Syrien-Krieg: Russland spekuliert über Assads Fall

Mit Waffen und Geld unterstützt Russland den syrischen Diktator Assad - doch der Kreml ist offenbar nicht mehr sicher, ob er auf den richtigen Mann setzt. Moskaus Vize-Außenminister Bogdanow sagt: "Ein Sieg der Opposition ist leider möglich."

Syrischer Präsident Assad: "Sieg der Opposition ist nicht mehr auszuschließen" Zur Großansicht
AFP / SANA

Syrischer Präsident Assad: "Sieg der Opposition ist nicht mehr auszuschließen"

Moskau - Seit fast zwei Jahren versucht der syrische Machthaber Baschar al-Assad, den Aufstand gegen seine Herrschaft blutig niederzuschlagen. In dem brutalen Bürgerkrieg weiß er nur noch wenige Verbündete hinter sich, darunter: Moskau.

Doch erstmals scheint sich die russische Regierung auf den Sturz Assads vorzubereiten. "Die Führung verliert mehr und mehr die Kontrolle im Land", sagte Vize-Außenminister Michail Bogdanow laut der Agentur Itar-Tass. Deshalb sei eine Niederlage von Präsident Assad möglich. "Leider kann der Sieg der syrischen Opposition nicht mehr ausgeschlossen werden."

Zusammen mit China hat Moskau im Uno-Sicherheitsrat mehrere Sanktionsanläufe blockiert, die gegen Syriens Machthaber gerichtet waren. Noch im Oktober hatte der Putin-Vertraute Wladimir Jakunin in einem Interview mit SPIEGEL ONLINE offen russische Waffenlieferungen an Damaskus verteidigt.

Vize-Außenminister Bogdanow signalisierte auch jetzt keine Absicht, sich der Position des Westens anzunähern und Sanktionen mitzutragen. Rund 130 Länder haben die syrische Opposition inzwischen anerkannt, darunter die USA. Bogdanows Aussagen wurden von Beobachtern aber als Zeichen gewertet, dass Russland von Assad abrücken könnte.

Noch am Wochenende hatte der Kreml Berichte dementiert, wonach er über die Zukunft des syrischen Machthabers verhandle. Moskau lehne Gespräche über einen möglichen Rücktritt von Assad ab, sagte Außenminister Sergej Lawrow am Sonntag. Man sei aber zu Treffen mit dem Uno-Beauftragten Lakhdar Brahimi und US-Gesandten bereit. "Das Wichtigste ist jetzt, dass alle Seiten die Waffen niederlegen und verhandeln", so Lawrow.

Eskalation im Bürgerkrieg

Doch statt eines Waffenstillstands erlebte Syrien am Donnerstag erneut blutige Gewalt. 40.000 Menschen sind in dem Bürgerkrieg bislang ums Leben gekommen. Mindestens 16 Menschen wurden nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana am Donnerstag getötet, als eine Autobombe in Katana, einem Vorort der syrischen Hauptstadt Damaskus, explodierte. 20 Menschen hätten Verletzungen erlitten, hieß es. Der Anschlag soll sich gegen eine Offizierssiedlung gerichtet haben. Unter den Opfern seien auch Schüler einer benachbarten Grundschule mit Kindergarten.

Regimegegner berichteten von Luftangriffen auf Ziele in den Vororten Harasta und Samalka. Bei Gefechten zwischen Rebellen und Regierungstruppen im Viertel Dschobar soll ein Deserteur getötet worden sein. Am Mittwoch hatten syrischen Behördenangaben zufolge mehrere Bombenexplosionen das Gebäude des Innenministeriums in Damaskus erschüttert. Dabei seien mindestens fünf Menschen ums Leben gekommen.

Im Kampf gegen Aufständische setzt die Führung in Damaskus nun offenbar auch Kurzstreckenraketen ein. Die Armee beschieße die Rebellen mit Scud-Raketen, sagte ein hochrangiger US-Vertreter. Solch ein Schritt wäre eine erhebliche Eskalation in dem seit Monaten anhaltenden Bürgerkrieg. Auch ein Nato-Vertreter in Brüssel, der anonym bleiben wollte, sagte, dass in den vergangenen Tagen innerhalb von Syrien Scud-Raketen zum Einsatz gekommen seien. Zudem herrscht Angst, dass Assad seine Chemiewaffen einsetzen könnte.

Die Türkei hatte bereits im Herbst dringlich um die Unterstützung der Nato gebeten, nachdem mehrere Granaten aus Syrien in der Südtürkei eingeschlagen waren. Nun sollen im Rahmen der Nato-Mission künftig zwei deutsche "Patriot"-Raketenabwehrsysteme entsendet werden - wenn der Bundestag am Freitag zustimmt, was erwartet wird. Sollte Machthaber Assad stürzen, sollen die "Patriots" bleiben. "Bisher gab es die Sorge: Wird das Regime Rache üben, wenn es sich halten kann? Jetzt fragen sich alle: Was machen wir, wenn das Regime stürzt? Es gibt einen Zerfall. Ein Grund für die Vorsorgemaßnahme mit den 'Patriots' ist, dass unkontrollierte Gruppen in Aktion treten könnten", sagte der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu der Zeitung "Sabah". Er ließ offen, ob es sich dabei um Reste des Regimes oder Kräfte aus den Reihen der Aufständischen handeln könnte.

kgp/dpa/AP/Reuters

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insgesamt 98 Beiträge
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1. Die Geister die gerufen werden...
cepnik1 13.12.2012
In spaetestens 1 Jahr, dann denke ich werden die Rebellen schon 6 Monate die Macht ergriffen haben, wird man bestuerzt im Westen auf Meldungen reagieren die den Gottesstaat in Syrien ausrufen werden. dann, spaetestens dann wird man sich an den kopf langen und sich fragen muessen warum man diese Rebellen die von Al Quaida unterwandert sind unterstuezt hat, nur dann is es zu spaet ;-) bestes beispiel, Aegypten mit seinen Mossel bruedern und und und, da lob ich mir doch die Haltung Russlands, nix da mit Al Quida unterstuezung, Russland weis aus eigener erfahrung wie sich solche sogenate befreier vermehren koennen..................................., aber bleibt ihr nur in dem glauben das diese rebellen nur das gute und eine reine demokratie in syrien wollen, hahaha
2. Radius
Anton T 13.12.2012
Zitat von sysopMit Waffen und Geld unterstützt Russland den syrischen Diktator Assad - doch der Kreml ist offenbar nicht mehr sicher, ob er auf den richtigen Mann setzt. Moskaus Vize-Außenminister Bogdanow sagt: "Ein Sieg der Opposition ist leider möglich."
Zu spät, Putin. Viel zu spät. Hättest Du Dir 40.000 Tote in Syrien früher überlegen sollen. Welche Regierung, welches Regime auch immer Assad nachfolgen wird, man wird sich erinnern, wer das Massaker ermöglicht hat. Jetzt ist der Zug abgefahren. Die Militärbasen in Syrien kann der Kreml abhaken. Und damit den letzten verbliebenen Einfluß im Nahen Osten. Russlands außenpolitischer Aktionsradius wird kleiner, und das ist eine gute Nachricht für die Welt.
3.
lifeguard 13.12.2012
Zitat von sysopMit Waffen und Geld unterstützt Russland den syrischen Diktator Assad - doch der Kreml ist offenbar nicht mehr sicher, ob er auf den richtigen Mann setzt. Moskaus Vize-Außenminister Bogdanow sagt: "Ein Sieg der Opposition ist leider möglich." Syrien: Russland spekuliert über Fall von Assad - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-russland-spekuliert-ueber-fall-von-assad-a-872696.html)
war ja irgendwann klar, das moskau merkt, das sie auf das falsche pferd gesetzt haben. am besten wäre es, hinter den kulissen über den abgang assads zu verhandeln, um da noch einflußmöglichkeiten auf die bildung einer übergangsregierung zu haben und nicht vollends das gesicht zu verlieren.
4. Schule
freiheitsk 13.12.2012
Zitat von sysopDer Anschlag soll sich gegen eine Offizierssiedlung gerichtet haben. Unter den Opfern seien auch Schüler einer benachbarten Grundschule mit Kindergarten. Syrien: Russland spekuliert über Fall von Assad - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-russland-spekuliert-ueber-fall-von-assad-a-872696.html)
Und warum wurde die Bombe dann direkt vor einer Schule mit Kindern und Frauen gezündet? Blast near Damascus kills 16, state media say - Yahoo! News (http://news.yahoo.com/blast-near-damascus-kills-16-state-media-102100250.html)
5. Was ist denn das für eine Aussage?
H.Lorenz 13.12.2012
Ihre Headline und das Zitat von Bogdanow liegen grammatisch etwas auseinander, finden Sie nicht?! Ich empfehle hier, die längst nicht mehr unabhängigen deutschen Medien äußerst kritisch zu betrachten. Ein Blick zu RiaNovosti (Keine Gegenreaktion Moskaus auf Anerkennung syrischer Opposition durch (http://www.de.rian.ru/politics/20121213/265137437.html)) genügt und man findet dort Bogdanow's ausführliche Äußerungen und noch einiges mehr - was, wen wundert's, hier beim Bertelsmann-Spiegel verschwiegen wird. Außerdem, meinen Sie wirklich, daß Moskau nach einem Fall Assad's keinen Einfluß mehr in der arbischen Welt haben wird? Das ist naiv oder einfach nur dumm. Jeder weiß doch eigentlich, wie gut der Übergang des KGB-Netzwerkes auf deren Nachfolger vollzogen wurde und daß neben diesem Netzwerk nur noch eines im nahen Osten und Nordafrika annähernd gut aufgestellt war: Mischa's Auflandsaufklärung, die in Teilen nach der politischen Wende vom BND genutzt wurde und wird.
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Bevölkerung: 22,505 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

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