Krieg in Syrien Assads Truppen treiben Keil in Ost-Ghuta

Syrische Regierungstruppen haben offenbar mehr als die Hälfte von Ost-Ghuta erobert. Laut der Beobachtungsstelle für Menschenrechte rückten sie ins Zentrum der Rebellenhochburg vor.

Syrischer Soldat in Ost-Ghuta
DPA

Syrischer Soldat in Ost-Ghuta


Syrischen Regierungstruppen ist am Mittwochabend anscheinend ein tiefer Vorstoß in das Rebellengebiet Ost-Ghuta gelungen. Unter dem Schutz heftigen Artilleriefeuers hätten die Soldaten und verbündete Milizen einen Keil in das Rebellengebiet östlich der Hauptstadt Damaskus getrieben und es aufgespalten, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Die Regierungsverbände seien in die Siedlungen und Gehöfte von Beit Saua und Al Aschari vorgedrungen, sagte der Chef der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. Sie hätten den Nordteil der Region Ost-Ghuta um die Städte Duma und Harasta vom Südteil um Hamurijeh und Arbin getrennt.

Seit Beginn ihres Vormarsches haben die regierungstreuen Truppen den Angaben nach nun rund die Hälfte des Rebellengebietes in der Region Ost-Ghuta erobert. Sie verfolgten dabei "dieselbe Taktik wie in Ost-Aleppo 2015", sagte Abdel Rahman. "Erst spalten sie die Region und dann werden die Zivilisten in ein kleines Gebiet gedrängt."

Er erwarte, dass die Regierungstruppen nun den Beschuss dieser Gebiete verstärken würden, in denen die Zivilisten zusammengedrängt seien. "Das geschieht unter den Augen der Weltgemeinschaft und die Zivilbevölkerung von Ost-Ghuta zahlt wieder einen hohen Preis", sagte er.

Laut Beobachtungsstelle wurden am Mittwoch mindestens 62 Zivilisten bei überwiegend russischen Luftangriffen getötet, darunter sechs Kinder. Die Beobachtungsstelle mit Sitz in London bezieht ihre Informationen von Aktivisten vor Ort; für Medien sind sie kaum zu überprüfen, in der Vergangenheit haben sich die Beobachtungen aber meist als richtig erwiesen.

Mehr als 800 Zivilisten getötet

Der Uno-Hochkommissar für Menschenrechte, Said Raad al-Hussein, hatte am Mittwoch die syrische Führung aufgefordert, ihren "katastrophalen Kurs" in Ost-Ghuta umzukehren. Seit Mitte Februar sollen dort mehr als 800 Zivilisten umgekommen sein. Über getötete Soldaten und zumeist islamistische Rebellen gibt es keine Angaben.

Während die Regierung Truppenverstärkungen in das Kampfgebiet schickte, versuchen die Rebellen, über Gespräche mit der Türkei eine Waffenruhe für Ost-Ghuta zu erreichen. Die Türkei spricht sich im Syrienkrieg mit Russland ab, dem wichtigsten Verbündeten der syrischen Regierung.

Der Uno-Sicherheitsrat hatte bereits im Februar eine Waffenruhe für ganz Syrien gefordert, aber nicht völkerrechtlich verbindlich beschlossen. Er hatte dabei zudem den Kampf gegen Terrormilizen wie Al-Kaida von der Waffenruhe ausgenommen, was die Kampfparteien argumentativ zur Rechtfertigung weiterer Angriffe nutzen.

Ost-Ghuta wird seit 2013 von Regierungstruppen belagert und mehrheitlich von islamistischen Rebellengruppen kontrolliert. In dem Kampfgebiet sollen 400.000 Menschen leben; die Uno und das Rote Kreuz versuchen, sie mit humanitären Lieferungen zu unterstützen.

Das Rote Kreuz verschob einen für Donnerstag geplanten Hilfskonvoi. Die Lage vor Ort sei derzeit zu unsicher, um die Hilfen wie geplant auszuliefern, sagte eine Sprecherin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK). "Unter solchen Bedingungen ist es uns nicht möglich, den Einsatz auszuführen", sagte die IKRK-Sprecherin in Syrien, Ingy Sedky.

Der Konvoi hätte nach Uno-Angaben Hilfsgüter für rund 70.000 Menschen in die Stadt Duma in Ost-Ghuta bringen sollen. Am Montag war der Versuch einer ersten Hilfslieferung abgebrochen worden, nachdem der Konvoi unter Beschuss geraten war. Nur 32 von 46 Lastwagen hatten entladen werden können.

cte/dpa/AFP



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