Beirut - Zuerst schlugen Deserteure zu, dann starteten Regierungseinheiten eine Gegenoffensive. In der nordsyrischen Stadt Rastan ist es Montag zu schweren Gefechten zwischen Soldaten und Kämpfern der überwiegend aus Deserteuren bestehenden Freien Syrischen Armee (FSA) gekommen.
Bei den Gefechten seien zwei Dutzend Regierungssoldaten getötet worden, teilte die Syrische Beobachtungsgruppe für Menschenrechte mit. Die Aufständischen hätten außerdem drei gepanzerte Mannschaftstransporter zerstört. Ein FSA-Kämpfer hatte zuvor von heftigem Artilleriefeuer der Regierungstruppen berichtet. Dabei seien mindestens neun Menschen getötet worden, darunter ein Kommandeur der Rebellen.
Die Regierungseinheiten hätten eine Offensive eingeleitet, um die 25 Kilometer nördlich der Rebellen-Hochburg Homs gelegene Stadt zurückzuerobern. Rastan wird seit Januar von Aufständischen gehalten. Seit 2 Uhr seien Granaten und Raketen im Minutenabstand eingeschlagen. "Rastan wurde zerstört", behauptete der FSA-Kämpfer.
Seit April gilt eigentlich ein Waffenstillstand in Syrien. Doch es kommt dennoch immer wieder zu Kämpfen. In der Hafenstadt Tripoli kam es am Sonntag zu Gefechten zwischen Anhängern und Gegnern des Assad-Regimes. Bei den Schießereien zwischen alevitischen Glaubensbrüdern Assads und Sunniten seien zwei Menschen getötet und mindestens 20 andere verletzt worden, hieß es in medizinischen Kreisen.
Unbekannte sollen in Damaskus am Sonntag einen schiitischen Geistlichen ermordet haben. Scheich Abbas al-Laham sei nach dem Abendgebet vor der Sajjida-Rakija-Moschee erschossen worden, berichtete das Observatorium für Menschenrechte. In der Provinz Homs seien ein Fabrikdirektor und dessen Begleiter in einem Auto erschossen worden. Auch zu diesem Attentat bekannte sich niemand.
Die Europäische Union verschärfte am Montag erneut die Sanktionen gegen Syrien. Die Außenminister beschlossen in Brüssel, drei Personen und zwei Firmen auf schwarze Listen der EU zu setzen. Die Personen erhalten damit Einreiseverbot in die EU, ihre Vermögen in der Union werden eingefroren. Die Unternehmen dürfen keine Geschäfte mehr mit der EU machen.
Bundesaußenminister Guido Westerwelle warnte vor einem Flächenbrand in der Region. Es mehrten sich die Anzeichen, dass die Gewalt auf Nachbarländer wie Libanon übergreife, sagte Westerwelle am Montag in Berlin. "Die Gefahr eines Flächenbrandes ist ernst."
Die Gewalt sei begonnen worden vom Regime um Präsident Baschar al-Assad. Es sei daher richtig, dass die EU am Montag weitere Sanktionen gegen das Regime beschließen werde.
als/dpa/
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