Syrien Uno-Gesandter Brahimi hält Mission für fast aussichtlos

Der neue Syrien-Beauftragte der Uno hat sich äußerst pessimistisch über die Erfolgsaussichten seiner Mission gezeigt. In der BBC sprach Lakhdar Brahimi von einem nahezu unmöglichen Auftrag. Dennoch bereitet er offenbar Gespräche in Damaskus vor.

Sonderbeauftragter Lakhdar Brahimi: Ohne Illusionen, ohne Plan - aber mit Ideen
AP

Sonderbeauftragter Lakhdar Brahimi: Ohne Illusionen, ohne Plan - aber mit Ideen


London - Es ist eine der schwierigsten diplomatischen Aufgaben derzeit, und die Aussicht auf Erfolg ist minimal: Der Posten des Syrien-Sondergesandten Lakhdar Brahimi. In einem Interview mit der britischen BBC räumte er nun ein, dass sein Auftrag fast aussichtslos sei. "Ich übernehme diesen Job mit offenen Augen und ohne Illusionen an", sagte er. "Ich weiß, wie schwierig es wird - und wie nahezu unmöglich."

Das Gewicht der Verantwortung erschrecke ihn, so Brahimi weiter. "Es gibt bereits Leute, die sagen: 'Da sterben Menschen, und was unternehmen Sie dagegen?'" Und es werde nicht viel gemacht.

Brahimi kündigte an, den Sechs-Punkte-Plan seines Vorgängers Kofi Annan in seine "Werkzeugkoffer" übernehmen zu wollen. Er selber habe Ideen, aber noch keinen Plan. Auf jeden Fall könne ein Wechsel in Syrien nicht kosmetischer Natur sein.

Der syrischen Regierung zufolge wird Brahimi in Kürze nach Damaskus reisen. Der syrische Außenamtssprecher Dschihad Makdissi sagte am Sonntag dem libanesischen Fernsehsender NBN, beide Seiten wollten einander "zuhören".

Makdissi machte zugleich die internationale Gemeinschaft für das anhaltende Blutvergießen in Syrien verantwortlich. Die Gründe für das Scheitern der Mission von Brahimis Vorgänger Annan lägen nicht bei Syrien, sondern im "fehlenden Konsens im Kreis der internationalen Gemeinschaft". Die führenden Mächte im Uno-Sicherheitsrat seien gegen einen Dialog mit der Opposition in Syrien.

Brahimi folgte als Syrien-Sondergesandter von Uno und Arabischer Liga auf den früheren Uno-Generalsekretär Annan, der das Amt am 2. August niedergelegt hatte. Der Ghanaer hatte dem Uno-Sicherheitsrat mangelnde Unterstützung seiner Mission vorgeworfen. Brahimi wies der Regierung in Damaskus am Samstag die Hauptverantwortung für die Beilegung des Konflikts zu.

Seit Beginn des Aufstandes gegen Syriens Präsidenten Baschar al-Assad im März 2011 wurden nach Angaben der oppositionellen syrischen Beobachtungsstelle bereits mehr als 26.000 Menschen getötet.

ler/AFP

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maki1961 03.09.2012
1. die hauptverantwortung
hat schon jetzt assad und nicht die aktivisten. die haben doch immer einen waffenstillstand abgelehnt oder irre ich mich? wer in ortschaften eindringt muß mit vielen toten rechnen. jetzt werden die kämpfe stärker dank waffenlieferungen von wem?
eseelig 03.09.2012
2. brahimi
wenn herr brahimi die mission für praktisch aussichtslos hält, warum hat er dann den auftrag überhaupt angenommen?
ziegenzuechter 03.09.2012
3. solange
Zitat von sysopAFPDer neue Syrien-Beauftragte der Uno hat sich äußerst pessimistisch über die Erfolgsaussichten seiner Mission gezeigt. In der BBC sprach Lakhdar Brahimi von einem nahezu unmöglichen Auftrag. Dennoch bereitet er offenbar Gespräche in Syrien vor. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,853506,00.html
die fanatischen aufstaendischen, die auslaendischen soeldner und terroristen weiterhin unterstuezung durch das ausland erhalten ist die mission von brahimi in der tat aussichtslos. die syrische regierung ist ganz offensichtlich zu gespraechen bereit und wird ihn schon bald empfangen. nachdem auch schon mehrere verfassungsreformen durchgefuehrt wurden, ist es nun entgueltig an der zeit, das die syrische regierung die moeglichkeit erhaellt, ruhe und ordnung wieder herzustellen.
krasmatthias 03.09.2012
4.
Zitat von sysopAFPDer neue Syrien-Beauftragte der Uno hat sich äußerst pessimistisch über die Erfolgsaussichten seiner Mission gezeigt. In der BBC sprach Lakhdar Brahimi von einem nahezu unmöglichen Auftrag. Dennoch bereitet er offenbar Gespräche in Syrien vor. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,853506,00.html
"Die führenden Mächte im Uno-Sicherheitsrat seien gegen einen Dialog mit der Opposition in Syrien." Russland und China haben ja stets genau das gefordert - Waffenstillstand auf beiden Seiten und Aufnahme der Gespräche. Endlich jemand der die Schuld seitens der Unterstützer des Konfliktes ausspricht. Ob sich nun etwas ändert? Oder wird Herr Brahimi ab jetzt nicht mehr all zu lange im Amt bleiben???
Sackaboner 03.09.2012
5.
Beide Konfliktparteien haben inzwischen so viel Blut vergossen, dass keine mehr ihren Anspruch auf die Übernahme der Regierung bzw den Erhalt der Macht aufgeben wird. Hier wird wie kaum anderswo deutlich, wie schädlich die Einmischung von außen ist. Die Westmächte sollten sich auf jeden Fall nicht militärisch einmischen. Und wenn Iran das tun sollte, dann wird es zwar nicht einfacher, aber das Ende des Bürgerkriegs wird schneller kommen. Ursache des Konfliktausbruchs ist der vom Westen so bejubelte arabische Frühling, der nur alte Diktatoren beseitigt hat, aber die Situation der Menschen keinen Funken verbessert hat. Lediglich den Machtapparat haben andere übernommen.
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