Militäroffensive Türkei beschießt kurdische Dörfer in Syrien

Erdogans Truppen stehen offenbar kurz vor dem Einmarsch ins Nachbarland Syrien. Die Militäroffensive hat bereits begonnen: Seit Mitternacht greift das türkische Militär kurdische Dörfer an.

Türkischer Panzer im Grenzgebiet
AP

Türkischer Panzer im Grenzgebiet


Die Türkei hat mit massivem Beschuss kurdischer Dörfer in der syrischen Grenzregion Afrin begonnen. Seit Mitternacht schlugen nach Angaben der Kurden-Miliz YPG etwa 70 Granaten in mehreren Ortschaften ein.

Damit habe de facto die seit Tagen angekündigte Offensive gegen die YPG begonnen, teilte der türkische Verteidigungsminister Nurettin Canikli mit. Seinen Angaben zufolge sind die Soldaten aber noch nicht in Syrien einmarschiert. Die türkische Regierung stimme sich weiter mit Russland über die Militäraktion ab, teilte er mit. Russland unterstützt den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad im Kampf gegen die Aufständischen. (Lesen Sie hier mehr über den geplanten Einmarsch der Türkei.)

Die Kurden streben im Nordwesten Syriens eine Autonomieregion an, das will die Türkei verhindern. Die Regierung um Präsident Recep Tayyip Erdogan betrachtet die YPG als syrischen Ableger der kurdischen Terrororganisation PKK, die in der Türkei immer wieder Anschläge verübt.

Bereits am Dienstag hatte die Türkei Ziele der YPG in der Region bombardiert. Präsident Erdogan kündigte an, Truppen nach Afrin zu schicken, um YPG-Kämpfer zu vertreiben. "Wir werden sämtliche Terrornester in Syrien Stück für Stück ausrotten, beginnend mit Afrin", sagte er vor Parteifreunden.

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Türkisches Militär: Panzer an der Grenze

Die Militäroffensive richtet sich allerdings nicht nur gegen die Kurden, sondern auch gegen die USA. Die US-Regierung unterstützt die Kurdenmiliz in Syrien und schätzt sie als Partner im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" - auch dauerhaft: Die USA haben angekündigt, im Nordwesten Syriens eine Grenzschutztruppe unter Führung der YPG etablieren zu wollen.

Ein Einmarsch des türkischen Militärs in Afrin würde nicht nur das türkisch-amerikanische Verhältnis weiter belasten, sondern könnte die gesamte Region destabilisieren. Die YPG hat im Falle eines türkischen Angriffs bereits Vergeltung angekündigt: "Es ist unser Schicksal, die Region von Erdogan zu befreien", sagte YPG-Kommandant Sipan Hemo der prokurdischen Nachrichtenagentur Firat. Die PKK droht damit, den Krieg auf die türkischen Städte auszuweiten.

Das Auswärtige Amt beobachtet die Geschehnisse im Grenzgebiet. "Wir erwarten, dass die Türkei weiterhin politisch und militärisch Zurückhaltung zeigt", sagte ein Sprecher. Zugleich sei aber klar, dass die Türkei legitime Sicherheitsinteressen entlang ihrer Grenze zu Syrien habe. Wichtig sei der Bundesregierung, dass der Fokus der türkischen Militäreinsätze auf dem Kampf gegen den IS und die Nachfolgeorganisation der Terrorgruppe al-Nusra liege.

brk/pop/dpa/Reuters



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