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Kampf um Aleppo: Türkei bombardiert kurdische Stellungen

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DPA

Türkischer Außenminster Cavusoglu: Bodentruppen in Syrien möglich

In der syrischen Region Aleppo hat das türkische Militär Stellungen kurdischer Milizen bombardiert. Ankara erwägt im Kampf gegen den IS auch den Einsatz von Bodentruppen - gemeinsam mit Saudi-Arabien.

Die türkische Luftwaffe hat in der nordsyrischen Provinz Aleppo von kurdischen Einheiten kontrollierte Regionen bombardiert. Dies meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Demnach richteten sich die Angriffe unter anderem gegen den Luftwaffenstützpunkt Minnigh, der erst vor wenigen Tagen von den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) eingenommen worden war. Die syrischen Regierungstruppen von Präsident Baschar al-Assad hatten die Kontrolle über den Flughafen bereits im August 2013 verloren.

Die Angriffe wurden von türkischer Seite bestätigt. Demnach ging es um Stellungen nördlich der Stadt Aleppo. Die Streitkräfte hätten Ziele nahe Asas ins Visier genommen, verlautete aus Regierungskreisen in Ankara. Auch ein Kurden-Vertreter bestätigte den Beschuss. Der beschossene Flughafen Minnigh liegt zwischen zwei wichtigen Routen, die von Aleppo aus ins nördlichere Asas führen. In der Provinz läuft derzeit eine Offensive der syrischen Regierungstruppen mit Unterstützung durch russische Luftangriffe.

Der Süden der Türkei grenzt in Syrien an Gebiete der Kurden, syrischer Rebellen und der Extremistenmiliz "Islamischer Staat" (IS).

Die kurdischen Einheiten der YPG kontrollieren große Teile der kurdischen Siedlungsgebiete im Norden Syriens. Zwischen den USA und der Türkei schwelt seit Monaten ein Streit über die Rolle der Kurden im syrischen Bürgerkrieg. Washington unterstützt die Partei der Demokratischen Union (PYD) und ihren bewaffneten Arm, die (YPG), militärisch.

Für Washington sind die Kurden wichtige Verbündete im Kampf gegen den IS in Syrien. Aus Sicht der türkischen Führung sind die PYD und die YPG hingegen "terroristische Organisationen" und stehen auf einer Stufe mit der von ihr bekämpften, in der Türkei aktiven Arbeiterpartei Kurdistans (PKK).

Im Syrien-Krieg steht die Türkei aufseiten von Rebellen, die in ihrem Kampf gegen die syrische Regierung zuletzt durch russische Luftangriffe ins Hintertreffen geraten sind. So rücken derzeit Soldaten von Präsident Baschar al-Assad weiter auf Aleppo vor, das rund 50 Kilometer südlich von Asas entfernt liegt.

Ankara denkt über Bodentruppen in Syrien nach

Im Kampf gegen den IS erwägt die Türkei unterdessen auch die Entsendung von Bodentruppen nach Syrien. "Wenn es eine Strategie gibt, könnten die Türkei und Saudi-Arabien einen Einsatz am Boden starten", sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz den türkischen Zeitungen "Yeni Safak" und "Haber".

Zuvor hatte Saudi-Arabien die Bereitschaft bekundet, im Rahmen der US-geführten Koalition Bodentruppen für den Kampf gegen den IS nach Syrien zu entsenden. Saudi-Arabien ist seit Ende 2014 Teil der Koalition gegen den IS, hat sich allerdings nicht maßgeblich an den Luftangriffen gegen die Extremisten beteiligt. Die Führung in Riad steht in dem Bürgerkrieg hinter moderateren Gegnern von Machthaber Baschar al-Assad.

Cavusoglu kündigte an, dass Saudi-Arabien Kampfflugzeuge für den Einsatz gegen den IS zum türkischen Luftwaffenstützpunkt Incirlik entsenden werde. Saudi-arabische Regierungsvertreter hätten den Stützpunkt bereits inspiziert. Wie viele Flugzeuge Riad dort stationieren werde, sei aber noch unklar.

Am Rande der Sicherheitskonferenz hatten Russland und die USA am Freitag vereinbart, auf eine Feuerpause in Syrien binnen einer Woche hinzuarbeiten. Allerdings wurde die Abmachung von keiner der Bürgerkriegsparteien unterschrieben. Am Samstag forderte US-Außenminister John Kerry Russland auf, Luftangriffe auf Gruppen der gemäßigten Opposition einzustellen.

Videoanalyse zum Kampf um Aleppo: "Angst vor dem langsamen Tod durch Belagerung"

mmq/AFP/Reuters

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Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

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