Krieg in Syrien: Uno dementiert Del Pontes Giftgas-Äußerungen

Uno-Expertin Del Ponte: Zurückgepfiffen von den Vereinten Nationen Zur Großansicht
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Uno-Expertin Del Ponte: Zurückgepfiffen von den Vereinten Nationen

Die Vereinten Nationen widersprechen ihrer eigenen Expertin. Die Uno-Sachverständige Carla Del Ponte hatte behauptet, syrische Rebellen hätten Giftgas eingesetzt. Laut der zuständigen Kommission liegen dafür jedoch keine Beweise vor.

Genf - Die unabhängige Syrien-Kommission der Vereinten Nationen hat Aussagen der Uno-Expertin Carla Del Ponte über einen Chemiewaffeneinsatz durch Rebellen in Syrien dementiert. Demnach gebe es "keine beweiskräftigen Ermittlungsergebnisse für einen Chemiewaffeneinsatz in Syrien durch irgendeine der an dem Konflikt beteiligten Parteien". Die Kommission sei daher derzeit nicht in der Lage, "diese Behauptungen weiter zu kommentieren".

Del Ponte hatte in einem Fernsehinterview gesagt: "Nach den Aussagen, die wir gesammelt haben, haben die Rebellen Chemiewaffen eingesetzt und auf das Gas Sarin zurückgegriffen." Die frühere Chefanklägerin der Uno-Gerichte für das frühere Jugoslawien und Ruanda hatte im Schweizer Fernsehsender RSI hinzugefügt, die Ermittlungen seien noch lange nicht abgeschlossen und weitere gründliche Recherchen nötig. Del Ponte ist Mitglied der Kommission, die Menschenrechtsverletzungen in Syrien untersucht - für den Einsatz von Chemiewaffen gibt es jedoch einen gesonderten Ausschuss.

Um endlich Klarheit zu schaffen, forderte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen die syrische Regierung auf, Uno-Inspektoren ins Land zu lassen. "Es ist von äußerster Wichtigkeit, dass sie einen unbeschränkten Zugang für Ermittlungen erhalten, um zu klären, was wirklich passiert ist", so Rasmussen. Es sei "bedauerlich", dass die Führung in Damaskus dies ablehne.

Die Nato habe keine gesicherten Erkenntnisse darüber, wer Zugang zu Chemiewaffen habe. Die Uno-Ermittler werden von der syrischen Führung nicht ins Land gelassen, können jedoch Flüchtlinge und per Telefon auch Ärzte und Augenzeugen vor Ort befragen.

max/dpa/Reuters

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1. weil es nicht sein darf
chiefseattle 06.05.2013
Gut, dann war's halt keiner. Wenn man denn nun dieser Aussage Glauben schenken darf, war die Giftgasdiskussion wohl haltlos und übertrieben. Oder findet man das Giftgas gar nicht??
2.
lkm67 06.05.2013
Zitat von sysopDie Vereinten Nationen pfeifen ihre eigene Expertin zurück. Die Uno-Sachverständige Carla del Ponte hatte behauptet, syrischen Rebellen hätten Giftgas eingesetzt. Laut einer Uno-Kommission liegen dafür jedoch gar keine Beweise vor. http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-uno-kommission-entkraeftet-carla-del-pontes-giftgas-behauptung-a-898396.html
Und dennoch ist es das einzige was Sinn macht. Herr Assad ist doch kein Idiot, er weiß genau das er weg ist, wenn die NATO in diesen Bürgerkrieg eintritt. Das die UNO ihre eigene Mitarbeiterin zurückpfeift ist absurd.
3.
johny walker 06.05.2013
Zitat von chiefseattleGut, dann war's halt keiner. Wenn man denn nun dieser Aussage Glauben schenken darf, war die Giftgasdiskussion wohl haltlos und übertrieben. Oder findet man das Giftgas gar nicht??
Wie auch aus dem Artikel hervorgeht, könnten nur Untersuchungen vor Ort verlässliche Auskunft darüber geben, ob Giftgas in Syrien eingesetzt worden ist. Allerdings, erlaubt Assad nicht dass Kontrolleure ins Land kommen. Dies wiederum, erlaubt schon erste Rückschlüsse, dass in der Tat Giftgas eingesetzt wurde, und auch wäre es getan haben könnte.
4. Lasst endlich die Untersuchungskommessionen ins Land
abc-xyz 06.05.2013
Dieses Hin und Her nützt keinem, außer dem Regime, dass sich damit Zeit erkauft. Es müssen jetzt endgültig Teams von der UNO ins Land gelassen, die jedem Hinweis dieser Art nachgehen können. Offenkundig ist aber das Regime in Damaskus nicht interessiert.
5. Ein alter Witz...
Datenscheich 06.05.2013
...aus Syrien: Sag mal: Wo ist eigentlich die Verfassung? Die steckt in der Satteltasche! Und wo ist die Satteltasche? Na, auf dem Esel natürlich. Aber wo ist der Esel?? Im Gefängnis. Wieso denn...?? Weil er die Verfassung gefressen hat! Ich befürchte, daß die aufgescheuchten Hühner der militärischen Hünerfarm, die von Israel wegen der dort praktizierten unmenschlichen Schlachtmethoden vollständig zerstört wurde, inzwischen auch die letzten Giftgasspuren aufgepickt haben. So wird das in Syrien gemacht! Wo nicht erst darauf gewartet wird, bis es den westlichen 'Staatslenkern' (harhar) ein weiteres Mal gelingt, die Weltöffentlichkeit nach Stricg und Faden zu belügen und zu betrügen... oder ist der Irak schon vergessen?!
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Eskalation im Syrien-Konflikt: Obama unter Druck

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Flüchtlingskrise in Syrien


Assads Arsenal an Chemiewaffen
Giftarten
Syriens Vorräte an Chemiewaffen gelten als die größten in der Region und sollen unter anderem aus Sarin, Senfgas und VX bestehen. Nach den Niederlagen in den Kriegen gegen Israel in den Jahren 1967, 1973 und 1982 begann die Regierung in Damaskus in den frühen achtziger Jahren, ein Arsenal an Chemiewaffen zu unterhalten und durch Zukäufe zu erweitern.
Menge
Experten von Global Security schätzten unter Berufung auf den US-Geheimdienst CIA, dass mehrere Hundert Liter Kampfstoff vorhanden sind und jährlich Hunderte Tonnen Vorläuferstoffe produziert werden.
Produktion
Der Aufbau eigener Produktionsstätten begann bereits 1971 in Damaskus. Experten von Global Security haben vier mutmaßliche Produktionsstätten ausgemacht: Zum einen nördlich von Damaskus und nahe der Industriestadt Homs. In Hama soll eine Anlage neben Sarin und Tabun auch VX herstellen. Eine vierte Stätte soll sich in der Hafenstadt Latakia am Mittelmeer befinden.
Trägersysteme
Das Land soll der Nuclear Threat Initiative (NRI) zufolge über Scud- und SS-21-Raketen, Artilleriegeschosse und Bomben als Trägersysteme verfügen.
C-Waffenkonvention
Die Regierung in Damaskus hat die Chemiewaffenkonvention von 1992 nicht unterzeichnet, die den Einsatz, die Herstellung und Lagerung von chemischen Kampfstoffen untersagt.