Syrischer Kommandeur Suhail al-Hassan Des Teufels General

Anhänger des syrischen Regimes verehren ihn, Oppositionelle fürchten ihn: Suhail al-Hassan, Kampfname "Tiger", leitet die rücksichtslose Schlacht um Ost-Ghuta. Kann ausgerechnet er Baschar al-Assad gefährlich werden?

Suhail al-Hassan (Screenshot)
MoD of Russia

Suhail al-Hassan (Screenshot)

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Der Kriegsverbrecher hat eine Vorliebe für Poesie: Fast immer, wenn Suhail al-Hassan an der Front vor seine Kämpfer tritt, spricht er eine Art Kriegsgedicht. So auch am Wochenende, als er seine Männer auf die Schlacht um Ost-Ghuta einschwor.

"Ich verspreche, dass ich ihnen eine Lektion erteilen werde, im Kampf und im Feuer", sagte Hassan in einer Rede vor seinen Soldaten an die Menschen in dem Rebellengebiet gerichtet. "Ihr werdet keinen Retter finden. Und falls doch, werdet ihr gerettet wie Öl mit Wasser gelöscht wird. Ihr werdet mit Blut gerettet", kündigte Hassan vor feixenden Kämpfern an. Unterstützer des Regimes haben ein Video der Szene in den sozialen Netzwerken und Medien verbreitet.

Der Endvierziger ist die bekannteste Figur im syrischen Militär. Bei den Regimegegnern ist er wegen seiner rücksichtslosen Kriegstaktik verhasst und gefürchtet. Die Anhänger des Regimes hingegen feiern Hassan als Bezwinger des Terrorismus. In den vergangenen Jahren hat sich ein regelrechter Personenkult um den Mann mit dem Kampfnamen "Nimr" - "Tiger" - entwickelt.

Hassan wurde um das Jahr 1970 im Küstenort Dschabla am Mittelmeer geboren. Hassan ist Alawit, genau wie die Familie von Baschar al-Assad. Qardaha, der Heimatort der Präsidentenfamilie liegt nur wenige Kilometer entfernt, ebenso Hmeimim. Dort unterhält die russische Armee seit Ende 2015 ihren wichtigsten Luftwaffenstützpunkt in Syrien.

Putin lobte Hassan

In den Neunzigerjahren machte Hassan Karriere in der syrischen Luftwaffe. Mit Beginn des Aufstands gegen das Regime 2011 wurde er zu den Spezialkräften der syrischen Armee versetzt. Nachdem er sich bei der Niederschlagung der Revolte in der Küstenstadt Latakia bewährte, übertrug ihm das Regime im Herbst 2013 das Kommando über eine eigene Spezialeinheit, die "Quwat al-Nimr", die "Tiger-Kräfte". Die Beförderung sollen Diktator Baschar al-Assad und sein Bruder Maher, der Kommandeur der Präsidentengarde ist, veranlasst haben. Inzwischen ist Hassan Brigadegeneral.

Machtverteilung in Syrien
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Machtverteilung in Syrien

Hassan und seine "Tiger-Kräfte" stehen im Ruf, seit Beginn des Syrienkriegs noch keine einzige Schlacht verloren zu haben. Die Einheit war unter anderem an der Schlacht um Aleppo beteiligt, besiegte die dschihadistische Nusra-Front in der Provinz Hama und eroberte das Gasfeld Schaar von der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) zurück.

Hassan geht in seinen Gefechten äußerst rücksichtslos vor. Bevor er Bodentruppen in die Schlacht schickt, lässt er das feindliche Gebiet aus der Luft bombardieren und mit Artillerie beschießen. Erst wenn das Feindgebiet in Trümmern liegt, erteilt er den Befehl zum Häuserkampf. So war es in Aleppo, so kommt es nun in Ost-Ghuta.

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Angriffe auf Ost-Ghuta: Aleppo 2.0

Seit Beginn ihrer Militäroperation in Syrien im September 2015 arbeitet die russische Armee Hand in Hand mit Hassan. Moskaus Luftwaffe hat den "Tiger-Kräften" vielerorts den Weg freigebombt. Im Gegenzug hat Russland ihm mehrere Orden und Auszeichnungen verliehen. Zuletzt überreichte der russische Generalstabschef Waleri Gerassimow im August 2017 ein Schwert als Dank für seine Kampfeinsätze.

Als Wladimir Putin im Dezember die Luftwaffenbasis Hmeimim besuchte, saß ihm Hassan gegenüber. Der russische Staatschef sprach ihn direkt an: "Präsident Assad und meine russischen Kollegen haben mir gesagt, dass Ihre Kräfte mutig sind und effektiv kämpfen", sagte der russische Präsident. Hassan tippte sich ans Herz und bedankte sich artig.

Kann er Assad gefährlich werden?

Nicht nur deshalb blühen die Spekulationen, dass Putin den Brigadegeneral als Assads möglichen Nachfolger aufbauen will - für den Fall, dass er den Diktator im Rahmen eines Syrien-Kompromisses fallen lassen muss. Die meisten Anhänger des Regimes könnten mit dieser Art eines Machtwechsels wohl durchaus leben. Sie verehren Hassan auf Plakaten und in Liedern wie einen Popstar - fast ähnlich wie Assad. Vor allem junge Männer posieren gern mit ihm.

Doch genau das könnte für Hassan selbst über kurz oder lang gefährlich werden: Syrische Oppositionelle berichteten schon vor Jahren, dass der Chef des Militärgeheimdienstes in der Provinz Hama im Oktober 2014 einen Attentatsplan gegen Hassan geschmiedet haben soll. Der Geheimdienstmann wurde daraufhin gefeuert.

Und dann war da noch Issam Zahreddine: Der Generalmajor der Republikanischen Garden war ähnlich wie Hassan im Bürgerkrieg zu einem der mächtigsten Militärs in Syrien aufgestiegen, den Anhänger des Regimes nahezu vergötterten. Für Aufsehen sorgte er im September 2017, als er geflüchtete Syrer als Verräter bezeichnete und sie vor der Rückkehr in ihre Heimat warnte. "Selbst wenn der Staat euch vergibt, wir werden niemals vergessen und verzeihen", drohte Zahreddine vor laufender Kamera im Staatsfernsehen. Auch wenn er sich bald darauf entschuldigte - mit diesem Satz hatte er sich gegen Assad gestellt, der immer von einer "nationalen Versöhnung" spricht.

Keine sechs Wochen später kam Zahreddine unter mysteriösen Umständen ums Leben. Angeblich soll sein Fahrzeug auf eine Landmine des IS gefahren und der General so getötet worden sein. Der IS hat sich jedoch nie zu der Tat bekannt. Auch deshalb halten sich hartnäckig Gerüchte, Assad habe einen potenziellen Rivalen aus dem Weg geräumt.

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