Unterstützung für Syriens Regime Putin bleibt Assad treu

Russland rüstet das Assad-Regime mit modernen Waffen aus und plant nun möglicherweise sogar die Entsendung eigener Truppen nach Syrien. Die USA sehen das mit Sorgen - lassen Putin aber gewähren.

Russlands Präsident Putin: Waffen für Assad
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Russlands Präsident Putin: Waffen für Assad

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Der Basil-al-Assad-Flughafen hat die besten Jahre hinter sich. Einst landeten hier tägliche Passagierflugzeuge aus Damaskus, die wohlhabende Syrer zur Sommerfrische ans Mittelmeer brachten. Der zivile Luftverkehr nach Latakia ist inzwischen eingestellt worden, mittlerweile landen hier nur noch Militärmaschinen.

Doch offenbar kehrt nun neues Leben auf den Flughafen im Nordwesten Syriens ein. Russlands Armee soll dort Fertigunterkünfte für bis zu tausend Soldaten errichtet haben. Außerdem habe Moskau eine mobile Station zur Kontrolle des Flugverkehrs nach Latakia verlegt. Das berichtet die "Los Angeles Times" unter Berufung auf US-Geheimdienstbeamte. Satellitenbilder sollen die russischen Aktivitäten auf dem Flugfeld belegen.

Die Berichte sind ein weiterer Hinweis darauf, dass der Kreml seine Unterstützung für das Regime von Baschar al-Assad verstärkt und möglicherweise sogar eigene Truppen in das Bürgerkriegsland entsendet. Bereits in der vergangenen Woche hatten Milizen in Syrien Bilder veröffentlicht, die russische Kampfjets und Drohnen im Einsatz über der Provinz Idlib zeigen sollen. Schon zuvor hatte das syrische Staatsfernsehen erstmals Bilder von einem russischen Schützenpanzerwagen des Typs BTR-82 im Kampf ausgestrahlt. Zudem kursieren Videos, auf denen sich Soldaten Befehle in russischer Sprache zurufen.

Eine Sprecherin des russischen Außenministeriums erklärte am Montag, man habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass man dem syrischen Regime militärische Ausrüstung für den Kampf gegen den Terror zur Verfügung stellt.

Die USA nehmen die Berichte ernst. Am Wochenende telefonierte US-Außenminister John Kerry deshalb mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow. "Der Minister hat klargemacht, dass, sollten die Berichte stimmen, diese Handlungen den Konflikt weiter eskalieren lassen, zum Verlust weiterer Menschenleben führen, die Zahl der Flüchtlinge erhöhen und das Risiko einer Konfrontation mit der Anti-IS-Koalition in Syrien mit sich bringen würden", teilte das Außenministerium in Washington nach dem Gespräch ungewohnt deutlich mit.

Am Freitag hatte Präsident Wladimir Putin gesagt: "Wir unterstützen Syrien schon ziemlich stark mit Ausrüstung, der Ausbildung von Soldaten und der Lieferung von Waffen." Von einer direkten Intervention in Syrien zu sprechen, sei jedoch "voreilig", sagte Putin.

Gemeinsamer Gegner: der "Islamische Staat"

Laut offiziellen Verlautbarungen verfolgen Washington und Moskau dasselbe Ziel: Sie wollen die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) bekämpfen, die große Teile Nord- und Ostsyriens kontrolliert. Doch während die USA dabei auf Luftschläge und die Unterstützung gemäßigter Rebellengruppen setzen, ist nach russischer Lesart das Assad-Regime die einzige Kraft, die den Vormarsch der Dschihadisten stoppen kann.

Doch die Bedrohung durch den IS ist wohl nur ein Vorwand für den Kreml, um die Unterstützung für die Regierung in Damaskus zu rechtfertigen. Tatsächlich geht es Russland wohl eher darum, die Hochburgen des Regimes zu schützen. Die Küstenregion und die angrenzende Hügellandschaft im Nordwesten Syriens sind das Kernland der alawitischen Minderheit, der auch der Assad-Clan und wichtige Stützen des Regimes angehören. Sollte der Diktator irgendwann aus der Hauptstadt fliehen müssen, könnte er hier mit russischem Schutz Unterschlupf bekommen. Seit Jahrzehnten unterhält Russland bereits eine Marinebasis in der Hafenstadt Tartus bei Latakia.

"Wenn sie Personal nach Syrien verlegen, um der Regierung zu helfen, ihren eigenen Kampf zu führen, ist das eine Sache", sagte ein US-Beamter über das russische Vorgehen. "Aber wenn sie Bodentruppen entsenden und Bomben über bewohnten Gebieten abwerfen, ist das etwas völlig anderes."

Israel beobachtet Entwicklung aufmerksam

Trotzdem ist es unwahrscheinlich, dass die US-Regierung diesen Worten Taten folgen lässt. Der Sturz des Assad-Regimes hat für Washington derzeit nicht Priorität. Die mantraartig wiederholte Formel "In einem neuen Syrien ist kein Platz für Assad" hat praktisch keine Bedeutung. Stattdessen konzentrieren sich die USA auf den Kampf gegen den IS.

Dagegen verfolgt Israel die wachsende russische Militärhilfe für Assad mit großer Aufmerksamkeit. Die israelische Luftwaffe hat in den vergangenen Monaten mehrfach Ziele in Syrien bombardiert, mutmaßlich um Waffenlieferungen an die libanesische Hisbollah zu verhindern. Bislang brauchten die Angreifer dabei die syrische Luftabwehr nicht zu fürchten. Mit der Lieferung neuer, modernerer Waffensysteme an Syrien könnte sich das ändern.


Zusammengefasst: Russland weitet offenbar sein militärisches Engagement in Syrien aus. Laut einem Bericht der "New York Times" soll Moskaus Armee im Nordwesten des Bürgerkriegslandes Fertigunterkünfte für bis zu tausend Soldaten errichtet haben. In der Vergangenheit waren bereits Bilder von russischen Kampfjets, Drohnen und Panzern in Syrien aufgetaucht. Die USA warnen vor einer weiteren Eskalation des Konflikts.



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