Gespräch in Damaskus US-Delegation soll Assads Geheimdienstchef getroffen haben

Die US-Regierung geht offenbar auf das Assad-Regime zu: Eine Delegation aus Washington soll sich mit syrischen Geheimdienstchefs getroffen haben, die für die Verfolgung von Oppositionellen verantwortlich sind.

Ali Mamluk
AFP/ AL-WATAN NEWSPAPER

Ali Mamluk


Kurz nachdem Diktator Baschar al-Assad im Sommer 2011 friedliche Demonstrationen in Syrien niederschießen ließ, brachen die USA ihre diplomatischen Beziehungen zu Damaskus ab. Nun hat es offenbar erstmals wieder ein Treffen zwischen Vertretern beider Regierungen gegeben.

Eine hochrangige US-Delegation von Mitarbeitern mehrerer Geheim- und Sicherheitsdienste soll Ende Juni in Damaskus Ali Mamluk, den Koordinator des syrischen Geheimdienstapparates, getroffen haben. Einen entsprechenden Bericht der libanesischen Zeitung "al-Akhbar" haben mehrere US-Beamte der Nachrichtenagentur Reuters bestätigt.

Russland und die Vereinigten Arabischen Emirate sollen das Treffen vermittelt haben. An dem Gespräch sollen auch der syrische Nachrichtendienstchef Mohammed Dib Zeitoun und Vizegeneralstabschef Mowafak Assaad teilgenommen haben. Der damalige US-Präsident Barack Obama hatte 2011 Sanktionen gegen Mamluk und Zeitoun verhängt, die nach wie vor in Kraft sind.

Mamluk fordert Normalisierung der Beziehungen

Zwei US-Geheimdienstbeamte sagten Reuters, man befinde sich "in einem andauernden Dialog mit Mitgliedern des Assad-Regimes" über den Kampf gegen die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS), das syrische Chemiewaffenarsenal sowie das Schicksal des US-Journalisten Austin Tice, der seit 2012 in Syrien verschollen ist, und der möglicherweise vom syrischen Regime festgehalten wird.

Laut "al-Akhbar" bot die Delegation aus Washington den Abzug aller US-Truppen aus Syrien unter der Bedingung an, dass im Gegenzug die iranischen Truppen aus dem Süden Syriens abgezogen werden, die USA an den Ölvorkommen im Osten Syriens beteiligt werden und sie Informationen zu ausländischen Terroristen im Land erhalten. Die Syrer hätten solche Schritte als verfrüht zurückgewiesen, aber weitere Gespräche zugesagt.

Mamluk soll eine Normalisierung der Beziehungen zwischen den USA und Syrien zur Vorbedingung für eine Kooperation in Sicherheitsfragen erklärt haben.

Die USA haben im Rahmen ihres Kampfes gegen den IS mehrere Hundert Spezialkräfte im Osten Syriens zur Unterstützung der kurdisch-arabischen SDF-Allianz stationiert. Der Anti-IS-Einsatz wird mit Assads Verbündetem Russland koordiniert, doch gibt es keine offiziellen Kontakte der USA mit der syrischen Regierung.

Die Geheimgespräche mit den Spitzen des Geheimdienstapparates in Damaskus fallen in eine Zeit, in der das Regime freimütig bekannt gegeben hat, dass in den vergangenen Jahren Tausende Oppositionelle in syrischen Gefängnissen zu Tode gefoltert wurden. Die Gesprächspartner der US-Delegation gehören zu den Verantwortlichen für die Verfolgung und Tötung syrischer Regimegegner.

syd/Reuters/AFP



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