Kampf um Aleppo Türkei wirft Russland systematische Vertreibungen in Syrien vor

Die türkische Regierung beschuldigt Russland und das Assad-Regime, ethnische Säuberungen in Syrien zu betreiben. Der internationalen Gemeinschaft wirft Ministerpräsident Davutoglu Versagen und Heuchelei vor.

Syrische Flüchtlinge an der türkischen Grenze: Davutoglu macht Russland schwere Vorwürfe
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Syrische Flüchtlinge an der türkischen Grenze: Davutoglu macht Russland schwere Vorwürfe


Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu hat die Forderung nach einer Grenzöffnung für Zehntausende Flüchtlinge aus Syrien als "Heuchelei" bezeichnet. Der Uno-Sicherheitsrat und andere Gremien würden "für die Lösung der Syrienkrise keinen einzigen Finger krumm machen" - gleichzeitig fordere man von der Türkei eine Öffnung der Grenze, sagte Davutoglu bei einem Besuch in den Niederlanden.

Eine Aufnahme der Flüchtlinge in der Türkei spiele zudem dem Kalkül Russlands und Syriens in die Hände. Russlands Präsident Wladimir Putin und Syriens Staatschef Baschar al-Assad würden nämlich mit ihrer Militäroffensive systematisch die Bevölkerung aus Aleppo und Umgebung vertreiben, so der türkische Premier.

"Das syrische Regime und Russland betreiben absichtlich ethnische Säuberungen, so dass nur noch Regimeanhänger übrig bleiben", sagte Davutoglu wörtlich. Ähnliche Vorwürfe hatte der türkische Regierungschef bereits im Dezember erhoben.

Nach seinen Angaben harren 60.000 Flüchtlinge auf der syrischen Seite der Grenze aus. Den Großteil von ihnen versorgt die Türkei vor Ort, Verwundete lässt die Regierung einreisen. Russland bestreitet jede Verantwortung für die Massenflucht aus Aleppo.

Seit Tagen rücken syrische Regierungstruppen, Einheiten der libanesischen Hisbollah und Pro-Assad-Milizen mit russischer Luftunterstützung in Aleppo vor. Sollten sie die von Rebellen gehaltenen Teile der Stadt von der Umgebung abschneiden, könnte nach Einschätzung der Vereinten Nationen die Lebensmittelversorgung für 300.000 noch in der Stadt ausharrende Menschen zusammenbrechen.

Nach Zählung der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte sind bei den Gefechten rund um Aleppo in den vergangenen zehn Tagen mehr als 500 Menschen ums Leben gekommen, die meisten von ihnen Kämpfer beider Seiten. Unter den Opfern seien aber auch 89 Zivilisten, darunter 23 Kinder.

Video: Zehntausende fliehen aus Aleppo

syd/Reuters/dpa/AFP

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