Syrien: Assad-Soldaten töten mindestens 20 Bewohner von Hama

In Syrien hält die Gewalt trotz der geplanten Entsendung weiterer Uno-Beobachter an: In der Stadt Hama haben Soldaten des Assad-Regimes nach Angaben von Oppositionellen mindestens 20 Menschen erschossen - es soll Dutzende Verletzte gegeben haben.

Rauch steigt über der Stadt Hama auf: Bild aus einem YouTube-Video Zur Großansicht
AFP/ YouTube

Rauch steigt über der Stadt Hama auf: Bild aus einem YouTube-Video

Beirut - Sie kamen mit Panzern und schweren Geschützen: Soldaten des syrischen Machthabers Baschar al-Assad haben oppositionellen Aktivisten zufolge die Stadt Hama angegriffen. Die Attacke des Militärs habe am Montagmorgen begonnen, Häuser hätten gebrannt, sagte ein Aktivist der Nachrichtenagentur Reuters.

Dem Bericht zufolge kamen bei dem Angriff mindestens 20 Menschen ums Leben, 60 seien verletzt worden. Die Zahl der Opfer könnte aber noch höher ausfallen, sagte ein Aktivist - durch den Artilleriebeschuss seien viele Häuser zerstört worden, möglicherweise würden Opfer unter den Trümmern liegen. "Das Militär kam und feuerte auf die Leute in den Straßen."

Die Assad-Regierung äußerte sich zunächst nicht zu dem Vorfall. Das Regime hält sich offiziell an einen vom Syrien-Gesandten und Ex-Uno-Generalsekretär Kofi Annan vermittelten Waffenstillstand. Das Regime behält sich aber nach eigenen Angaben das Recht vor, gegen Attacken von terroristischen Gruppen vorzugehen. Die syrische Regierung hat in der Vergangenheit mehrfach betont, die Unruhe in dem Land gehe auf Terroristen zurück, die in dem Land Chaos stiften wollten.

Heftige Gefechte nahe Damaskus

Nach Oppositionsangaben kam es am Montag auch in der Nähe der Hauptstadt Damaskus zu heftigen Gefechten zwischen Regierungstruppen und Rebellen. In der Hauptstadt selbst seien zudem mindestens zehn schwere Explosionen zu hören gewesen.

Die Ankunft der 300 Mann starken Uno-Beobachtergruppe scheint sich unterdessen weiter zu verzögern. Die organisatorische Vorbereitung für die Ankunft der zusätzlichen Uno-Beobachter laufe noch, sagte ein Uno-Mitarbeiter in Damaskus der Nachrichtenagentur dpa.

Am Samstag hatte der Weltsicherheitsrat in New York beschlossen, die zusätzlichen Beobachter nach Syrien zu entsenden. Mit ihrem Eintreffen war zunächst noch am Wochenende gerechnet worden. Derzeit sind gerade einmal zehn Uno-Beobachter als Vorauskommando vor Ort, um die Einhaltung der am 12. April in Kraft getretenen Waffenruhe zu überprüfen.

Amateurvideos zeigten den Chef des aktuellen Beobachterteams, den marokkanischen Oberst Ahmed Himmiche, in der Ortschaft Al-Rastan gemeinsam mit führenden Kommandeuren der aufständischen Freien Syrischen Armee. Al-Rastan liegt an der Grenze der Provinzen Hama und Homs, in denen die Oppositionsbewegung besonders stark ist.

EU verschärft Sanktionen gegen Syrien

Wegen der anhaltenden Gewalt in Syrien hat die EU am Montag weitere Sanktionen verhängt, die auch auf das Luxusleben der Führungsriege in Damaskus zielen. Die EU-Außenminister beschlossen in Luxemburg ein Exportverbot für Luxusgüter sowie für Produkte, die zur Unterdrückung der Opposition eingesetzt werden können, wie EU-Diplomaten sagten.

Die EU müsse den Druck auf die syrische Führung um den Clan von Präsident Assad weiter erhöhen, sagte der britische Außenminister William Hague. Die syrische Führung halte die Bedingungen des unter Vermittlung des internationalen Sondergesandten Kofi Annan vereinbarten Waffenstillstands nicht ein.

"Wir alle wissen, die Situation ist weiterhin sehr besorgniserregend", sagte der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Link (FDP), der Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) in Luxemburg vertrat. Der vereinbarte Waffenstillstand sei "fragil". Westerwelle lehnte es in einem Interview ab, die syrische Führung notfalls mit Gewalt zur Einhaltung des Friedensplans zu zwingen. "Die Bundesregierung setzt weiter auf eine politische Lösung", sagte Westerwelle "Handelsblatt Online".

Angesichts der brüchigen Waffenruhe verhängten die EU-Länder die 14. Sanktionsrunde gegen die Regierung in Damaskus. Die Außenminister beschlossen EU-Diplomaten zufolge nicht nur, die Ausfuhr weiterer Produkte zu verbieten, die zur Unterdrückung der Opposition eingesetzt werden können, sondern auch den Export von Luxusgütern. Welche Güter auf die beiden Listen gesetzt werden, muss den Angaben zufolge noch ausgearbeitet werden.

Die Führungsriege um den Assad-Clan müsse verstehen, dass die Ereignisse in Syrien auch Folgen für ihren persönlichen Lebensstil hätten, begründete ein EU-Diplomat den eher symbolischen Beschluss zu Luxusgütern. Ein Waffen- und ein Ölembargo sowie Maßnahmen gegen das syrische Finanzsystem wurden bereits in den vergangenen Monaten beschlossen.

hen/Reuters/dpa

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1.
Safiye 23.04.2012
... Sondergesandten Kofi Annan, den Bürgerkrieg, der schon längst ausgebrochen ist, aufzuhalten, schätze ich sehr, nur ist es dafür schon seit 11.000 Toten zu spät. Wenn in Deutschland schon ein totes Kind den völlig falsch Ruf nach Lynchjustiz im Internet nach sich zieht, wie müssen erst die Verwandten und Eltern der vielen tausend Toten in Syrien empfinden ?! Die Mörder ihrer Verwandten und Kinder werden vermutlich nie zur Rechenschaft gezogen werden. Und Bashar Al-Assad ?! Er und sein Clan leben schon seit Jahrzehnten in ihrer eigenen erstarrten Welt ... in der sie nur wahrnehmen, was sie wahrnehmen wollen. Wie bemerkte Lord Acton schon im 19. Jahrhundert: "Power corrupts. Absolute power corrupts absolutely."
2. Telefonanruf genügt
pikeaway 23.04.2012
[QUOTE=Safiye;10068944Dem Bericht zufolge kamen bei dem Angriff mindestens 20 Menschen ums Leben, 60 seien verletzt worden. Die Zahl der Opfer könnte aber noch höher ausfallen, sagte ein Aktivist - durch den Artilleriebeschuss seien viele Häuser zerstört worden, möglicherweise würden Opfer unter den Trümmern liegen. "Das Militär kam und feuerte auf die Leute in den Straßen."QUOTE] Wie zuverlässig sind die Meldungen? Audioboo (http://audioboo.fm/boos?cursor=1335193427&page=2&view_filter=everyone) Wo sind die Namenslisten und sonstigen Belege, z.B. Videos?
3. ...
Hape1 23.04.2012
Zitat von Safiye... Sondergesandten Kofi Annan, den Bürgerkrieg, der schon längst ausgebrochen ist, aufzuhalten, schätze ich sehr, nur ist es dafür schon seit 11.000 Toten zu spät. Wenn in Deutschland schon ein totes Kind den völlig falsch Ruf nach Lynchjustiz im Internet nach sich zieht, wie müssen erst die Verwandten und Eltern der vielen tausend Toten in Syrien empfinden ?! Die Mörder ihrer Verwandten und Kinder werden vermutlich nie zur Rechenschaft gezogen werden. Und Bashar Al-Assad ?! Er und sein Clan leben schon seit Jahrzehnten in ihrer eigenen erstarrten Welt ... in der sie nur wahrnehmen, was sie wahrnehmen wollen. Wie bemerkte Lord Acton schon im 19. Jahrhundert: "Power corrupts. Absolute power corrupts absolutely."
Nicht alle 11.000 Tote sind Opfer der syrischen Armee. Auch die "Rebellen" töten Soldaten und Zivilisten.
4.
alnemsi 23.04.2012
Zitat von Safiye... Sondergesandten Kofi Annan, den Bürgerkrieg, der schon längst ausgebrochen ist, aufzuhalten, schätze ich sehr, nur ist es dafür schon seit 11.000 Toten zu spät. Wenn in Deutschland schon ein totes Kind den völlig falsch Ruf nach Lynchjustiz im Internet nach sich zieht, wie müssen erst die Verwandten und Eltern der vielen tausend Toten in Syrien empfinden ?! Die Mörder ihrer Verwandten und Kinder werden vermutlich nie zur Rechenschaft gezogen werden. Und Bashar Al-Assad ?! Er und sein Clan leben schon seit Jahrzehnten in ihrer eigenen erstarrten Welt ... in der sie nur wahrnehmen, was sie wahrnehmen wollen. Wie bemerkte Lord Acton schon im 19. Jahrhundert: "Power corrupts. Absolute power corrupts absolutely."
Doch das werden sie, und zwar genau durch Lynchjustiz und Bürgerwehren. Es gibt übrigens auch eine ganze Menge Bürgerwehren, welche sich als regimefreundlich verstehen, und gegründet wurden zur Selbstverteidigung gegen marodierende "Oppositionelle", wie in Syrien heutzutage jeder Kriminelle mit einer Wafffe in der Hand bezeichnet wird. Es ist schrecklich, dass so getan wird, als hätte die Al Farouk - Brigade und Konsorten irgendetwas mit den Demonstranten des letzten Jahres zu tun. Das ist einfach falsch. Informieren Sie sich ein bisschen bspw. über das Engagement Asma al Assad's, und Sie werden Ihre Sichtweise hier wesentlich revidieren müssen. Möglicherweise hat Bashar al Assad nicht schnell genug Reformen eingeleitet, möglicherweise waren seine Reformen nicht durchgreifend genug, ganz sicher hätte er niemals mit Gewalt auf die Proteste reagieren dürfen, aber ich muss Sie auch bitten, anzuerkennen, dass er ein sozialistisches Land, völlig erstarrt in seiner Entwicklung, ausgedörrt im akademischen Bereich und desinteressiert an seiner Geschichte, politisch durch jahrzehntelangen Personenkult korrumpiert, gesteuert durch ein gutes Dutzend unglaublich grausamer, faschistischer Generäle bei seinem Amtseintritt übernommen hat, und er hat dieses Land umgekrempelt, vielleicht nicht von Grund auf, aber es dauert auch seine Zeit, derart alte Strukturen aufzubrechen. Und viele der von ihm angestoßenen Reformen und Gesetze, wie z.B. das Verschleierungsverbot für Lehrerinnen, die schrittweise Entmachtung der Geheimdienste, sowie die staatlichen Wohlfahrtsprogramme, losgelöst von der von seinem Vater verordneten Planwirtschaft, die Alphabetisierungskampagnen und die Verpflichtung der religiösen Führer auf den Staat und auf die Anerkennung des Staates als höchstem Richter, waren absolut vorbildhaft für den gesamten arabischen Raum.
5.
antiimperialist 23.04.2012
Ach ja..... irgendwie hört und liest man nur: "nach Angaben von Oppositionellen". Überall im Westen nur Einseitige Berichterstattung. Und alles nur, weil die Amis einen Regierungswechsel in Syrien wollen. Denn wenn Syrien fällt, ist auf die Intervention in Iran auch nicht mehr lange zu warten. Und wenn sie dann passiert ist und die Amis Iran besetzt haben, haben sie einen sehr starken Druckmittel auf Russland und China, nämlich Öl. Wenn sie die Preise für das Erdöl fallen lassen, kann es in Russland zu einem starken Haushaltsdefizit beitragen. Und wenn die Preise sehr stark steigen, dann wird die Produktion in China erschwert. Uns im Westen wird gesagt, Assad vernichtet sein Volk. Aber tut nichts anderes, als eine schlimme Revolution in seinem Land zu verhindern. Was haben die Revolte in Libyen, Tunis und Ägypten gutes für die Menschen gebracht??? Fakt ist, die Mehrheit in Syrien will keine Revolution. Die einzelnen terroristischen Gruppen töten Menschen (meist Zivilisten) mit feigen Bomben (seht Al jazeera). Was würden Amerikaner tun, wenn plötzlich Texas (unterstützt vom ausländischen Geheimdienst) seine Unabhängigkeit erklären würde??? hm??? Überlegt immer mit eurem eigenen Kopf Leute. Und nicht was die im Fernsehen sagen oder in der Zeitung schreiben.
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Bevölkerung: 22,505 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

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