Krieg in Syrien Uno beendet Beobachtermission

Es ist vorbei. Auch die letzten Uno-Beobachter werden aus Syrien abgezogen. Der Sicherheitsrat verlängert das am Sonntag endende Mandat der gescheiterten Beobachtermission Unsmis nicht. Die Vereinten Nationen wollen aber weiterhin in dem Land präsent sein.

Unsmis-Mitglieder in Damaskus: Die letzten Beobachter kehren heim
DPA

Unsmis-Mitglieder in Damaskus: Die letzten Beobachter kehren heim


New York - Der Uno-Sicherheitsrat hat am Donnerstag das Ende der Beobachtermission Unsmis in Syrien angeordnet. Die Bedingungen für eine Fortsetzung der Mission seien nicht gegeben, sagte der französische Uno-Botschafter Gérard Araud in New York nach Beratungen des Weltsicherheitsrats.

Die Präsenz der Uno in Syrien werde aber andauern. In einem Brief an den Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon habe er die Eröffnung eines Verbindungsbüros in Damaskus unterstützt, sagte Araud.

Das Mandat der Mission läuft an diesem Sonntag um Mitternacht aus. Für eine Verlängerung hätten auf Seiten der syrischen Regierung zwei Bedingungen erfüllt werden müssen: weniger Gewalt und kein Einsatz von schweren Waffen mehr. Aus Diplomatenkreisen war bereits im Vorfeld der Beratungen zu hören gewesen, dass diese Bedingungen nicht erfüllt seien.

Russlands Uno-Botschafter Witali Tschurkin bedauerte das Ende von Unsmis. "Aber wir sind optimistisch im Hinblick auf eine Reform der Uno-Präsenz in Syrien." Gleichzeitig kündigte er für diesen Freitag ein Treffen der Syrien-Aktionsgruppe gemeinsam mit den Botschaftern Irans und Saudi-Arabiens in New York an.

Endgültig gescheitert

Die unbewaffneten Uno-Beobachter hatten im April ihre Arbeit aufgenommen, am 20. Juli hatte der Sicherheitsrat das Mandat um 30 Tage verlängert. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Gewalt in Syrien wurde allerdings die Hälfte der ursprünglich 300 Beobachter abgezogen.

Die Mission sollte eine Waffenruhe zwischen den Aufständischen und den Truppen von Präsident Baschar al-Assad überwachen, die jedoch nie eingehalten wurde. Mehrfach wurden die Beobachter an dem Besuch von Orten gehindert, teils wurden sie auch beschossen.

Anfang des Monats hatte Kofi Annan, ehemaliger Chefdiplomat der Vereinten Nationen, seinen Posten als Syrien-Sondergesandter nach sechs Monaten aufgegeben. Damit galt auch offiziell das letzte bisschen Hoffnung beerdigt, dass zwischen dem syrischen Diktator Assad und seinen Gegnern doch noch eine politische Lösung ausgehandelt werden könnte.

Seit Beginn des Syrienkonflikts im März 2011 starben nach Uno-Schätzungen mindestens 18.000 Menschen, Oppositionsgruppen sprechen von mehr als 20.000 Toten. Mindestens 150.000 Menschen flohen der Uno zufolge in Nachbarländer.

Das Scheitern der Mission ist vor allem für die Syrer selbst ein Desaster. Etliche Städte sind zerstört, das Land ist in weiten Teilen verarmt, Tausende sind bei Angriffen und Kämpfen ums Leben gekommen, Hunderttausende auf der Flucht. Und ein Ende des Konflikts scheint weit entfernt.

aar/dpa/Reuters/AFP

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demokratischersozialist 16.08.2012
1. Tja....
so ist das wenn von einigen Laendern (USA, SA, Katar, Tuerkei) mit Allen Mitteln geopolitische Vorteile erreicht wer den sollen! Der grosse Verlierer ist wie immer das Volk des betroffenen Landes, im konkreten Fall eben das Syrische Volk! Und mit den Stopp der UNO-Mission in Syrien ist wohl nun auch der Genfer Plan gestorben und damit die letzte Hoffnung auf eine noch irgendwie geartete friedliche Loesung des Buergerkrieges in Syrien! Was jetzt kommt, ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein blutiger und jahrelang dauernder Buergerkrieg in Syrien mit vielen tausenden unschuldiger Opfer!!! So lange eben, bis eine der beteiligten Seiten den "Sieg" davon traegt!! Und einen grossen Teil Schuld an dieser Entwicklung traegt der Westen und seine arabischen Helfershelfer! Ich bin immer fuer eine friedliche Loesung gewesen, aber da dafuer absolut keine Moeglichkeit mehr besteht, hoffe und wuensche ich, das die syrische Armee die Oberhand behaelt und das nicht Syrien in die Haende von islamistischen Soeldnern und Al-Khaida-Terroristen faellt!
noahg 16.08.2012
2. verstehe ich nicht...
ich bin immer wieder erstaunt über Meinungen, die ich hier lese...Demokratie bedeutet dass das Volk enscheiden soll und das ist sicher in Syrien nicht gegeben, oder wer nennt hier Asad demokrat? Terror ist laut Wikipedia die systematische und oftmals willkürlich erscheinende Verbreitung von Angst und Schrecken durch ausgeübte oder angedrohte Gewalt, um Menschen gefügig zu machen...ich sehe auf der einen Seite Rebellen, die gegen Armee kämpft, und Staat, der sein Volk terrorisiert. Ergo wer demokratisch und gegen Terror ist, muss gegen dieses verbrecherische Regime sein. Hätte die Welt frühzeitig reagiert, wäre es nicht dazu gekommen dass nun auch Terroristen unter Rebellen sich eingemischt haben. Für alle, die eigentlich sich nicht um die Rechte des syrischen Volkes scheren, wenn es sich nur darum geht alles islamishe zu verteufeln könnte ich das verstehen, aber zu wünschen dass so ein kaltblütiger Diktator, der Panzer und Kampfjets seine Städte bombardieren lässt um an der Macht zu bleiben,siegt ist für mich moralisch nicht haltbar. das erinnert ein bisschen an Nero: wenn ich nicht die Macht habe, dann lass es brennen.
miran 17.08.2012
3. Das Gegenteil
Ich hoffe das Gegen Teil von Ihnen, dass die Auständigen die Oberhand behälten. Assad konnte am Anfang alles friedlich lösen, leider hatte er nicht getan, weil er nicht wollte auf die Macht zu verzichten, da er das Land als eigentum von seinem Vatter geerbt hat. Die jenigen, die Schuld daran haben, sind Russen, Chineesen und Iraner, die aus mafiösen Interssen gehindert haben, dass die Bevölkerung durch UNO geschutzt werden können.
robert.haube 17.08.2012
4. FSA im Rückwärtsgang
Die augenblickliche Ruhe an der Schlagzeilen-"Front" hierzulande bedeutet, dass sich in Syrien positives abspielt. Die geplagte Bevölkerung in Aleppo strömt in die Stadtviertel Salalhedin und Saif al-Dawlah zurück, die von der syrischen Armee freigegeben wurden. Strom und Wasserversorgung sind wieder hergestellt. Gestern bestimmte Assad (das ist der, dessen Tage angeblich "gezählt" sind) drei neue Minister für Industrie, Justiz und Gesundheit. Alle drei stammen aus Aleppo.
derandersdenkende, 17.08.2012
5. Warum mußte die Mission scheitern?
Zitat von sysopREUTERSEs ist vorbei. Auch die letzten Uno-Beobachter werden aus Syrien abgezogen. Der Sicherheitsrat verlängert das am Sonntag endende Mandat der gescheiterten Beobachtermission Unsmis nicht. Die Vereinten Nationen wollen aber weiterhin in dem Land präsent sein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,850509,00.html
Weil sie einsichtig ausgerichtet war. Sie sollte die Vorurteile der Westmächte bestätigen und hatte so für die eigentliche Arbeit keine Zeit und auch nur unzureichende Vollmachten. In der Folge wurden dann auch noch die gewonnenen Erkenntnisse einseitig interpretiert. So was braucht kein Mensch - eine Propagandaaktion als UN-Mission getarnt. So wird die UNO in der Tat zahnlos gemacht.
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