Krieg in Syrien Türkische Truppen stehen kurz vor Afrin

Die türkische Armee rückt weiter auf die nordsyrische Stadt Afrin vor. Nur noch wenige Hundert Meter sollen Ankaras Streitkräfte von der Kurdenhochburg trennen. Derweil setzen Assads Truppen ihre Offensive in Ost-Ghuta fort.

Von der Türkei unterstützte syrische Kämpfer nahe Afrin
REUTERS

Von der Türkei unterstützte syrische Kämpfer nahe Afrin


Die nordsyrische Stadt Afrin könnte schon in Kürze völlig von türkischen Truppen belagert sein. Nach Angaben von Aktivisten sind Ankaras Streitkräfte bis kurz vor die Kurdenhochburg vorgerückt. Nur noch wenige Hundert Meter trennten die Stadt von der türkischen Armee, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte* mit.

Die Truppen hätten sich der Stadt zunächst auf der nordöstlichen Seite genähert, könnten sie aber bald umrunden, hieß es. Erst am Freitag hatte Präsident Recep Tayyip Erdogan gesagt, die türkischen Truppen bereiteten sich auf die Belagerung Afrins vor: "Wir beseitigen die letzten Hindernisse, die einer Belagerung des Zentrums von Afrin im Wege stehen."

Afrin wird seit 2012 von den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) kontrolliert. Ankara bezeichnet die YPG als Terrororganisation, ebenso wie die mit ihr verbündete und in der Türkei verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) des inhaftierten Abdullah Öcalan.

Weitere Städte sollen "von Terroristen gesäubert" werden

Mit der am 20. Januar gestarteten "Operation Olivenzweig" will Ankara die kurdischen Milizen im Norden Syriens zerschlagen und insbesondere die YPG aus dem Grenzgebiet vertreiben. In einer in der südlichen Stadt Mersin gehaltenen und im Fernsehen übertragenen Rede kündigte Erdogan weitere "Maßnahmen" an.

Nach Afrin würden auch die Städte Manbidsch, Kobane, Tal Abjad, Ras al-Ain und Kamischli "von Terroristen gesäubert".

Die YPG sind mit den USA im Kampf gegen den IS verbündet. Deshalb sorgt Ankaras Offensive für Irritationen zwischen Washington und Ankara, die beide Partner in der Nato-Militärallianz sind.

Trotz der Spannung forderte Erdogan die Nato in seiner Rede auf, seine Militäroffensive in Nordsyrien zu unterstützen. Die Türkei habe den Aufforderungen der Allianz zur Intervention in Afghanistan, Somalia und auf dem Balkan Folge geleistet. Jetzt sei die Nato in Syrien an der Reihe.

Offensive in Ost-Ghuta

In Ost-Ghuta setzen derweil syrische Truppen ihre Offensive in der umkämpften Rebellenenklave Ost-Ghuta bei Damaskus fort. Erst am Samstag hatte die Armee die größte Stadt der Enklave, Duma, von der übrigen Region abgetrennt, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte.

Den Angaben zufolge kontrollierten die syrischen Truppen mittlerweile die Straße, die Duma mit Harasta im Westen und mit dem Ort Misraba im Süden verbindet. Den Truppen sei es somit gelungen, Ost-Ghuta in drei Teile aufzuspalten: Duma und seine Umgebung im Norden, Harasta im Westen sowie die übrigen Orte im Süden.

*Die Organisation bezieht ihre Informationen von Aktivisten vor Ort. Für Medien sind sie kaum zu überprüfen, in der Vergangenheit haben sich die Angaben aber als verlässlich erwiesen.

asc/dpa/AFP



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