Syrienkrieg Türkisches Militär bombardiert erneut Kurden-Stellungen

Zuletzt war die Offensive der türkischen Armee gegen Kurden im syrischen Grenzgebiet in Stocken geraten. Jetzt flogen wieder Kampfjets Angriffe gegen kurdische Stellungen.

Soldat der Freien Syrischen Armee, den Verbündeten der Türkei im Grenzgebiet
AP

Soldat der Freien Syrischen Armee, den Verbündeten der Türkei im Grenzgebiet


Die türkische Luftwaffe hat erneut Stellungen kurdischer Milizen in Syrien bombardiert. In der Nacht zu Sonntag, und damit eine Woche nach Beginn des Militäreinsatzes der Türkei in Nordwestsyrien, hätten die Angriffe Verstecken und Waffenlagern der kurdischen Volksschutzeinheiten YPG gegolten, teilten die Streitkräfte mit.

Der Staatssender TRT meldete, am Sonntag habe die Luftwaffe zudem Stellungen der YPG am Berg Bursaya nahe der türkischen Grenze beschossen. Auch Artilleriefeuer sei eingesetzt worden. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London bestätigte verstärkte Bombardements am Sonntag.

Seit Beginn der Offensive am Samstag vor einer Woche seien 484 gegnerische Kämpfer "neutralisiert" worden, hieß es weiter. Mit "neutralisiert" ist in der Regel getötet gemeint, der Begriff kann aber auch verletzt oder gefangen genommen bedeuten. Die kurdischen Milizen bestätigten das zunächst nicht. Die Kurden selbst sprachen knapp eine Woche nach Beginn der Kämpfe von knapp 20 Gefallenen in den eigenen Reihen, die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte kommt nach Meldungen von Zeugen vor Ort auf 54 getötete YPG-Kämpfer.

Rückschläge bei der türkischen Offensive

Wenige Tage nach ihrem Beginn war die Offensive der türkischen Armee zudem schon ins Stocken geraten. Bislang sind ihre Einheiten nur an sechs Stellen wenige Kilometer weit in den kurdischen Kanton Afrin vorgedrungen und haben nur ein knappes Dutzend Dörfer erobert. Mehrfach ist es den kurdischen Kämpfern sogar gelungen, die Invasoren zurückzuschlagen und verloren gegangenes Gebiet zurückzuerobern.

DER SPIEGEL

Die YPG ist mit den USA im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verbündet. Für das Nato-Mitglied Türkei ist die YPG der verlängerte Arm der kurdischen Arbeiterpartei PKK und damit eine Terrororganisation.

Die Türkei hatte die Offensive am 20. Januar zunächst mit Luftangriffen begonnen und rückte einen Tag später unterstützt von der Freien Syrischen Armee (FSA) mit Bodentruppen in Nordwestsyrien vor. Nach Angaben von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan wurden seit Beginn des Einsatzes 20 türkische Soldaten und verbündete FSA-Kämpfer getötet.

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Operation "Olivenzweig": Gefechte an der Grenze zu Syrien

Die kurdische Miliz YPG kontrolliert entlang der syrisch-türkischen Grenze große Gebiete. Die Türkei will eine langfristige kurdische Kontrolle der Grenzgebiete verhindern.

mhe/dpa

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