Syrienkrieg Uno-Vermittler vermutet 10.000 Terrorkämpfer in Idlib

Das syrische Regime plant die Rückeroberung der Rebellenhochburg Idlib. Nach Schätzungen der Uno befinden sich in der Provinz noch etwa 10.000 Dschihadisten - und fast drei Millionen Zivilisten.

Idlib
AFP

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Die syrische Provinz Idlib ist die letzte Rebellenhochburg. Nun mehren sich die Anzeichen, dass Syrien Machthaber Baschar al-Assad das Gebiet mit russischer Unterstützung zurückerobern will. Der Uno-Syrienvermittler Staffan de Mistura vermutet in der Provinz etwa 10.000 Mitglieder der Terrororganisationen al-Nusra und al-Qaida.

Die Terroristen müssten zwar bekämpft und besiegt werden, aber nicht auf Kosten der 2,9 Millionen Zivilisten in der Provinz, mahnte de Mistura. Er verlangte humanitäre Korridore unter Aufsicht der Uno, damit die Menschen vorübergehend in sicherere Gegenden gebracht werden könnten.

Die hohe Anzahl Terrorkämpfer erklärt sich dadurch, dass die syrische Armee bei der Eroberung anderer Regionen Rebellen mit Familien und leichter Bewaffnung nach Idlib hatte abziehen lassen, aber auch aktiv vertrieben hatte.

1,4 Millionen Menschen schon einmal vertrieben

Unter den 2,9 Millionen Menschen in der Provinz sind nach Angaben de Misturas 1,4 Millionen Menschen, die schon einmal vertrieben worden waren. Die Provinz liegt an der Grenze zur Türkei, die keine weitere Flüchtlingswelle zulassen will.

Größte Gefahr sei der Einsatz chemischer Kampfstoffe, die sowohl die Regierung als auch al-Nusra besäßen, sagte der Diplomat. Er rief die Konfliktparteien sowie ihre internationalen Unterstützer auf, vor neuen Angriffen eine Lösung für die Zivilisten zu finden und auf den Einsatz von Chemiewaffen zu verzichten. "Warum so eine Eile, warum nicht mehr Zeit für Diskussionen lassen?", fragte de Mistura.

Ein Sprecher des russischen Präsidialamts sagte dagegen, Idlib sei ein Hort des Terrorismus. Abzuwarten sei unter diesen Umständen keine gute Alternative. Der Sprecher nahm in Moskau zu Medienberichten über eine geplante Großübung der russischen Marine und Luftwaffe Anfang September im östlichen Mittelmeer Stellung. Die schwierige Lage in Syrien rechtfertige das Manöver, sagte er.

asc/dpa/Reuters

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