Syrien-Gipfel Putin lehnt Feuerpause in Idlib ab, Erdogan fordert Waffenstillstand

Beim Syrien-Gipfel in Teheran diskutieren Iran, Russland und die Türkei über die Zukunft des Bürgerkriegslandes. Die russische Luftwaffe bombardierte zuvor Ziele in der Rebellenhochburg Idlib.

Syrien-Gipfel in Teheran
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Syrien-Gipfel in Teheran


Recep Tayyip Erdogan, Wladimir Putin und Hassan Rohani haben unterschiedliche Meinungen zu Syrien. Der türkische Präsident kündigte beim Dreiergipfel in Teheran an, sein Land wolle im Norden Syriens mit Truppen präsent bleiben, bis sich die Lage dort geklärt hat. Er werde darauf bestehen, dass die Bombardierungen der syrischen Rebellenhochburg Idlib aufhören und eine Waffenruhe erreicht werde, sagte Erdogan.

Kremlchef Putin erklärte jedoch, die syrische Regierung solle das gesamte Staatsgebiet wieder unter ihre Kontrolle bringen. Zudem betonte er, ebenso wie Irans Präsident Rohani, nicht mit islamistischen Rebellenkämpfern zu verhandeln. Im Klartext: Eine Feuerpause lehnt Putin ab.

Die syrische Regierung von Machthaber Baschar al-Assad will das letzte große Gebiet in der Hand der Rebellen zurückerobern. Die Provinz Idlib grenzt an die Türkei an, die bereits mehr als drei Millionen Syrer beherbergt. In Idlib hat die Türkei zwölf Beobachtungsposten. Sie ist dort Schutzmacht der zum größten Teil islamistischen Rebellen in einer sogenannten Deeskalationszone.

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Vor dem Syrien-Gipfel in Teheran haben Kampfjets ihre Angriffe auf Idlib fortgesetzt. Mindestens elf Bombardements seien von der syrischen Regierung und ihrem Verbündeten Russland im südlichen Teil der Provinz am Freitagmorgen ausgeführt worden, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Es seien aber auch Tausende Menschen auf die Straße gegangen und hätten gegen die erwartete Militäroffensive protestiert.

Die oppositionelle Beobachtungsstelle bezieht ihre Informationen von einem Netzwerk aus Ärzten und Aktivisten in Syrien. Die Angaben sind meist nicht unabhängig überprüfbar. Sie haben sich in der Vergangenheit aber meist als zuverlässig erwiesen.

dop/dpa



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biba_321 07.09.2018
1. Erdogan
möchte natürliich seine "grünen" Brüder schützen, das ist klar, denn die braucht er noch zur türkisierung Syriens.
irrenderstreiter 07.09.2018
2.
"islamistischen Rebellenkämpfern" - interessante Wortschöpfung. Konkret gemeint ist die HTS, ehemals Al-Nusra ein Al-Quaida Ableger in Syrien auch im Westen als Terrororganisation eingestuft.
demokroete 07.09.2018
3. Dank Russland ist die
vom Ausland initiierte und finanzierte Übernahme des syrischen Staates durch die Kopfabschneider grandios gescheitert. Nun muß nur noch der auf Idlib zusammengedrängte Rest verschiedener Terrorgruppen vernichtet werden. Für die Zivilisten, die die Terroristen nicht unterstützen, lassen sich mit Sicherheit Fluchtkorridore einrichten, durch die sie sich unter den Schutz der Regierungstruppen begeben können. Wahrscheinlich lassen aber die Terrorgruppen die Zivilisten nicht gehen, weil sie sie, wie zuvor, als menschliche Schutzschilde benötigen.
schlob 07.09.2018
4. Waffenstillstand wäre militärisch nicht zu verantworten
Ein Waffenstillstand wäre militärisch nicht zu verantworten-dann können die IS sich reorganisieren.Tempo ist die wichtigste Taktik,mit der schon Napoleon alle überraschte.
HerrPeterlein 07.09.2018
5. Wohl die einzige Lösung
Nein, Assad ist kein anständiger Kerl, sondern ein Despot der härtern Sorte. Putin geht es auch nicht um das Wohlergehen der Menschen, sondern um seinen (militärischen) Einfluss, sprich seine Mittelmeermilitärbasen unter anderem. Doch was ist die Alternative zu Assad gewinnt mit Hilfe der Russen und Iraner das Gebiet zurück? Wir haben einen inoffiziellen Al-Nusra Terrorstaat, auf Krude Art verbündet mit der Türkei? Hilt weder der Bevölkerung vor Ort, noch sonst wem. Syrien muss erst mal wieder zur Stabilität zurück, ohne diese wird es nur noch schlimmer.
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