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Artilleriebeschuss: Türkisches Militär feuert auf Kurden in Syrien

Türkische Artillerie hat syrisches Territorium beschossen, Ziel waren offenbar kurdische Kämpfer. Laut Nachrichtenagentur Reuters verdichten sich Hinweise auf einen möglichen Einsatz von Bodentruppen.

Türkische Panzer in Kilis: Feuer auf kurdische Stellungen im Nachbarland Syrien Zur Großansicht
AFP

Türkische Panzer in Kilis: Feuer auf kurdische Stellungen im Nachbarland Syrien

Die Türkei hat erneut Stellungen der Kurdenmiliz YPG in Nordsyrien bombardiert. Als Reaktion auf Beschuss durch die kurdischen Kämpfer habe türkische Artillerie an der Grenze in der Region Kilis das Feuer auf das Gebiet des Nachbarlandes eröffnet, meldete die Nachrichtenagentur DHA.

Die kurdische Agentur Firat berichtete, das türkische Militär habe die Region um die Stadt Tel Rifaat beschossen. Die YPG habe die Gegend am Montagabend eingenommen. Auch die Region um die kurdische Stadt Afrin sei beschossen worden. Dabei seien zahlreiche Häuser zerstört worden. Unbestätigten Berichten zufolge starben mindestens drei YPG-Kämpfer.

Das türkische Militär fliegt seit vier Tagen Luftangriffe auf Stellungen der Kurdenmiliz im Norden Syriens. Am Montag hatte Ministerpräsident Ahmet Davutoglu kurdische Kämpfer vor einem weiteren Vormarsch in Nordsyrien gewarnt und mit schweren Konsequenzen gedroht.

Die YPG kontrollieren große Teile der kurdischen Siedlungsgebiete im Norden Syriens. Zwischen den USA und der Türkei schwelt seit Monaten ein Streit über die Rolle der Kurden im syrischen Bürgerkrieg. Aus Sicht der türkischen Führung ist die YPG eine "terroristische Organisation" und steht auf einer Stufe mit der von ihr bekämpften, in der Türkei aktiven Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Washington sieht in den Kurden wichtige Verbündete im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) und unterstützt sie militärisch.

Gespräche über Einsatz von Bodentruppen

Derweil ist der Einsatz von türkischen Bodentruppen in Syrien offenbar nicht vom Tisch. Es gebe Gespräche über eine entsprechende Bodenoperation, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf einen türkischen Offiziellen. Ohne den Einsatz von Bodentruppen könne der Krieg in Syrien nicht beendet werden, sagte er. Auch andere westliche Alliierte sollten sich daran beteiligen.

Bereits in der vergangenen Woche hatte der türkische Außenminister angekündigt, Ankara sei bereit, Bodentruppen nach Syrien zu schicken. Dem widersprach der Verteidigungsminister am Montag.

Zuvor hatte bereits Saudi-Arabien seine Bereitschaft zum Einsatz von Bodentruppen in Syrien erklärt. Im Kampf gegen den IS will das Land außerdem Jets in der Türkei stationieren. Laut dem Militärvertreter sollen die Kampfflugzeuge bis Ende Februar auf der Luftwaffenbasis in Incirlik sein.

brk/Reuters/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 86 Beiträge
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1. dramatisch!
Spiegelleserin57 16.02.2016
scheinbar haben alle Beteiligten nicht verstanden dass endlich mit dem gegenseitigen Beschuss Schluss sein muss. Hier sieht man doch deutlich wer alles die Flüchtlingswelle produziert. ES ist ein Bürgerkrieg ohne Ende. Frau Merkel muss da bei Herrn Erdogan mit mit klaren Worten intervenieren und gegebenenfalls den Geldhahn zudrehen.
2.
Ruhri1972 16.02.2016
Unerträglich, dass die Bundeskanzlerin die türkische Regierung mit dt. Steuergeldern pampert. Stattdessen wären klare Protestnoten und ein Handelsembargo geboten. Will Deutschland bei einem Völkermord zusehen ?
3. Völkerrecht
dertorsten 16.02.2016
Kann sich die Bundesrepublik bitte aus diesen völkerrechtswidrigen Angriffen nicht beteiligen? Können wir bitte die Tornados nach Hause holen? Können wir bitte die Patriots dort abbauen? Können wir bitte Erdogan erklären, dass sein Krieg gegen die Kurden nicht unser Krieg ist? Was soll denn passieren, wenn die syrische Armee oder die Russen ein paar der türkischen Artilleriestellungen ausschalten? NATO Bündnisfall?
4. Logik
creme 16.02.2016
Na klar, wenn die Option auf eine Teilungs Syriens besteht, wird die Türkei sich den Kuchen nicht von wachsenden kurdischen Autonomiegebieten streitig machen lassen. Wenn das mal nicht sogar Erdogans Plan von Anfang an gewesen ist, seit er mit seinem Ex-Kumpel Assad gebrochen hatte. Wenn die Türken und die Saudis Ernst machen sollten, wars das mit Assad und die Russen dürften ihr Engagement bald zurückfahren, denn dann gibt's da nichts mehr zu holen. Nun erscheint mir auch der Abschuss des russischen Jets als logisch, denn man hat den Russen nur gezeigt, wer die Regionalmacht am Mittelmeer ist. Auch völkerrechtlich war die Unterstützung der Kurden leider (!) nie zu Ende gedacht, wer A sagt und Waffen liefert, muss auch B sagen und territoriale Souveränität den Kurden gestatten und damit die territoriale Integrität Syriens, vor allem aber des Iraks aufgeben. Bitte nicht falsch verstehen, ein völkerrechtlich anerkannter Kurdenstaat wäre m.E. nicht die schlechteste Option gewesen. Aber die Zeiten des nation buildings sind seit Lybien vermutlich endgültig vorbei. ^^ Wenn das aber wieder nur eine Ankündigung der Ankündigungsregierung Ankaristans ist, kann man alles wieder streichen.
5. Wen sollen die Bodentruppen denn bekämpfen
sag-geschwind 16.02.2016
Bitte wen möchte die Türkei denn mit Bodentruppen offiziell bekämpfen? Wurde da was verlautbart - wenn ja, gehört das nicht in so einen Artikel? Soll die "Anti-IS"-Koalition der Willigen zusammen mit der Türkei Assad und die Kurden erledigen? Also - dem IS freie Bahn verschaffen - welche Vorstellungen hat man bezüglich Russland?
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