Uno zu Ost-Ghuta "Die letzten zwei Bäckereien wurden zerstört"

Bomben und Raketen fallen unablässig auf die syrische Rebellenhochburg Ost-Ghuta, 400.000 Menschen sind eingeschlossen. Denen fehlt es inzwischen am Nötigsten.

Ost-Ghuta am 22. Februar
MOHAMMED BADRA/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Ost-Ghuta am 22. Februar


Jakob Kern, Landesdirektor des Uno-Welternährungsprogramms (WFP) in Syrien, hat eindringlich eine Waffenruhe für das Rebellengebiet Ost-Ghuta gefordert, um den rund 400.000 dort eingeschlossenen Menschen dringend benötigte Lebensmittel bringen zu können.

Solange weiter gekämpft werde, sei die Lieferung von Hilfsleistungen zu gefährlich, sagte der Uno-Experte im Deutschlandfunk. Die Menschen könnten derzeit nicht sicher aus ihren Kellern kommen, um sich Lebensmittel abzuholen. "Die Hilfsgüter stehen bereit, aber wir brauchen eine Feuerpause."

Um eine Waffenruhe bemühen sich am Uno-Hauptsitz in New York unter anderem Schweden und Kuwait mit einer Resolution im Sicherheitsrat, die auch wegen Ost-Ghuta besonders dringlich ist.

Russland, verbündet mit dem Regime des syrischen Machthabers Baschar al-Assad, blockiert bislang eine Feuerpause. Die aktuelle Resolution sei "populistisch". Am Freitagabend (17 Uhr MEZ) soll erneut über einen abgeänderten Entwurf der Resolution beraten werden. Westliche Diplomaten kritisieren, Russland versuche, Assad mehr Zeit für den Sturm auf Ost-Ghuta zu verschaffen.

Die Rebellenenklave erlebt momentan eine der schlimmsten Angriffswellen seit Beginn des Krieges vor sieben Jahren. Seit Sonntag seien dort mehr als 400 Zivilisten getötet und mehr als 2100 verletzt worden, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Die Uno hatte bereits am Mittwoch 346 Getötete und mehr als 850 Verletzte gemeldet.

"Die Eltern verzichten für ihre Kinder"

WFP-Syrien-Direktor Kern sagte, zuletzt sei ein Team seiner Organisation vor einer Woche in dem umkämpften Gebiet gewesen und habe dort rund 7000 Menschen versorgen können. "Das ist natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein", sagte Kern. "Die Eltern verzichten auf ihre Mahlzeiten, um den Kindern etwas zu geben."

Den Menschen mangele es vor allem an Grundnahrungsmitteln und Medikamenten. "Die letzten zwei Bäckereien wurden zerstört. Sie hatten Brot für alle diese 400.000 Leute gebacken", sagte Kern. "Eine Erkältung, die in eine Entzündung übergeht, wird lebensbedrohlich, weil keine Antibiotika verfügbar sind."

Im Video:

Kern berichtete, sein Team habe zuletzt zahlreiche unterernährte und ausgemergelte Menschen getroffen. Lebensmittel seien in Ost-Ghuta zwar noch erhältlich, aber nur zu sehr hohen Preisen. Die Leute könnten nur noch das essen, "was in der Gegend noch wächst. Etwas Gemüse und Früchte wachsen schon noch, aber die Grundnahrungsmittel fehlen."

cht/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.