Syrien Zahl der Flüchtlinge steigt dramatisch

Immer mehr Syrer fliehen vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat. Im August waren es so viele wie noch in keinem Monat zuvor, der Uno zufolge 100.000. Zugleich war es auch der blutigste Monat seit Beginn des Aufstands.

Flüchtlinge an der türkischen Grenze: Angst vor Gewalt
AP

Flüchtlinge an der türkischen Grenze: Angst vor Gewalt


Genf/Damaskus - Im August sind mehr Menschen aus Syrien geflohen als in jedem anderen Monat seit Beginn des Aufstands. 100.000 Menschen hätten aus Angst vor der Gewalt das Land verlassen, erklärten die Vereinten Nationen am Dienstag in Genf. Die "bedeutende Zunahme" der Flüchtlingsströme sei ein Anzeichen für eine "bedenkliche Lage" im Land selbst, sagte Melissa Fleming, Sprecherin des Uno-Flüchtlingshilfswerks UNHCR. Ihre Organisation versuche, bestmöglich auf den Flüchtlingsansturm zu reagieren. Insgesamt seien bislang 235.000 Syrer aus dem Land geflohen.

In Syrien lässt Präsident Baschar al-Assad seit rund eineinhalb Jahren einen Aufstand gegen seine Führung blutig niederschlagen. Dabei wurden nach Schätzungen von Menschenrechtsaktivisten bislang mehr als 26.000 Menschen getötet. 5000 von ihnen im August, der damit der bislang blutigste Monat in dem Konflikt ist. Allein in der vergangenen Woche wurden nach Angaben des Kinderhilfswerks Unicef 1600 Menschen getötet, so viele wie noch nie seit Beginn des Aufstands.

Rotkreuz-Präsident trifft Assad

Der Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) traf sich am Dienstag mit Assad. Eine Sprecherin des IKRK erklärte, das Treffen habe stattgefunden. Einzelheiten zu dem Gespräch nannte sie nicht. Zuvor hatte es geheißen, IKRK-Präsident Peter Maurer wolle die "sich rasch verschlechternde humanitäre Lage" ansprechen. Außerdem solle es darum gehen, dass das Rote Kreuz und der Rote Halbmond die betroffenen Zivilisten nur schwer erreichen könnten. Maurer hält sich insgesamt drei Tage in Syrien auf.

Westerwelle ruft zu schneller Hilfe auf

In Berlin befassen sich seit Dienstag Experten mit der Frage, wie es in Syrien nach dem Bürgerkrieg weitergehen kann. Außenminister Guido Westerwelle warnte zum Auftakt der Tagung vor einem Zusammenbruch der Grundversorgung. Die Staatengemeinschaft müsse sofort handeln, sagte er. "Wir müssen alles Mögliche unternehmen, um einen Kollaps der Infrastruktur und der Grundversorgung zu vermeiden." Westerwelle ließ erstmals die grundsätzliche Bereitschaft erkennen, Bürgerkriegsflüchtlinge in Deutschland aufzunehmen. "Ich schließe das nicht aus, aber Priorität hat derzeit die Hilfe vor Ort", sagte er der "Frankfurter Rundschau". Bislang hatte die Regierung die Auffassung vertreten, dass sich die Frage nicht stellt. Insbesondere SPD und Grüne machen sich aber für die Aufnahme von Syrien-Flüchtlingen stark.

Den Delegierten bei der Konferenz in Berlin erklärte Westerwelle, in Gebieten, die unter Kontrolle der Rebellen sind, könne schon jetzt geholfen werden. Und die internationale Gemeinschaft müsse sich zudem auf schnelle Hilfe für die Zeit nach dem absehbaren Sturz des Assad-Regimes vorbereiten.

Zu dem Treffen reisten 60 Regierungsdelegationen aus aller Welt an, um mit syrischen Oppositionellen zu beraten. Sie gehören zur Arbeitsgruppe "Wirtschaftlicher Wiederaufbau und Entwicklung", die Teil der Freundesgruppe des syrischen Volkes ist.

Die Arbeitsgruppe berät über wirtschaftliche Soforthilfe, die Koordination der internationalen Aufbaumittel und die Wirtschaftspolitik. Die Freunde Syriens kamen zum ersten Mal im Februar in Tunis zusammen. Ziel der Gruppe ist eine politische Lösung des Konflikts und die Unterstützung der Opposition.

ler/dapd/AFP



insgesamt 69 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
franzija 04.09.2012
1. gute idee!
Ich finde es gut dass auch deutschland bereit ist flüchtlinge aufzunehmen
seiwol 04.09.2012
2. Nichts gelernt
Zitat von franzijaIch finde es gut dass auch deutschland bereit ist flüchtlinge aufzunehmen
Um den Druck auf das Assad-Regiem zu vermindern und Deutschland neue Probleme aufzuhalsen?! Nichts gelernt aus dem Balkankrieg?
G-Kid 04.09.2012
3. Eigentlich
Zitat von sysopAPImmer mehr Syrier fliehen vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat. Im August waren es so viele wie noch in keinem Monat zuvor, der Uno zufolge 100.000. Zugleich war es auch der blutigste Monat seit Beginn des Aufstands. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,853791,00.html
ist es ganz einfach, die Gewalt zu beenden. Der Westen braucht nur aufzuhören, die Terroristen zu unterstützen. Sie haben die Gewalt ins Land gebracht. Es ist absolut unverständlich, daß die gleichen islamistischen Terroristen, die in Afghanistan bekämpft werden, in Syrien als Helden dargestellt werden. Das ist einfach schizzophren!
lupo44 04.09.2012
4. Krieg beenden
Heißt die einzige Alternative für die Menschen in Syrien.Wir können nicht noch weitere Menschen hier aufnehmen.Deiutschland ist mit dieser Aufgabe überfordert und holt sich erneut Probleme nach Deutschland. Siehe die Ergebnisse des Balkankrieges. Die Kriegerischen Auseinandersetzungen werden in Deutschland fortgesetzt.Wann lernt endlich Herr Westerwelle dieses Szenario realistisch ein zu ordnen. Die Politik hist hier gefordert noch dazu Deutschland zur Zeit den Vorsitz für einen Monat bei der UNO hat.
jesse01 04.09.2012
5. Westerwelle sollte endlich militärisch eingreifen!!
Was soll das denn und wo soll das hinführen? Dann bitte militärisch eingreifen und der Sache ein Ende machen. Der Westen versagt genauso wie in Bosnien. Einfach zuschauen ist ja am bequemsten!! Nur so hilft man den Leuten nicht. Es werden immer mehr sterben. 5000 in einem Monat!! Wahnsinn. Aber von Westerwelle,dem Zauderer und Merkel, der Pragmatischen ist wie in Lybien nicht viel zu erwarten. Ich wette, das viele Syrier für ein Eingreifen der Nato sind, damit das Grauen endlich ein Ende hat. Wen kümmert es bitte, was Putin und China wollen. Putin ist genauso ein Mörder, was er in Tschet. damals bewiesen hat. Also jetzt eine Flugverbotszone!!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.