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Angriffe in Syrien: Bomben auf die Lebensretter

AFP

Das Assad-Regime und seine Verbündeten haben zwei Krankenhäuser im Norden Syriens bombardiert, Dutzende Menschen starben. Die Angriffe gehören zur Kriegstaktik: Zivilisten sollen aus den Rebellengebieten vertrieben werden.

Der Himmel war wolkenlos an diesem Montagmorgen über dem Norden Syriens. Die Piloten in ihren Kampfjets hatten beste Sicht auf ihre Ziele - und sie zielten genau. Mehrere Raketen schlugen in Krankenhäusern in den Ortschaften Hamidija und Asas ein. Zahlreiche Menschen wurden bei den Angriffen getötet, mehrere Personen werden noch immer vermisst.

Welche Einrichtungen wurden getroffen?

In Hamidija explodierten vier Raketen in einem Krankenhaus, das von Ärzte ohne Grenzen unterstützt wird. Das Hospital ist vollständig zerstört. Laut Augenzeugen wurde die Einrichtung in zwei Wellen im Abstand von mehreren Minuten bombardiert. Das spricht dafür, dass die Attacke vorsätzlich geschah.

"Das war ein gezielter Angriff auf eine Gesundheitseinrichtung und wir verurteilen diese Attacke aufs Schärfste", sagte Massimiliano Rebaudengo von Ärzte ohne Grenzen. Durch den Angriff würden 40.000 Menschen in der Region von der Gesundheitsversorgung abgeschnitten.

Das Krankenhaus besaß vor den Einschlägen 30 Betten, zwei Operationssäle, eine Ambulanz und eine Notaufnahme und wird von der Hilfsorganisation finanziell und personell getragen. Insgesamt arbeiteten dort nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen 54 Menschen. Alles in allem unterstützt die Organisation in Syrien mehr als 150 Krankenhäuser. Seit Jahresbeginn wurden fünf davon bei Angriffen beschädigt.

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Angriffe in Syrien: Krieg gegen Krankenhäuser
Im Gebiet um Hamidija halten Aufständische der Freien Syrischen Armee die Kontrolle. Die syrischen Regierungstruppen und verbündete Milizen rücken seit Wochen mit Unterstützung russischer Luftangriffe auf die Rebellen vor.

Augenzeugen in der Stadt und die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien machten Russlands Luftwaffe für den Angriff an diesem Montag verantwortlich. Die Beobachtungsstelle berichtete unter Berufung auf Einwohner Hamidijas von neun Toten. Die Zahl könne steigen, da noch Opfer unter den Trümmern vermutet würden. Ärzte ohne Grenzen berichten von sieben Toten, acht Mitarbeiter würden vermisst. Ein Sprecher sagte, für den Angriff seien entweder das Assad-Regime oder das russische Militär verantwortlich. Am Montagabend erklärte de Uno in New York bei den Angriffen auf die Kliniken und auf Schulen im Norden Syriens seien fast 50 Zivilisten getötet worden.

Die Regierung in Moskau hat sich bislang nicht zu dem Vorfall geäußert.

Eine zweite Angriffswelle traf die Stadt Asas nördlich von Aleppo. Hier wurden unter anderem ein Kinderkrankenhaus und eine Schule getroffen. In der Schule sollen zuvor zahlreiche Flüchtlinge aus umliegenden Dörfern Zuflucht gefunden haben.

Insgesamt seien 14 Menschen getötet worden, berichten ein Arzt und zwei Bewohner der Stadt. "Wir haben viele schreiende Kinder aus dem Krankenhaus gerettet", sagte ein Mediziner. Unter den Toten seien mindestens zwei Kinder und eine Schwangere. Mehrere Verletzte seien mit Krankenwagen zur türkischen Grenze gebracht worden.

Laut Augenzeugen sollen fünf gelenkte Boden-Boden-Raketen in Asas eingeschlagen sein. Offenbar handelt es sich um russische Waffen, die von syrischen Regierungstruppen oder der Hisbollah-Miliz abgefeuert wurden. Im Internet veröffentlichten Bewohner der Stadt Fotos von einer russischen Totschka-Rakete, die dort eingeschlagen sein soll.

Zudem sollen russische Jets Häuser im Süden der Stadt bombardiert haben. Die türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtet hingegen, die Marschflugkörper seien von einem russischen Kriegsschiff im Mittelmeer abgefeuert worden.

Asas ist die letzte Hochburg der Aufständischen zwischen Aleppo und der türkischen Grenze. In den vergangenen Wochen sind Tausende Menschen aus Aleppo und anderen Orten hierhin geflüchtet.

Warum werden Krankenhäuser angegriffen?

Die Luftschläge gegen Krankenhäuser sollen gezielt Angst und Schrecken in der Bevölkerung verbreiten. Sie zeigen, dass es keinen sicheren Ort vor den Angriffen des Regimes und seiner Verbündeten gibt.

Es gehört zur Taktik der russischen und syrischen Armee, rund um Aleppo die Menschen aus den von Rebellen kontrollierten Gebieten zu vertreiben. Das zeigt sich in den anhaltenden Angriffen auf Aleppo sowie in den Attacken auf Krankenhäuser.

Der Kreml hat bislang stets bestritten, Krankenhäuser in Syrien bombardiert zu haben. Am Montag bekräftigte Regierungschef Dmitri Medwedew, dass die Luftangriffe rund um Aleppo weitergehen werden - auch im Fall einer Feuerpause.

Video: Krankenhäuser in Nordsyrien bombardiert

AFP

syd/Reuters/AFP

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Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki; Imad Khamis (designiert)

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