Syrien Moskau wirft Briten Inszenierung von mutmaßlichem Giftgasangriff vor

Russland erhebt schwere Vorwürfe gegen die britische Regierung: London soll den mutmaßlichen Giftgasangriff in Ost-Ghuta mitinszeniert haben. Die USA verschärfen ihrerseits die Anschuldigungen gegen Moskau.

Sergej Lawrow
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Die russische Armee wirft Großbritannien eine "direkte Beteiligung" an dem mutmaßlichen Giftgasangriff in Syrien vor. Sie habe "Beweise", die eine "direkte Beteiligung Großbritanniens an der Organisation dieser Provokation in Ost-Ghuta belegen", sagte der Sprecher der russischen Armee, Igor Konaschenkow, in Moskau. London habe bei der Inszenierung des mutmaßlichen Giftgasangriffs "starken Druck" auf die Zivilschutzorganisation der Weißhelme ausgeübt.

Auch Außenminister Sergej Lawrow wiederholte Vorwürfe, der mutmaßliche Chemiewaffeneinsatz sei inszeniert worden. "Wir haben unwiderlegbare Informationen, dass dies ein weiterer inszenierter Vorfall war", sagte Lawrow. Der Geheimdienst eines "bestimmten Staates, der jetzt an vorderster Front einer antirussischen Kampagne" stehe, sei in die Inszenierung verwickelt.

Ermittler der Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) sollen den mutmaßlichen Angriff untersuchen. Sie sollen herausfinden, ob in der damals von Rebellen kontrollierten Stadt Chemiewaffen eingesetzt wurden. Am vergangenen Samstag sollen nach unterschiedlichen Angaben zwischen 42 und 85 Menschen durch Giftgas getötet worden sein.

Erste Chemiewaffenexperten in Syrien eingetroffen

US-Präsident Donald Trump hatte am Mittwoch mit einem Angriff auf syrische Stellungen gedroht. Die USA werfen Russland vor, den Einsatz von Chemiewaffen in Syrien erst möglich gemacht zu haben. "Wenn Russland seine Verpflichtungen erfüllt hätte, würde es heute keine Chemiewaffen in Syrien geben", sagte die amerikanische Uno-Botschafterin Nikki Haley in einer Sitzung des Sicherheitsrats. Russland habe sein Veto-Recht im Rat zwölf Mal genutzt, um die Regierung von Präsident Baschar al-Assad zu schützen - unter anderem, um Ermittlungen über Giftgasangriffe im Land zu stoppen.

Assads Regierung habe nach Schätzungen der USA mindestens in 50 Fällen Chemiewaffen eingesetzt, sagte Haley. In anderen Schätzungen sei sogar von 200 Fällen die Rede.

Uno-Generalsekretär António Guterres hatte zu Beginn der Ratssitzung von einem "Chaos im Nahen Osten" und einer Rückkehr des Kalten Krieges gesprochen. Ein erstes Ermittlerteam der OPCW sei bereits in Syrien eingetroffen, um den Vorfall zu untersuchen. Das zweite Team werde am Freitag oder Samstag erwartet. "Aber wir müssen mehr tun" sagte Guterres.

cte/dpa/AFP

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