Syrien Tote bei Protesten gegen Regierung

Bei Protesten gegen die syrische Führung sind mehrere Zivilisten getötet worden. Den Demonstranten zufolge schossen Scharfschützen in der Stadt Latakia in die Menge. Die Regierung weist jede Schuld von sich - die bewaffneten Männer hätten zu den Aufständischen gehört.

REUTERS

Damaskus/Beirut - In Syrien sind bei erneuten Zusammenstößen zwischen unbewaffneten Demonstranten und Angehörigen der Sicherheitskräfte in der Hafenstadt Latakia mehrere Zivilisten getötet worden. Oppositionelle sprachen von fünf bis sieben Toten. Syrische Sicherheitskräfte hätten die Demonstranten getötet, als diese versuchten, Gebäude der regierenden Baath-Partei in der Hafenstadt Latakia in Brand zu setzen, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters den Menschenrechtsaktivisten Ammar Karabi.

Nach Angaben der Regimegegner schossen Scharfschützen einer Spezialeinheit am Samstag von den Dächern mehrerer Gebäude in der Stadt, die 350 Kilometer nordwestlich von Damaskus liegt. Die Opposition veröffentlichte im Internet Videos, auf denen schwerverletzte Zivilisten zu sehen sind. Die Staatsmedien meldeten dagegen, die bewaffneten Männer gehörten zu den Demonstranten.

Auch in Daraa, das immer wieder zum Schauplatz gewaltsamer Auseinandersetzungen geworden ist, kam es zu Ausschreitungen. Sicherheitskräfte feuerten Augenzeugenberichten zufolge Tränengas auf sitzende Demonstranten, um sie zu vertreiben. In der Stadt gingen am Samstag wieder Tausende auf die Straße. Sie trugen die Toten der vergangenen Tage zu Grabe und verlangten in Sprechchören politische Reformen und bürgerliche Freiheiten.

Regierung: Protestwelle will Land destabilisieren

Die syrische Führung stellt die Protestwelle als Kampagne radikaler Kräfte dar, die eine Spaltung zwischen den Angehörigen der verschiedenen Religionsgruppen anstreben. Syrien solle auf diese Weise destabilisiert werden. Die Opposition widerspricht dieser Darstellung.

In den vergangenen Tagen hatten Sicherheitskräfte nach Oppositionsangaben wiederholt auf demonstrierende Regimegegner geschossen. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hält Berichte über Dutzende Tote allein in der südlichen Provinz Daraa für glaubwürdig.

Nach Informationen der oppositionellen Facebook-Seite "Youth Syria for Freedom" brannten Demonstranten in Daraa den Sitz der herrschenden Baath-Partei nieder. Darüber hinaus liefen in Daraa stationierte Armeeoffiziere zu den Regimegegnern über. Durch andere Quellen konnten diese Angaben zunächst nicht bestätigt werden.

Regime schweigt zu blutigen Unruhen

Das Regime in Damaskus verschwieg die blutigen Unruhen weitestgehend. Journalisten wurde der Zugang zu den Orten der Demonstrationen verwehrt. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana berichtete am Samstag lediglich, dass am Vortag "bewaffnete Gruppen" eine Offiziersmesse in Homs und ein Armeehauptquartier in Al-Sanamien bei Daraa angegriffen hätten. In Homs sei eine Person, in Al-Sanamien seien "mehrere Bewaffnete" getötet worden.

Am späten Samstagabend teilte die Sana zudem mit, dass zwei Amerikaner festgenommen worden seien. Ein 32-jähriger Mann, der auch einen ägyptischen Pass habe, soll dem Bericht zufolge gestanden haben, Fotos und Videos der Demonstrationen an eine Frau aus Kolumbien verkauft zu haben. Zudem soll nach Angaben von Angehörigen ein 21-jähriger US-Bürger bei Demonstrationen in Damaskus festgenommen worden sein.

In Damaskus trat indes die Führung der regierenden Baath-Partei zum zweiten Mal innerhalb von drei Tagen zusammen. Das staatliche Fernsehen kündigte an, dass "einige wichtige Entscheidungen" bevorstünden. Darunter fielen die Freilassung weiterer politischer Gefangener und eine Regierungsumbildung.

Die syrischen Behörden entließen in den vergangenen Tagen mehr als 200 politische Häftlinge aus den Gefängnissen, die meisten von ihnen Islamisten, berichteten Menschenrechtsaktivisten. Die Zahl der aus politischen Gründen inhaftierten Menschen gehe allerdings in die Tausende, fügten sie hinzu.

ulz/dpa/Reuters/dapd

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nachdenklich1 27.03.2011
1. Cui bono
Zitat von sysopBei Protesten gegen die syrische Führung sind mehrere Zivilisten getötet worden. Den Demonstranten zufolge schossen Scharfschützen in der Stadt Latakia in die Menge. Die Regierung weist jede Schuld von sich - die bewaffneten Männer hätten zu den Demonstranten gehört. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,753393,00.html
[QUOTE=sysop;7495001]Bei Protesten gegen die syrische Führung sind mehrere Zivilisten getötet worden. Den Demonstranten zufolge schossen Scharfschützen in der Stadt Latakia in die Menge. Die Regierung weist jede Schuld von sich - die bewaffneten Männer hätten zu den Demonstranten gehört. [QUOTE] Die Antwort darauf wussten schon die alten Lateiner: "Cui bono, wem nützt es"....
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