Bericht zu 2017 Unicef meldet 910 getötete Kinder in Syrien

Der Bürgerkrieg in Syrien trifft viele Kinder: Im vergangenen Jahr sind in dem Konflikt so viele Mädchen und Jungen wie noch nie getötet worden. Schon jetzt sind die Zahlen für 2018 ähnlich hoch.

Kinder in Syrien
AFP

Kinder in Syrien


2017 war nach Angaben der Uno das schlimmste Jahr für Kinder in Syrien seit Beginn des Bürgerkriegs. 910 Mädchen und Jungen seien getötet und 361 weitere verletzt worden, teilte das Uno-Kinderhilfswerk Unicef mit.

Die Zahl der überprüften Todesfälle sei damit im Vergleich zum Vorjahr um 50 Prozent gestiegen. Die tatsächliche Opferzahl liege wahrscheinlich deutlich höher. In den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres seien laut Berichten bereits mehr als tausend Kinder getötet oder verletzt worden.

"In Syrien herrscht ein gnadenloser Krieg gegen Kinder, der sofort gestoppt werden muss", sagte der Geschäftsführer von Unicef Deutschland, Christian Schneider. 3,3 Millionen Kinder in Syrien seien Gefahren durch Explosionen ausgesetzt, auch durch Landminen und Blindgänger. Für Kinder mit Behinderungen sei die Lage besonders dramatisch, sagte Unicef-Regionaldirektor Geert Cappelaere. "Sie sind der sehr realen Gefahr ausgesetzt, übersehen und ausgegrenzt zu werden."

Unicef warnte außerdem, der fehlende Zugang zu guter medizinischer und psychologischer Behandlung führe oft dazu, dass sich Kriegsversehrte aus Syrien langsamer von ihren Verletzungen erholten oder sich ihr Zustand sogar verschlechtere. Viele Kinder hätten Angehörige verloren. Daher fehle oft auch eine enge Bezugsperson, die sich um sie kümmern könne. "Wir schätzen, dass als Folge dieses Krieges schon jetzt etwa 750.000 Kinder mit Behinderungen leben müssen", sagte Cappelaere weiter.

Über die Hälfte der Bevölkerung wurde vertrieben

Insgesamt haben nach Angaben von Unicef mehr als 1,5 Millionen Menschen in dem Bürgerkriegsland bleibende seelische oder körperliche Schäden erlitten. Über die Hälfte der Bevölkerung lebt entweder als Flüchtling im Ausland oder ist innerhalb Syriens vertrieben worden. Laut dem Unicef-Bericht gebe es in Syrien bereits heute 86.000 Menschen, denen als Folge des Kriegs Gliedmaßen amputiert werden mussten.

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Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden seit Beginn des Bürgerkriegs vor sieben Jahren fast 354.000 Menschen getötet. Unter den Opfern seien mehr als 106.000 Zivilisten, unter ihnen fast 20.000 Kinder und 12.500 Frauen, teilte die oppositionsnahe Organisation mit. Die Angaben der Beobachtungsstelle sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen, haben sich in der Vergangenheit aber oft als richtig herausgestellt.

Allein bei der Offensive der Regierungstruppen auf die Rebellenenklave Ost-Ghuta wurden demnach 200 Kinder getötet. Die syrische Armee hatte Mitte Februar mit Unterstützung Russlands eine Offensive auf das Gebiet östlich von Damaskus gestartet und weitet die Operation immer noch weiter aus.

aev/AFP/dpa



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