Nach Giftgasattacke Russland warnt USA vor Angriff in Syrien

US-Präsident Trump befeuert Spekulationen über einen Militärschlag in Syrien. Russland droht mit "sehr traurigen und ernsten Ereignissen". Die Luftraumüberwachung Eurocontrol warnt bereits vor Raketen und Marschflugkörpern.

Russlands Uno-Botschafter Nebensja
AFP

Russlands Uno-Botschafter Nebensja


Nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff spitzt sich die Krise um den Bürgerkrieg in Syrien dramatisch zu. Die USA machen die Regierung von Machthaber Baschar al-Assad für die Attacke verantwortlich. Wie werden die Amerikaner nun reagieren?

Präsident Donald Trump schließt militärische Schritte nicht aus. Am Montag sagte er, seine Regierung werde in den nächsten 24 bis 48 Stunden eine Entscheidung über die Reaktion der USA treffen. Alle Optionen würden in Betracht gezogen. Eine geplante Reise nach Südamerika sagte das Weiße Haus überraschend ab. Wegen der Krise telefonierte Trump mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der britischen Premierministerin Theresa May.

Aus Russland kommt nun jedoch eine deutliche Warnung: "Ich fordere Sie erneut auf, flehe Sie an, die Pläne zu unterlassen, die Sie derzeit für Syrien entwickeln", sagte Moskaus Uno-Botschafter Wassili Nebensja an seine amerikanische Amtskollegin Nikky Haley gewandt. "Die Drohungen, die Sie gegenüber Syrien aussprechen, sollten uns ernsthaft Sorgen bereiten, uns allen, denn wir könnten uns an der Schwelle von sehr traurigen und ernsten Ereignissen wiederfinden."

Dutzende Tote

Bei dem gemeldeten Giftgaseinsatz auf die von Rebellen kontrollierte Stadt Duma in der Region in Ost-Ghuta am Samstag sollen nach neuen, korrigierten Angaben der Hilfsorganisation Weißhelme mindestens 42 Menschen getötet worden sein. Mehr als 500 Personen wurden demnach in Krankenhäusern behandelt. Das US-Außenministerium teilte am Abend mit, Kenntnis von mindestens 85 Todesopfern zu haben.

Anders als Washington vertritt Russland die Auffassung, die Rebellen hätten den Angriff lediglich inszeniert. Moskau ist im Bürgerkrieg ein enger Verbündeter der syrischen Regierung. Der Uno-Sicherheitsrat ist deshalb bei dem Thema völlig blockiert. Gleich drei Syrien-Resolutionen scheiterten am Dienstag bei einer Sitzung des Gremiums in New York in einem neuen Schlagabtausch zwischen dem Westen und Russland und seinen Verbündeten.

Auch Russlands Botschafter im Libanon sendete eine deutliche Drohung an die Vereinigten Staaten: "Wenn es einen Angriff der Amerikaner gibt, dann werden die Raketen abgeschossen und auch die Quellen, von denen die Raketen abgefeuert wurden", sagte er gegenüber dem Fernsehsender Al-Manar.

Angesichts der Spannungen vor einem möglichen Militäreinsatz der USA und anderer Staaten gegen Syrien hat die Luftraumüberwachung Eurocontrol alle Airlines auf mögliche Probleme im östlichen Mittelmeer hingewiesen. In der am Dienstag veröffentlichten Warnung hieß es, dass "innerhalb der nächsten 72 Stunden" Luftangriffe in Syrien sowie der Einsatz von Raketen und Marschflugkörpern möglich seien.

"Ethnische Säuberung"

Die Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen (OPCW) kündigte an, in Kürze Experten in die syrische Stadt Duma zu schicken, um die Berichte über den Giftgasangriff zu untersuchen. Uno-Mitarbeiter in Syrien konnten diese bislang nicht bestätigen, da sie keinen Zugang zur betroffenen Region hätten. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden in den vergangenen Tagen in der Region Menschen mit Atembeschwerden behandelt. Ob diese durch chemische Waffen ausgelöst wurden, könnten die Mitarbeiter im Land aber nicht beurteilen, sagte WHO-Sprecherin Fadela Chaib in Genf.

Die Nato verurteilte den Angriff in Duma. "Jeder Einsatz von chemischen Waffen ist inakzeptabel und die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden", sagte Generalsekretär Jens Stoltenberg. Der außenpolitische Experte der Unionsfraktion im Bundestag, Jürgen Hardt, sprach gegenüber der "Rhein-Neckar-Zeitung" von "ethnischen Säuberungen" der syrischen Regierung.

kev/AP/dpa/Reuters

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