Krieg in Syrien In Ost-Ghuta schweigen die Waffen - für fünf Stunden

Die angekündigte Feuerpause ist da - jeden Tag sollen die Waffen in Ost-Ghuta für fünf Stunden ruhen. Eigentlich sollen Zivilisten nun fliehen können, offenbar gibt es aber bereits Probleme.

Ost-Ghuta am 22. Februar 2018
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Ost-Ghuta am 22. Februar 2018


Eine der letzten verbleibenden Rebellenhochburgen in Syrien ist Ost-Ghuta. Die Region hatte zuletzt eine der schlimmsten Angriffswellen seit Beginn des Bürgerkriegs vor fast sieben Jahren erlebt. Doch seit Dienstagmorgen (sieben Uhr MEZ) ruhen die Waffen zumindest kurzfristig.

Bereits am Samstag hatte die Uno eine 30-tägige Waffenruhe für Syrien angeordnet. In Ost-Ghuta hielten die Kriegsparteien sie jedoch nicht ein: Die Region nahe Damaskus wurde weiter bombardiert.

Erst am Montag hatte der russische Präsident Wladimir Putin einer täglichen fünfstündigen Feuerpause zugestimmt. Die Waffenruhe gilt nun täglich von 9 bis 14 Uhr Ortszeit.

Die Feuerpause soll Hilfslieferungen für die Not leidenden Menschen in der belagerten Region ermöglichen. Außerdem sollen Korridore geöffnet werden, durch die Zivilisten das Gebiet verlassen können. In Ost-Ghuta sind rund 400.000 Menschen fast vollständig von der Außenwelt abgeschnitten.

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Zu Beginn berichtete die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, dass die Feuerpause offenbar zu großen Teilen eingehalten werde. Die Angaben dieser Organisation können nicht unabhängig überprüft werden, haben sich aber in der Vergangenheit als verlässlich erwiesen. Mittlerweile hat die Beobachtungsstelle allerdings gemeldet, dass Luftangriffe zwei Orte in Ost-Ghuta getroffen hätten. Laut der Nachrichtenagentur Reuters dementierte eine Quelle im syrisches Militär dies allerdings.

Russland wiederum hat eine Verletzung des Waffenstillstands durch syrische Rebellen gemeldet. Der sogenannte humanitäre Korridor, über den Zivilisten das umkämpfte Gebiet östlich von Damaskus verlassen sollten, liege unter massivem Beschuss von Rebellen, meldete die Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf russisches Militär. Zivilisten sei es deshalb weiterhin unmöglich, das umkämpfte Gebiet zu verlassen.

Die Rebellen weisen diese Vorwürfe zurück. Yasser Delwan, ein Sprecher der in der Region operierenden Jaish-al-Islam, sagte Reuters, die Rebellen hätten niemanden davon abgehalten zu gehen. "Und Zivilisten treffen ihre eigenen Entscheidungen", sagte Delwan weiter.

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Beobachter fürchteten schon im Vorfeld, dass eine Feuerpause nicht von Dauer sein wird, solange die Regierungen der Kriegsparteien ihre Gegner pauschal als Terroristen bezeichnen (Eine Analyse dazu finden Sie hier).

Nach Informationen der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte sind in Ost-Ghuta in den vergangenen neun Tage mehr als 560 Zivilisten getötet worden.

höh/aev/dpa/Reuters

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