Syrien Auch Russland hält Giftgaseinsatz des IS für wahrscheinlich

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" setzt in Syrien chemische Waffen ein. Das sagt nun auch Russland, das Machthaber Assad mit Luftangriffen unterstützt.

IS-Kämpfer im Nordosten Syriens: IS-Dschihadisten verfügen über Chemiewaffen
AP/ Islamistische Propagandawebsite

IS-Kämpfer im Nordosten Syriens: IS-Dschihadisten verfügen über Chemiewaffen


Russlands Regierung hält es für wahrscheinlich, dass die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) in Syrien chemische Waffen einsetzt. Das sagte Michail Uljanow der Nachrichtenagentur Ria. Der Diplomat ist im Moskauer Außenministerium für Massenvernichtungswaffen zuständig.

Bereits im vergangenen Jahr hatte es Berichte gegeben, dass die IS-Dschihadisten inzwischen über Chemiewaffen verfügen und diese 2015 bereits im Nordirak und in Syrien benutzt haben. Untersuchungen einheimischer Experten und des US-Verteidigungsministeriums hatten dies bestätigt (Mehr über den Gaskrieg der Islamisten finden Sie hier ).

In Blutproben verletzter Peschmerga-Kämpfer waren nach Angaben der Bundesregierung im August Rückstände von Senfgas entdeckt worden. Der SPIEGEL berichtete, dass nach einem Mörserangriff südlich der Kurden-Hauptstadt Erbil am 11. August Proben positiv auf Senfgas getestet wurden.

Russland ist ein enger Verbündeter des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, Moskau unterstützt dessen Truppen mit Luftangriffen. Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) hat nach eigenen Angaben Indizien dafür, dass einige Menschen in Syrien dem Kampfstoff Sarin ausgesetzt waren. Die Regierung in Damaskus hat Aufständischen wiederholt vorgeworfen, Giftgas einzusetzen. Westliche Diplomaten dagegen haben erklärt, es sei unwahrscheinlich, dass die Rebellen über derartige Fähigkeiten verfügten.

Nach Angaben der OPCW sind die 2013 von Syrien deklarierten Chemiewaffen nun vollständig zerstört. OPCW-Chef Ahmet Üzümcü erklärte am Dienstag, damit ende ein "wichtiges Kapitel in der Beseitigung des syrischen Chemienwaffenprogramms". Die letzten 75 Behälter mit Giftgasstoffen wurden demnach von einer US-Firma in Texas vernichtet. Assad hatte im Oktober 2013 der Zerstörung sämtlicher chemischer Kampfstoffe unter Aufsicht der OPCW zugestimmt. Die US-Regierung unter Präsident Barack Obama hatte zuvor nach einem Giftgasangriff mit bis zu 1400 Toten nahe der Hauptstadt Damaskus mit einem Militärangriff gedroht.

Der russische Diplomat Uljanow forderte am Dienstag laut Ria außerdem, Ermittlungen einzuleiten. Er bezog sich dabei auf Behauptungen eines türkischen Oppositionsabgeordneten, die der staatsnahe Sender Russia Today Mitte Dezember veröffentlicht hatte. Demnach wurde 2013 Sarin-Gas aus der Türkei an den IS in Syrien geliefert.

heb/Reuters/AFP



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insgesamt 30 Beiträge
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kasam 05.01.2016
1. O O, wenn das stimmen sollte, das die Türkei den IS
mit Giftgas versorgt hat, dann das wirklich so wäre, würde die Nato die Türkei aus dem Bündnis sofort raus schmeissen----wenn sie Mumm hätte, was ich jedoch bezweifle. Zur Zeit sind Charakter-Schweine als Verbündete sehr gefragt---
seamanslife 05.01.2016
2. sollte es den Russen gelingen eine
eine "Zunge" holen war die Aufgabe von Spezialeinheiten der sowj. Armee im 2.WK.. Die sind nachts durch die Linien gegangen und haben einen dt. Soldaten geholt um mit den genauen Informationen über die Stellungen den Artillerieangriff vorzubereiten. Sollte es den Russen/Syrern gelingen handfeste Beweise vorzulegen ist die türk. Regierung total demaskiert. Wenn so ein IS-Abenteuerurlauber aus Europa erst mal das Messer am Hals hat wird er singen wie ein Vögelchen. Den Spezialisten aus Ankara traue ich Alles zu nachdem was da so gelaufen ist mit der Tankerflotte unter Malta-Flagge. Malta ist übrigens EU-Land, oder etwa nicht?
mwroer 05.01.2016
3.
Zitat von kasammit Giftgas versorgt hat, dann das wirklich so wäre, würde die Nato die Türkei aus dem Bündnis sofort raus schmeissen----wenn sie Mumm hätte, was ich jedoch bezweifle. Zur Zeit sind Charakter-Schweine als Verbündete sehr gefragt---
Es heisst 'aus der Türkei' nicht 'von der Türkei'. Lassen wir mal außen vor dass ich Erdogan solche Geschäfte über Dritte durchaus zutraue - die Türkei liefert offiziell rein gar nichts. Das läuft über Scheinfirmen und das zu beweisen dürfte extrem schwer sein. Es setzt vorallem voraus das Interesse besteht es zu beweisen und dass die NATO Ermittler in Kauf nehmen würden einen Mitgliedsstaat so darstehen zu lassen.
90-grad 05.01.2016
4. Und bisher
wurde jeglicher Giftgaseinsatz, auch hier im Spon, nur Assad in die Schuhe geschoben. Jetzt hatten "offiziell" sogar die USA schon seit mehr als einem Jahr diesen Verdacht!? Und jeder der das für möglich hielt war Diktatoren- und Putinversteher oder -Troll. Mit Fassbomben, kann fast jeder zusammenbasteln und verschiessen, sieht es wahrscheinlich auch so aus.
i325 05.01.2016
5. Der Druck kommt gerade jetzt, leider nur von einer Seite!
Es ist doch klar dass Türkei den IS unterstützt, aber der Druck auf die Türkei wird nur von Russland ausgeübt. Das abgeschossene russische Flugzeug ist eines der Gründe, das ist klar. Europa kämpft aber auch gegen den IS, es ist also auch im Interesse von Europa auf die Türkei Druck auszuüben. Was macht stattdessen unsere Mutti? Sie fährt in die Türkei und redet alles schön und hofft dass Flüchtlinge in der Türkei bleiben. Das ist eine Politik zum Lachen.
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