Bürgerkrieg in Syrien Uno-Gesandter will Islamisten aus Aleppo geleiten - persönlich

Um die russischen und syrischen Bombardements auf Aleppo zu stoppen, will sich der Uno-Sondergesandte de Mistura selbst in die Kampfzone begeben. Und unterbreitet den Islamisten ein ungewöhnliches Angebot.

REUTERS

Die Lage in Aleppo ist katastrophal: Lebensmittel sind knapp, eine medizinische Versorgung gibt es kaum noch. Seit 16 Tagen bombardieren russische und syrische Kampfflugzeuge den eingekesselten Nordosten der Stadt, wo sich Rebellen befinden. Die Armee von Machthaber Baschar al-Assad drohte: Wer das Gebiet nicht verlässt, würde sich seinem "unausweichlichen Schicksal" ergeben.

Jetzt schaltet sich erneut Staffan de Mistura ein - mit einem ungewöhnlichen Angebot. Der Uno-Sondergesandte erklärte, er sei bereit, sich selbst in die Kampfzone zu begeben, um Islamisten der Nusra-Front aus der Stadt zu geleiten. Dadurch wolle er die Tragödie vor Ort beenden.

An die Extremisten gerichtet sagte er bei einer Pressekonferenz in Genf: "Wenn ihr euch dafür entscheidet, in Würde und mit euren Waffen zu gehen, bin ich persönlich bereit, euch zu begleiten." Die Nusra-Front nennt sich seit ihrer Trennung vom Terror-Netzwerk al-Qaida im Juli Fateh al-Scham-Front.

In einer ersten Reaktion sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow, sein Land sei an de Misturas Vorschlag interessiert. Bei einer Pressekonferenz mit seinem französischen Amtskollegen Jean-Marc Ayrault sagte Lawrow, Russland werden die Idee des Uno-Diplomaten genau prüfen.

Die Uno schätzt die Zahl der Kämpfer von Fateh al-Scham im Ostteil der syrischen Metropole auf rund 900, Russland sprach jedoch von der Hälfte von etwa 8000 Aufständischen, also 4000 Personen, die der Organisation angehören sollen. Die Gebiete der Aufständischen sind von der Regierungsarmee belagert, die Versorgungsrouten sind abgeschnitten. Von dem Abzug der Extremisten erhofft sich die Uno, eingeschlossene Zivilisten zu erreichen, die dringend Hilfe brauchen.

De Mistura sagte bei der Pressekonferenz in Genf weiter, sollte die von Russland unterstützte syrische Armee ihre Angriffe auf Aleppo fortsetzen, könnte der Ostteil der Metropole "in zwei, maximal zweieinhalb Monaten komplett zerstört" sein.

kev/cht/AFP/dpa/Reuters

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