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Syrien-Krieg: Russlands Luftangriffe vereinen syrische Rebellen

DPA

"Massaker", "offene Besatzung": In einer Erklärung finden 40 syrische Rebellengruppen scharfe Worte für die Luftangriffe Moskaus. Das Assad-Regime fühlt sich von dem russischen Eingreifen gestärkt - und plant offenbar eine Bodenoffensive.

Rund 40 syrische Rebellengruppen haben sich zu einem Bündnis gegen die russischen Streitkräfte zusammengetan. Sie werfen ihnen ein "Massaker" an Zivilisten in Homs vor und drohen mit Vergeltung. Die "russische Militäraggression" sei eine "offene Besatzung", und alle Besatzungsmächte seien "legitime Ziele", heißt es in der Erklärung, die von gemäßigten Rebellenbrigaden sowie von radikalislamischen Truppen wie Ahrar al-Scham und Dschaisch al-Islam getragen wurde. Die Nusra-Front unterzeichnete nicht.

Der arabische TV-Sender Al Jazeera berichtet, die Rebellengruppen hätten ein Abkommen getroffen, in dem zu gemeinsamen Angriffe auf die russischen Streitkräfte aufgerufen wird. In der Erklärung wird die "russisch-iranische Allianz" zur Besetzung Syriens angeprangert.

Der US-Sender Fox News hatte vor wenigen Tagen berichtet, Iran habe Bodentruppen nach Syrien gesandt. "Dieser (Streitkräfte-) Aufbau wurde immer so verstanden, dass die Russen die Luftwaffe und die Iraner die Bodentruppen in Syrien stellen würden", sagte ein ungenannter US-Militärvertreter dem Sender. Auch ein Militärberater der gemäßigten Freien Syrischen Armee (FSA) hatte erklärt, Truppen der iranischen Revolutionsgarden und der Hisbollah seien zusammengezogen worden. Iran wies diese Berichte zurück.

Die syrische Regierung scheint sich durch die russische Intervention gestärkt zu fühlen und plant offenbar eine großangelegte Bodenoffensive. Für den Angriff nördlich der Stadt Homs im Westen des Landes würden Tausende Kämpfer der syrischen Streitkräfte, der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah, der iranischen Revolutionsgarden und verbündeter Milizen mobilisiert. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus dem Umfeld eines von der Hisbollah geführten Bündnisses.

Die Region ist eine der ältesten Oppositionshochburgen. Mehrere Gruppen wie etwa die Nusra-Front sind dort aktiv. Der syrische Ableger des Terrornetzwerks al-Qaida kämpft dort mit anderen Rebellen gegen das Regime und den "Islamischen Staat" (IS). Die Terrormiliz, die Teile im Osten und Norden des Landes kontrolliert, soll in der Region nicht präsent sein.

Die geplante Bodenoffensive der Regierungssoldaten dürfte für massive Kritik des Westens und sunnitischer Staaten sorgen, die die Rebellen dort unterstützen. Einige der Oppositionsgruppen, die Assad stürzen wollen, werden vom Westen nicht als terroristisch, sondern als gemäßigt angesehen, auch wenn sie mit Islamistentruppen taktische Bündnisse eingehen.

als/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 127 Beiträge
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1. Wenn die Rebellen klug wären...
harwin 06.10.2015
Wenn die Rebellen klug wären, dann würden sie sich erstmal ins Ausland absetzen, bis Russland wieder abgezogen ist. Sollten erst die Russen den IS bekämpfen, nach Abzug der Truppen könnten sie dann wieder gegen Assad kämpfen. Für uns wäre es natürlich besser wenn es nicht dazu kommt, weil ein friedliches Syrien bedeutet die Flüchtlinge könnten wieder in ihr Land zurück.
2.
lukas.muc 06.10.2015
Das kann doch nur bedeuten, dass die Russen alles richtig gemacht haben - oder ?
3. konzentrierte Aktion
stjefaan 06.10.2015
Na Mensch eine konzentrierte Aktion im Stammland auf dem Wege nach Aleppo und zur alawitischen Küstenregion. Wenn die erfolgreich ist und Aleppo vielleicht auch eingenommen werden kann, dann kann man doch von Fortschritten sprechen. Dann gibt es für die einzige Ordungsmacht in Syrien, die Regierungstruppen, die eine Freiwilligenarmee sind, keinen Mehrfrontenkrieg mehr und sie können sich in Einheit mit Ihren Verbündeten dem Osten des Landes zuwenden, also der IS. Allerdings würde ich es mir gut überlegen, es handelt sich ausschliesslich um Wüstengebiet ohne wirkliche Bedeutung für den syrischen Staat. Vielleicht einigt man sich auf einen Waffenstillstand mit der IS und lässt den Sunniten dort einfach einen Platz, in dem sie sich austoben können.
4. gemäßigte Rebellen?
malik1986 06.10.2015
seit Jahren wird von gemäßigten Rebellen gesprochen. Aus den gemäßigten Rebellen sind viele zu den Terroristen übergelaufen. Dieses Risiko war jedem klar, dennoch gab es von allen Seiten die volle Unterstützung. Die einzige gemäßigten Rebellen sind die Kurden.
5. Gemäßigte Rebellen?
Arrows 06.10.2015
Was heißt "die Rebellen sind gemäßigt"? Die Taliban wurde auch mal als die guten Rebellen dargestellt und von der USA kräftig gegen die Russen in Afghanistan unterstützt. Gute und Schlechte gibt es in diesem Krieg nicht, nur Böse und fanatisch religiös Böse. Assad ist ein Diktator, Massenmörder und Tyrann, aber nur er trennt Kirche und Staat. Nur durch diese Trennung ist ein Staat aufrecht zu erhalten. Sonst wird im nahen Osten ein ewig dauernder Glaubenskrieg toben.
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Regierungschef: Wail al-Halki; Imad Khamis (designiert)

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