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Kampf gegen IS: Türkei ruft Deutschland zu militärischem Engagement auf

Kampf gegen den "Islamischen Staat": Deutschland soll militärisch helfen Zur Großansicht
DPA/ Bundeswehr/ Falk Bärwald

Kampf gegen den "Islamischen Staat": Deutschland soll militärisch helfen

Nach dem Anschlag in Istanbul will die Türkei in Syrien stärker gegen die IS-Terrormiliz vorgehen. Dabei soll Deutschland helfen - auch mit militärischen Mitteln.

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat sich bislang nicht zu dem Attentat in Istanbul bekannt. Die Türkei macht die Dschihadisten aber für den Selbstmordanschlag verantwortlich. Am Dienstag wurden dabei zehn deutsche Urlauber getötet. Nun fordert der türkische Vize-Regierungschefs Mehmet Simsek ein stärkeres militärisches Engagement in Syrien, auch Deutschland solle mehr tun.

Drei Tage nach dem Anschlag wurden weiterhin verletzte Deutsche in Istanbul behandelt. Wann die Leichen der Todesopfer nach Deutschland gebracht werden, sei noch unklar, sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Schäfer.

Nach Informationen des SPIEGEL ist geplant, die sterblichen Überreste mit einer Maschine der Luftwaffe nach Deutschland auszufliegen. Dort sollen die gerichtsmedizinischen Untersuchungen durchgeführt werden.

"Wir müssen auch militärisch mehr tun", sagte Simsek der "Welt". "Wir können den Terror nur gemeinsam besiegen." Simsek sagte, die Türkei sei sehr dankbar, dass Deutschland an der Koalition gegen den IS teilnehme. "Aber wir fordern unsere Partner auf, noch mehr zu tun."

Die Türkei ist wie Deutschland Teil der internationalen Koalition gegen den IS. Seit Dienstag will die türkische Armee bereits 200 IS-Kämpfer im Irak und in Syrien getötet haben. Das verkündete Ministerpräsident Ahmet Davutoglu am Donnerstag. Deutschland beteiligt sich mit Tornado-Aufklärungsjets am Einsatz, die aber selbst keine Ziele angreifen.

Simsek warnte vor einem noch größeren Zustrom von Flüchtlingen aus Syrien. "Wenn morgen die Großstadt Aleppo fällt, dann bedeutet das wieder Millionen Flüchtlinge." Die Türkei könne den Flüchtlingsstrom nach Europa nie ganz eindämmen, so Simsek. Die Regierung tue ihr Bestes, die Verpflichtungen einzuhalten: "Aber es gibt kein System, dass die Weiterreise von Flüchtlingen vollständig beenden könnte."

Simsek verwies zudem auf Bemühungen, die mehr als zwei Millionen Syrer im Land besser zu integrieren. "Jetzt geben wir den Flüchtlingen Arbeitserlaubnisse. Das wird wieder viele davon abhalten, nach Europa zu kommen." Der beste Weg, das Flüchtlingsdrama zu beenden, sei aber Frieden in Syrien und ein Ende der syrischen und russischen Luftangriffe.

Die EU fordert von der Türkei mehr Einsatz für die Verringerung der Flüchtlingszahlen. Vorgesehen sind im Gegenzug drei Milliarden Euro für die Unterbringung der Syrer und Visa-Erleichterungen für Türken, die nach Europa reisen wollen. Allerdings streiten die EU-Staaten noch darüber, wer das Geld aufbringen soll.

vek/Reuters/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 76 Beiträge
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1. Das ist ein Witz
pevoraal 15.01.2016
Die Türken sollen erst einmal diesen Dispoten Erdogan loswerden. Es ist sowieso schon ein Trauerspiel das wir diesem Verbrecher Geld hinterherwerfen müssen um eine Grenzsicherung zu erreichen. Dieses Problem wurde doch erst dank Erdogans Unterstützung der Is so ausufernd.
2. ..na das hätte doch was..
palef 15.01.2016
...wir halten der Türkei den Rücken frei gegen diesen IS...den sie selbst schont, zugunsten der Kurden! Was für eine Farce! Die Türken lassen aber auch gar nichts aus!
3. Herzlich gerne,
bigroyaleddi 15.01.2016
wenn wir vorher mal ganz intensiv die Rolle des Herrn Erdogan in diesem ganzen Drama ausdiskutiert haben.
4. Ist klar
fred-vom-saturn 15.01.2016
Herr Erdogan möchte wohl, das Deutschland ihm dabei hilft die von ihm selbst herbei gerufenen Geister wieder los zu werden. Das wäre das Dümmste, das der Bundesregierung einfallen könnte dem selbsternannten GröFaZ beizuspringen. Erdogan war es der den IS jahrelang in seinem Land hat machen lassen. Er hat zugesehen wie in Kobane die Menschen um ihr nacktes Überleben kämpften, hat die Grenze dicht gemacht damit auch nur ja kein Kurde seinen Mördern entkommt. Er hat zugelassen, das in türkischen Krankenhäusern verwundete IS Kämpfer behandelt wurden. Er hat die Türkei zu einem Drehkreuz für ausländische Kämpfer des IS werden lassen. Nein, diese Suppe sollte er ganz alleine auslöffeln. Denn er weiß ganz genau, wenn die ganzen Konservativen, welche ihn auf den Schild hoben erst einmal sehen, das er ein Kaiser ohne Kleider ist. Ein Führer der sein Land nicht beschützen kann trotz all der großen Worte, wozu braucht es dann einen Führer wie ihn. Das wird er mit allen Mitteln zu verhindern versuchen. U. a. damit, das er Deutschland mit ins Boot holt. Finger weg kann man da nur sagen.
5. Erst Frankreich
fleischwurstfachvorleger 15.01.2016
jetzt Türkei. Ja, wenn unsere Partner das so wollen, müssen wir wohl in den Krieg ziehen. Vernünftiger wäre es allerdings, wenn die Türkei den IS weder direkt noch indirekt unterstützen würde und die Grenze zu Syrien dicht machen würde. Es würde auch helfen, wenn die Türkei die Kurden nicht mehr bombardieren würde. Und mit den Jungs in Saudi-Arabien sollte man auch ein ernstes Wörtchen reden. Krieg ist nämlich leider gar nicht geil, sondern Scheiße.
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Kurden
Kurdische Ethnie
Weltweit gibt es etwa 30 Millionen Kurden. Ihr Hauptsiedlungsgebiet, das in der Türkei, im Irak, in Syrien und in Iran liegt, bezeichnen sie als Kurdistan. Einen eigenen Staat haben sie nicht. Kurden bilden eine Ethnie. Die meisten von ihnen sind sunnitische Muslime, es gibt aber auch Schiiten, Aleviten, Jesiden, Christen und Juden unter den Kurden.
Kurden in Deutschland
Allein in Deutschland leben etwa eine Million Kurden. Wegen ihrer Staatenlosigkeit werden sie hier meist als Türken, Iraker, Syrer oder Iraner wahrgenommen. Dabei bilden sie die drittgrößte Migrantengruppe in der Bundesrepublik.
Sprachen
Es gibt mehrere kurdische Sprachen, die wiederum jeweils ein Dutzend Dialekte haben. Am weitesten verbreitet ist die Sprache Kurmandschi. Interessanterweise sind es also weder Sprache noch Religion, die die Kurden als Volk zusammenhält, sondern "ihr Miteinander, verwurzelt in einer gemeinsamen Vergangenheit, die mehr oder weniger mythisch ist", wie die Ethnologen Jean-Loup Amselle und Guy Nicolas schreiben.
Autonome kurdische Region
Bis in das 20. Jahrhundert hinein lebten Kurden in Stammesgesellschaften. Heute leben sie in sehr unterschiedlichen Umfeldern. Die autonome kurdische Region im Irak gilt als die stabilste und sicherste im Land. Durch Zugang zu Erdöl ist sie wohlhabend.
Kurden in der Türkei
Kurden in der Türkei sind in allen Gesellschaftsschichten zu finden. Überproportional viele sind jedoch arm, weil ihnen Bildung erschwert wurde. Unterricht auf Kurdisch war jahrzehntelang verboten. Viele Kurden kamen erstmals mit ihrer Einschulung mit Türkisch in Berührung.
Kurden im Irak
Das kurdische Autonomiegebiet liegt im Nordirak und wird von den Kurden Südkurdistan genannt. Im Irak wurden die Kurden lange Zeit verfolgt. Tragischer Höhepunkt war der Giftgasangriff des sunnitischen Diktators Saddam Hussein am 16. März 1988 auf den kurdischen Ort Halabdscha, bei dem etwa 5000 Männer, Frauen und Kinder getötet wurden.


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