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Syrien-Konflikt: Russland rückt von Assad-Regime ab

Die Kämpfe in Syrien gehen mit unverminderter Härte weiter - auch in die Hauptstadt Damaskus sind Panzer eingezogen. Die russische Regierung zeigt sich zunehmend besorgt über die Situation und rückt vorsichtig vom Assad-Regime ab. Eine Intervention lehnt Moskau allerdings weiter ab.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow: Besorgniserregende Situation Zur Großansicht
AP

Russlands Außenminister Sergej Lawrow: Besorgniserregende Situation

Moskau/Damaskus - Während die Weltgemeinschaft nach einer Möglichkeit sucht, in den Syrien-Konflikt einzugreifen, sterben weiterhin täglich Menschen in dem Land. Aktivisten berichten von Regierungstruppen, die am Sonntag eine Gegend nahe der Küstenstadt Latakia erneut unter Beschuss genommen haben. Bisher seien mindestens 58 Soldaten getötet und mehr als 200 verletzt worden.

In der Provinz Homs haben syrische Rebellen Oppositionsangaben zufolge eine Luftabwehrstellung der syrischen Streitkräfte erobert. Dabei seien einige Soldaten des Luftabwehrbataillons Homs desertiert, berichtete das Syrische Beobachtungszentrum für Menschenrechte am Sonntag in London.

Allein am Samstag sind nach Angaben von Aktivisten mehr als 80 Zivilisten getötet worden. Bei schwerem Beschuss der südsyrischen Stadt Daraa seien demnach 20 Menschen getötet worden, darunter neun Frauen und Kinder.

Hoffnung machen Aussagen der russischen Regierung, die vorsichtig vom syrischen Präsidenten Baschar al-Assad abzurücken scheint: "Die Situation wird besorgniserregender", sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow am Samstag in Moskau. Auch nehme der Eindruck zu, dass das Land am Rande eines Bürgerkriegs stehe. Als Mitglied des Uno-Sicherheitsrats werde Russland einer militärischen Intervention von außen aber nicht zustimmen.

Russland will Assad-Rückzug unterstützen

Moskau wolle mit dieser Haltung nicht den syrischen Präsidenten und dessen Regime schützen, betonte Lawrow. Gegen einen Rückzug Assads habe er nichts einzuwenden: "Wenn die Syrer sich darauf verständigen können, werden wir diese Lösung gern unterstützen." Zuvor hatte der US-Sondergesandte Fred Hof in Moskau für eine Lösung der Krise in Syrien mit einem Machtverzicht Assads geworben.

Die Vetomächte Russland und China haben bereits zweimal im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (Uno) Resolutionen gegen Syrien zu Fall gebracht. Lawrow sprach sich erneut für eine internationale Syrien-Konferenz aus, um den Friedensplan des Sondergesandten der Uno und der Arabischen Liga für Syrien, Kofi Annan, zu retten.

Kämpfe erreichen Damaskus

Während es in Damaskus lange ruhig geblieben war, erreichte die Gewalt in der Nacht zum Sonntag die syrische Hauptstadt. Die Kämpfe zwischen Rebellen und Regierungstruppen hätten bis zum frühen Morgen gedauert, sagte der Bewohner und Aktivist Maath al-Schami. "Gestern war der Wendepunkt im Konflikt", sagte al-Schami via Skype. "Der Kampf ist jetzt in Damaskus." Mindestens vier Menschen seien ums Leben gekommen, die Panzer hätten schließlich vor Sonnenaufgang die Viertel wieder verlassen. Seitdem sei es ruhig gewesen.

Die jüngsten Massentötungen hätten dazu geführt, dass die Bevölkerung die Rebellen zunehmend als Beschützer vor den Truppen Assads betrachteten, sagte ein Unterstützer der Aufständischen in Kabun. "Das Regime hat die Rebellen in die Stadt gezwungen." Wenn das Regime Angriffe starte, Massaker begehe oder Leute festnehme, kämen die Rebellen, um die Menschen zu verteidigen, sagte der Unterstützer.

Oppositionsbündnis wählt im Exil neuen Vorsitzenden

Einem Pressebericht zufolge kämpfen in Syrien zahlreiche Kuwaiter und andere Ausländer an der Seite der syrischen Opposition gegen die Truppen von Assad. Dutzende Kuwaiter seien über die Türkei nach Syrien gelangt, um an der Seite der Freien Syrischen Armee (FSA) zu kämpfen, berichtet die kuwaitische Zeitung "Al-Kabas" unter Berufung auf Angehörige der Kämpfer. Demnach befinden sich auch Freiwillige aus Saudi-Arabien, Algerien und Pakistan in den Reihen der FSA.

In Istanbul wählte unterdessen das Oppositionsbündnis Syrischer Nationalrat (SNC) den Kurden Abdel Baset Seida zu seinem neuen Vorsitzenden. Der im schwedischen Exil lebende Seida löst Burhan Ghaliun ab, der in Paris als Professor lehrt. Ghaliun hatte den Nationalrat seit seiner Gründung im Oktober 2011 geführt. Ihm war vorgeworfen worden, den Kontakt zur Opposition im Land verloren zu haben. Auch sei es ihm nicht gelungen, die unterschiedlichen Gruppierungen im SNC zusammenzuführen. Seida lebt seit den frühen neunziger Jahren in Schweden.

nck/Reuters/afp/dapd

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insgesamt 167 Beiträge
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1. Mittelalter im Sinne der UNO
Sapientia 10.06.2012
Zitat von sysopAPDie Kämpfe in Syrien gehen mit unverminderter Härte weiter - auch in die Hauptstadt Damaskus sind Panzer eingezogen. Die russische Regierung zeigt sich zunehmend besorgt über die Situation und rückt vorsichtig vom Assad-Regime ab. Eine Intervention lehnt Moskau allerdings weiter ab. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,837992,00.html
Wann - wenn nicht hier in Syrien und bei vorrangiger Beachtung des Wertes eines Menschenlebens - ist es erforderlich, in ein Land hineinzugehen, um die Verursacher der Unterdrückung zu stoppen?
2. Herr Lawrow
mischpot 10.06.2012
im Sinne der Menschlichkeit auch in Ihrem Land sollten Sie das Assad Regime verurteilen.
3.
c.werner 10.06.2012
Zitat von sysopAPDie Kämpfe in Syrien gehen mit unverminderter Härte weiter - auch in die Hauptstadt Damaskus sind Panzer eingezogen. Die russische Regierung zeigt sich zunehmend besorgt über die Situation und rückt vorsichtig vom Assad-Regime ab. Eine Intervention lehnt Moskau allerdings weiter ab. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,837992,00.html
Sorge allein genügt nicht. Eine Einstellung der Waffenlieferungen wäre hilfreicher.
4. Wer sind die Quellen?
!!# 10.06.2012
Zitat von sysopAPDie Kämpfe in Syrien gehen mit unverminderter Härte weiter - auch in die Hauptstadt Damaskus sind Panzer eingezogen. Die russische Regierung zeigt sich zunehmend besorgt über die Situation und rückt vorsichtig vom Assad-Regime ab. Eine Intervention lehnt Moskau allerdings weiter ab. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,837992,00.html
Zitat aus dem Artikel:Dieses Zitat ist äußerst wichtig. Wer sind genau diese Aktivisten, die über die Geschehnisse in Damaskus berichten? Könnte man uns Näheres über deren Identität verraten?
5. ...
Hape1 10.06.2012
Zitat von c.wernerSorge allein genügt nicht. Eine Einstellung der Waffenlieferungen wäre hilfreicher.
Wenn *beide Seiten* keine Waffen mehr geliefert bekommen sollen, stimme ich ihnen zu.
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Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki; Imad Khamis (designiert)

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