Syrien: Uno ruft zur Hilfe für Millionen Flüchtlinge auf
Der Bürgerkrieg bringt immer mehr Syrer in Not. Mindestens 2,5 Millionen Menschen haben fast alles verloren, 1,2 Millionen sind inzwischen auf der Flucht. Uno und EU schlagen Alarm. Sie fordern Kampfpausen, um die Notleidenden überhaupt erreichen zu können.
New York/Brüssel - Die Vereinten Nationen und die EU haben zu mehr Hilfe für die notleidende Zivilbevölkerung Syriens aufgerufen. Über 2,5 Millionen Menschen bräuchten sofortige dringende Unterstützung, denn ihnen fehlt es mitten im Bürgerkrieg an Allem: Nahrung, Wasser, Unterkunft oder Medikamente. Uno-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, mehr Geld zu Spenden. Zuvor hatte schon die für humanitäre Hilfe zuständige EU-Kommissarin Kristalina Georgiewa Kampfpausen gefordert, um die notleidende Zivilbevölkerung zu versorgen.
"Wir haben Probleme, zu notleidenden Menschen durchzukommen, vor allem in Kampfgebieten", sagte Amos, die vor wenigen Tagen die Lage in Syrien sondiert hatte. "Aber auch die Finanzierung behindert uns", klagte sie in New York über die fehlenden Gelder für die verschiedenen Hilfsorganisationen. "Wenn wir mehr Mittel hätten, könnten wir mehr Menschen erreichen."
China kündigte inzwischen an, zur Unterstützung syrischer Flüchtlinge in Jordanien und im Libanon einen Betrag von umgerechnet rund 3,7 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Die Hilfe solle "die freundschaftlichen Gefühle der chinesischen zur syrischen Bevölkerung belegen", zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Donnerstag das Außenministerium in Peking. Die Vetomächte China und Russland hatten im Uno-Sicherheitsrat bereits mehrfach eine Resolution zur Verurteilung der von Präsident Baschar al-Assad angeordneten Gewalt in dem Land blockiert.
Neben der mangelnden medizinischen Versorgung machte sich Amos auch Sorgen um die Kinder: "Für Tausende von Kindern wird es einen Ausfall des Unterrichts mit Beginn des neuen Schuljahres im September geben, falls bis dahin keine Lösung zur Unterbringung der Vertriebenen gefunden wird.
Nachbarländer betroffen
EU-Kommissarin Georgiewa schlug vor, die Konfliktparteien zu Kampfpausen zu bewegen. "Die Kämpfe für eine Stunde oder zwei Stunden anzuhalten, damit Verwundete versorgt werden können - das ist bedauerlicherweise noch nicht geschehen", sagte sie am Mittwoch in Brüssel.
Amos und Georgiewa reagierten auf einen wachsenden Strom von Flüchtlingen. Mindestens 2,5 Millionen Menschen in Syrien benötigten humanitäre Hilfe, mindestens 1,2 Millionen seien Vertriebene im eigenen Land, sagte Georgiewa. "Da Aleppo und Damaskus keine sicheren Gebiete mehr sind, gibt es nur noch außerhalb des Landes Hoffnung auf Sicherheit." Dies bedeute, dass im Libanon, in Jordanien und auch in der Türkei immer größere Probleme entstünden. "Hilfe innerhalb Syriens ist wichtig für jene, die im Konflikt gefangen sind, aber sie ist auch wichtig, um Auswirkungen auf die Nachbarländer zu reduzieren", sagte sie.
In New York wird am Freitag der neue Syrienvermittler von Uno und Arabischer Liga, Lachdar Brahimi, zu Gesprächen am Hauptsitz der Vereinten Nationen erwartet. Brahimi werde sich mit Generalsekretär Ban Ki Moon und anderen "hochrangigen Offiziellen" treffen, sagte ein Uno-Sprecher
ler/dpa/AFP
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
- Donnerstag, 23.08.2012 – 09:21 Uhr
- Drucken Versenden
- Nutzungsrechte Feedback
- Kommentieren | 31 Kommentare
Bevölkerung: 22,505 Mio.
Hauptstadt: Damaskus
Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad
Regierungschef: Wail al-Halki
Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | Syrien-Reiseseite
- Krieg der Konfessionen in Syrien: Schwerter zu Kreuzen (22.08.2012)
- Syrischer Bürgerkrieg: Helfer fürchten Hinterlist des Assad-Regimes (21.08.2012)
- Drohung gegen Diktator Assad: Obamas rote Linie (21.08.2012)
- Bürgerkrieg in Syrien: Das Rätsel des deutschen Spionage-Schiffs (20.08.2012)
- Flüchtlingsdrama: Türkei fordert Schutzzone in Syrien (20.08.2012)
- Assads Krieg: Syrische Raketen schlagen in Jordanien ein (20.08.2012)
- Auslandseinsatz: Syrer bedrohen Deutsche Marine (SPIEGEL 3/2012)
MEHR AUS DEM RESSORT POLITIK
-
Abgeordnete
Bundestagsradar: Alle Fakten, alle Abstimmungen, alles Wissenswerte -
Regierung
Schwarz-gelbe Koalition: Das ist Merkels Kabinett -
Umfragen
"Sonntagsfrage": Der aktuelle Trend anhand von Umfragen -
Nachgefragt
Abgeordnetenwatch auf SPIEGEL ONLINE: Ihr direkter Draht in die Politik -
Rundgang
Kanzleramt, Bundestag, Ministerien: Das ist das politische Berlin

Möchten Sie ein anderes Land erkunden?