Nusra-Front - der syrische Ableger des Terrornetzwerks al-Qaida.

Insgesamt stimmten fast 100 Rebellengruppen der Feuerpause zu. Das in Riad ansässige Hohe Verhandlungskomitee (HNC) der Regimegegner teilte mit, die Waffenruhe werde zunächst zwei Wochen dauern. Die Rebellengruppen hätten zudem einen gemeinsamen Militärausschuss gebildet. Das HNC ist ein Zusammenschluss der wichtigsten Gruppen und Milizen der Opposition mit Sitz in er Hauptstadt Saudi-Arabiens.

US-Präsident Barack Obama appellierte vor Beginn der Feuerpause an die Kriegsparteien: "Die nächsten Tage sind entscheidend und die Welt schaut hin", sagte Obama. Besonders Russland müsse seiner Verantwortung gerecht werden. Die Regierung in Moskau solle gewährleisten, dass das Bombardement eingeschlossener Städte aufhört und dass humanitäre Hilfe zu Bedürftigen gelange.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow entgegnete, niemand könne zu 100 Prozent garantieren, dass nach Inkrafttreten der Feuerpause die Waffen schwiegen.

Auch die türkische Regierung äußerte sich skeptisch. "Im Prinzip unterstützen wir diese Waffenruhe," sagte der Sprecher von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan. Es gebe aber "ernste Besorgnisse" angesichts der anhaltenden Angriffe der syrischen Regierungstruppen und der russischen Luftwaffe.

syd/AFP/Reuters/dpa

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