Syrien Uno-Sicherheitsrat fordert Klarheit über Giftgaseinsatz

Die Weltgemeinschaft ist entsetzt über den möglichen Giftgaseinsatz in Syrien. Der Uno-Sicherheitsrat verlangt nun Aufklärung - kann sich aber nicht dazu durchringen, Inspektoren der Vereinten Nationen zu einer Untersuchung aufzurufen. Russland und China blockieren.


New York - Die grausamen Bilder aus Syrien gehen um die Welt - sie nähren den Verdacht, dass in dem Bürgerkriegsland Hunderte Menschen bei einem möglichen Einsatz von Chemiewaffen gestorben sind.

Der Uno-Sicherheitsrat verlangt jetzt Aufklärung. "Wir brauchen Klarheit über das, was sich zugetragen hat, und müssen die Lage weiter genau beobachten", sagte die Präsidentin des Gremiums, Argentiniens Uno-Botschafterin María Cristina Perceval, nach einer Krisensitzung in New York. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich besorgt über die Berichte.

Zu einem offiziellen Untersuchungsverfahren hat sich der Sicherheitsrat aber nicht durchgerungen - eine Untersuchung der Vorwürfe durch Uno-Inspektoren verlangte er nicht. Diplomaten zufolge verhinderten die ständigen Mitglieder Russland und China einen entsprechenden Vorstoß von 35 anderen Ländern, darunter USA, Frankreich und Großbritannien.

Zurzeit halten sich Experten der Vereinten Nationen in Syrien auf, die den Einsatz von Chemiewaffen in dem Land überprüfen sollen. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon erklärte, über eine Untersuchung am Ort des vermeldeten Giftgaseinsatzes werde mit Syriens Machthaber Baschar al-Assad verhandelt.

Die syrischen Rebellen beschuldigen die Regierungstruppen, bei einem Großangriff mit Chemiewaffen in der Region Ghuta nahe der Hauptstadt Damaskus ein Massaker mit 1300 Toten verübt zu haben. Die Armee wies dies zurück. Dies sei vielmehr ein Versuch, die Uno-Experten von der Erfüllung ihrer Aufgabe abzuhalten.

In Videos, deren Echtheit nicht überprüft werden konnte, waren Dutzende Leichen zu sehen und Kinder in Atemnot, die in einem Krankenhaus mit Sauerstoff behandelt wurden. Aktivisten zufolge waren die örtlichen Krankenhäuser hoffnungslos überfüllt.

Großbritanniens Außenminister William Hague sagte, er hoffe, die mutmaßliche Attacke führe den Unterstützern Assads dessen "mörderische und barbarische" Art der Herrschaft vor Augen.

Iran wies die Vorwürfe gegen die verbündete syrische Regierung zurück. "Wenn die Informationen zur Verwendung chemischer Waffen zutreffend sind, sind sie ganz sicher von den Terror- und Takfiris (sunnitischen Extremisten) eingesetzt worden, die gezeigt haben, dass sie vor keinem Verbrechen zurückschrecken", sagte der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif laut der amtlichen Nachrichtenagentur Irna.

kgp/AFP/Reuters

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MashMashMusic 22.08.2013
1.
Ach, Russland und China? Na, wer hätte das gedacht. Was man nicht alles für einen Mittelmeerhafen tut ... Wo doch die durch den russischen Staat kontrollierten russischen Medien hier immer gern als die ultimative Wahrheit angesehen werden, während die hiesigen Medien ja alle kontrolliert würde ...
Desert Fox 22.08.2013
2. In dubi pro reo - oder Hagues Umgang mit der Wahrheit
"Großbritanniens Außenminister William Hague sagte, er hoffe, die mutmaßliche Attacke führe den Unterstützern Assads dessen "mörderische und barbarische" Art der Herrschaft vor Augen." Schön, dass Herr Hague schon alle Beweise dafür hat, dass es tatsächlich Assad war, der das Giftgas eingesetzt hat. Dient diese vermeintliche Feststellung möglicherweise nicht denjenigen, die seit langem ein militärisches Eingreifen in Syrien fordern ? Aber mit (unabhängigen) Beweisen sollte jemand, in dessen Land derzeit die Pressefreiheit mit Füssen getreten wird, und der im Sold eines Premierministers steht, der dieses direkt und persönlich angeordnet hat, doch sehr vorsichtig sein. Sonst endet die ganze Geschichte doch eher wie im Irak. Und die dann ums Leben kommenden zigtausend Zivilisten sind dann wohl der nötige Kollateralschaden.
Duzend 22.08.2013
3. Immer schlecht
Zitat von sysopAPDie Weltgemeinschaft ist entsetzt über den möglichen Giftgaseinsatz in Syrien. Der Uno-Sicherheitsrat verlangt nun Aufklärung - kann sich aber nicht dazu durchringen, Inspektoren der Vereinten Nationen zu einer Untersuchung aufzurufen. Russland und China blockierten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-uno-sicherheitsrat-fordert-klarheit-ueber-giftgaseinsatz-a-917903.html
Gegen die Aufklärung eines Verbrechens zu sein, halte ich nie für eine unterstützungswürdige Position. China und Russland werden mir hier zum ersten Mal suspekt. Zu befürchten ist, dass sie Assad vor Aufdeckung verschonen wollen, wofür sie sich ja nicht so viel Mühe geben müssten, wenn die Mehrheit der Indizien für einen Giftgaseinsatz durch die Rebellen oder eine geschickt verdeckt operierende dritte Kraft sprechen würden. Unschuldige Zivilisten zu Dutzenden, Hunderten, ja, eigentlich zu hundert Dutzenden in einen qualvollen Tod zu schicken, das dürfte nicht ungesühnt bleiben.
Heike111 22.08.2013
4. da habt ihr euren sauberen Putin
und die Grossmacht China. Aufklären? Ist nicht!!
Blutworscht 22.08.2013
5. Russland sieht Terroristen hinter dem Anschlag
Der russische Außenamtssprecher Alexander Lukaschewitsch erklärte gestern, die selbstgebastelte Rakete wurde aus Stellungen der sogenannten Rebellen abgefeuert und sei vom gleichen Typ, den Terroristen am 19. März 2013 in Khan al-Assal einsetzten. Dass man darum keine UN-Resolution mit einer Vorverurteilung von Assad mitträgt, erscheint mir sehr einleuchtend. Die gleichen Medien, die schon bei der Brutkastenlüge, den irakischen Massenvernichtungswaffen und den Viagra-Containern in Libyen falsch lagen, sollten vorsichtig mit vorschnellen Schlüssen sein. Den Terroristen der Al-Nursa ist so ein Anschlag zuzutrauen, gegen die Luft- und Waffenüberlegenheit der Syrischen Armee haben sie nichts gegenzusetzen, deswegen brauchen die ein Eingreifen des Nato-Kriegsbündnisses.
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