Syrienkrieg Russland schickt noch mehr Kriegsschiffe ins Mittelmeer

Im Syrienkonflikt verschärfen sich die Spannungen erneut. Russland entsendet weiteres Kriegsgerät - und kündigt ein Atomabkommen mit den USA auf.

Russischer Flugzeugträger "Kusnetsow"
AFP

Russischer Flugzeugträger "Kusnetsow"


Syriens Verbündeter Russland hat zwei weitere Kriegsschiffe ins Mittelmeer entsandt. Die mit Marschflugkörpern ausgestatteten Korvetten "Seljony Dol" und "Serpuchow" sollten am Mittwochabend eintreffen, sagte Admiral Viktor Krawtschenko in Moskau. Die Zahl der Schiffe könne bei Bedarf auf 20 erhöht werden.

Derzeit sind in der Region rund zehn russische Kriegsschiffe im Einsatz. Erst kürzlich war bekannt geworden, dass im Lauf des Oktobers auch der einzige russische Flugzeugträger "Kusnetsow" im östlichen Mittelmeer eintreffen soll. Am Dienstag hatte das russische Verteidigungsministerium außerdem mitgeteilt, dass auf seiner Marinebasis im syrischen Tartus das Luftabwehrsystem S-300 stationiert worden sei.

Die nun entsandten Korvetten "Seljony Dol" und "Serpuchow" sind mit Marschflugkörpern ausgestattet. Sie waren bereits im August vorübergehend vor Syriens Küste stationiert gewesen. Von dort waren am 19. August Raketen auf Ziele in Syrien abgefeuert worden.

Spannungen mit Washington verschärfen sich

Russlands militärisches Vorgehen erfolgt vor dem Hintergrund zunehmender Spannungen zwischen Moskau und Washington im Syrienkonflikt. Moskau unterstützt die Führung in Damaskus. Am Montag hatten die USA angesichts der heftigen Angriffe auf die Stadt Aleppo die Gespräche mit Russland über eine Beilegung des Konflikts für beendet erklärt.

Immerhin haben beide Seiten mittlerweile wieder Kontakt aufgenommen. Zwei Tage nach dem Abbruch der Syrien-Gespräche telefonierten die Außenminister Sergej Lawrow und John Kerry am Mittwoch miteinander.

An anderer Stelle wurde indes deutlich, wie weit die Interessen Russlands und der USA auseinanderliegen. So hat Moskau am Mittwoch ein Abkommen mit Washington zur Zusammenarbeit in der Atom- und Energieforschung ausgesetzt. Als Grund gab die russische Regierung unter anderem die mehrfach verlängerten Sanktionen der USA wegen der Ukrainekrise an. In dem Abkommen von 2013 wird unter anderem die wissenschaftliche Kooperation zur friedlichen Nutzung der Atomenergie geregelt.

Am Montag hatte Moskau mit einer ähnlichen Begründung die vereinbarte Vernichtung von atomwaffenfähigem Plutonium ausgesetzt.

Kampf um Aleppo

Frankreich kündigte unterdessen an, dass Außenminister Jean-Marc Ayrault in den kommenden Tagen nach Moskau und Washington reisen werde, um beide Staaten zur Annahme einer Uno-Resolution für die umkämpfte Metropole Aleppo zu bewegen. In Berlin wollte sich Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier mit dem Syrien-Sondergesandten der Vereinten Nationen, Staffan de Mistura, treffen.

Die syrische Armee kündigte an, aus humanitären Gründen die Angriffe auf Ziele im Ostteil Aleppos zurückzufahren. Allerdings sind solchen Ankündigungen in der Vergangenheit nur unzureichend Taten gefolgt.

Die humanitäre Lage in Aleppo ist nach Uno-Angaben katastrophal. "Die Bilder und Nachrichten aus Ost-Aleppo sind an Grausamkeit kaum noch zu übertreffen", erklärte Steinmeier. "Dieser Wahnsinn kann und darf nicht ewig weitergehen."

Konflikte an allen Fronten

Der Kreml teilte am Mittwoch außerdem mit, Präsident Wladimir Putin habe mit dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan in einem Telefonat über Syrien gesprochen. Dabei sei betont worden, dass die Bemühungen der internationalen Gemeinschaft um einen friedlichen politischen Prozess verstärkt werden müssten. Wie dies konkret aussehen könnte, wurde nicht bekannt. Putin unterstützt Syriens Diktator Baschar al-Assad, Erdogan lehnt dessen Regime ab. Putin wird am Montag in der Türkei erwartet.

Parallel zu den Kämpfen zwischen Rebellen und Regierung toben in Syrien weiterhin Gefechte mit der Extremistenmiliz "Islamischer Staat" (IS). Türkische Soldaten und verbündete syrische Milizen rückten nach eigenen Angaben trotz heftiger Gegenwehr bis auf wenige Kilometer an das Dorf Dabik im Norden des Landes vor.

Der Ort ist von geringer strategischer, aber großer symbolischer Bedeutung: Die Islamisten glauben, dass dort die letzte Schlacht zwischen Muslimen und Ungläubigen stattfinden wird, die den Weltuntergang einläutet. Man erwarte heftige Kämpfe beim weiteren Vorrücken, sagte ein Kommandeur der Milizen.

wal/dpa/AFP/Reuters

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Seite 1
tangentiale 05.10.2016
1. Dann kann man nur noch hoffen...
....das dieser Konflikt nicht noch zum großen Crash führt.Den russischen Bären bis aufs Blut zu reizen,kann für uns nur schlimme Folgen haben.Die Amis sind weit weg und schweren sich einen Sch.... um Europas und Deutschlands Interessen.
Surgeon_ 06.10.2016
2. Putin
kann einen Weltkrieg auslösen. Und er hat nichts zu verlieren. Menschen sind ihm eh egal. Und er gehört schon lange zur Achse des Bösen ! Er er liebt alle Diktatoren. Und Eingreifen wie die USA um der Gerechtigkeit willen gibt es bei ihm nicht. Es geht nur um Macht. Er ist böse und nicht gut !
spiegelneuronen 06.10.2016
3. Ist denn das die possibility - unglaublich?
Schade, dass die Meldung über das Manöver Saudi-Arabiens und seiner Verbündeten im Persischen Golf und der Straße von Hormus sowie deren Anzahl an Kriegsschiffen keinerlei Erwähnung findet. Sollte Russland tatsächlich das Assad-Regime unterstützen? Ist das nicht derselbe Assad, der von der UNO als Vertreter Syriens anerkannt worden ist und Russland um militärischen Beistand bat? Das ist eine echte Skandal-Meldung für die Rubrik "Politik". - Vielleicht aber auch nicht! Wie läuft es eigentlich mit der militärischen Bodenoffensive der türkischen Truppen? Wer hatte die angefordert? Daesh/IS oder wer? Welche Rolle spielt eigentlich der, von den USA einseitig modifizierte, Entsorgungsmodus bei der Aussetzung des Atomabkommens? Hatten die Russen dem nicht bereits vor Abschluss des Abkommens widersprochen? Antwort im Artikel? - Leider nicht auffindbar.
WeissAuchAllesBesser 06.10.2016
4. Früher war alles besser
Im "Kalten Krieg" waren die Fronten wenigstens noch klar: Im Fall des Falles hätte man sich Russland unterwerfen und zum Stalinismus konvertieren können. Das klingt zwar nicht verlockend, hätte aber als Notbremse vor dem Atomkrieg wirken können. Würde es uns heute helfen, wenn wir unserer iPhones verbrennen, mit nacktem Oberkörper zum Media Markt reiten und dort russische Mobiltelefone kaufen würden? So ungefähr müsste die Konvertierung zum Putinismus doch ablaufen...
broväsor 06.10.2016
5. Stellvertreterkrieg - Kalter Krieg
Seit Jahren hätte eigentlich jedem klar sein müssen, dass wir auf eine Neuauflage des Kalten Kriegs zusteuern. Nun sind wir mitten drin und sollten uns die Frage stellen, wer ein Interesse gehabt haben könnte, die gesamte Weltgemeinschft in diese Situation hinein zu manövrieren. Zufällig entsteht ein solcher Konflikt nicht.
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