Kampf gegen IS US-Luftwaffe unterstützt syrische Extremisten

Im Norden Syriens kämpfen Aufständische und IS-Dschihadisten um die Vorherrschaft. Jetzt hat die US-Luftwaffe in den Konflikt eingegriffen - und unterstützt damit auch den syrischen Ableger von al-Qaida.

Rauch über Soran: Der IS hat die Stadt Anfang Juni eingenommen
REUTERS

Rauch über Soran: Der IS hat die Stadt Anfang Juni eingenommen


US-Kampfflugzeuge haben nach Angaben von Menschenrechtlern am Sonntag Stellungen der Terrormiliz " Islamischer Staat" (IS) in Nordsyrien bombardiert. Die Angriffe wären die erste direkte Luftunterstützung der Amerikaner für die Rebellengruppen. Die Aufständischen fürchten seit Beginn der IS-Attacken um ihren Nachschubkorridor zur türkischen Grenze. Das US-Verteidigungsministerium bestätigte lediglich, dass bei einem Luftangriff nahe Aleppo ein Abwehrgeschütz und eine Stellung des IS zerstört worden seien.

Der IS hatte vor gut einer Woche eine Offensive gegen die Rebellen gestartet und dabei die Stadt Soran nördlich der Millionenmetropole Aleppo eingenommen. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte war Soran jetzt auch das Ziel der US-Luftschläge.

Große Teile Aleppos stehen unter der Kontrolle von Truppen des Machthabers Baschar al-Assad, andere Viertel werden von Rebellen gehalten. Da unter den Aufständischen auch die radikale al-Nusra-Front, der syrische Ableger des Terrornetzwerks al-Qaida, sowie andere Extremistengruppen sind, kommen die US-Luftangriffe recht überraschend.

Dem Bombardement fielen der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge auch Zivilisten zum Opfer. Eine Familie mit fünf Kindern sei gestorben, hieß es am Montag in London. Die Zahl der Zivilisten, die bei Attacken der Allianz seit dem 23. September getötet worden seien, liege damit inzwischen bei 148, unter ihnen 48 Kinder und 32 Frauen.

Der IS hatte im Sommer vergangenen Jahres große Gebiete im Nordirak und in Syrien überrannt. In beiden Ländern werden die Dschihadisten am Boden von einheimischen Einheiten und aus der Luft von einer Militärallianz unter Führung der USA bekämpft. Die Allianz räumte im Mai ein, dass im vergangenen November bei einem Angriff in Aleppo zwei Kinder getötet worden seien. Der Tod weiterer Zivilisten wurde bislang nicht bestätigt.

Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle stützt sich auf ein Informantennetzwerk vor Ort, ihre Angaben sind unabhängig kaum überprüfbar.

Der IS in Syrien (Stand 21.05.15)
SPIEGEL ONLINE

Der IS in Syrien (Stand 21.05.15)

ler/dpa/AFP



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Emmi 08.06.2015
1. Keine Strategie erkennbar...
Der Westen (USA) beschränkt sich darauf, Waffen und Menschen zu vernichten. An Nachschub an beidem scheint es aber nicht zu mangeln, von daher kann so kein "Sieg" errungen werden...
Fred Widmer 08.06.2015
2. Strategie sehr wohl erkennbar
Die Strategie besteht in der Schwächung Assads durch Unterstützung "genehmer" Terroristen. Das Ende wird sein: totale Zerstörung des vor kurzem blühenden Landes Syrien (ich habe noch Reiseprospekte von 2010 rumliegen) und 1 Mio+ Flüchtlinge in Eu und De.
abc-xyz 08.06.2015
3. Seltsame Überschrift
Nur weil irgendwo auch Al-Nusra Einheiten gegen ISIS und Assad kämpfen, ist das wohl nicht in erster Linie eine Unterstützung derer. Es ist sowieso bemerkenswert, dass Assadeinheiten die ISIS bei der Bodenoffensive um Aleppo unterstützen. Gerade heute fielen wieder Fassbomben auf Marea, was gestern von den Rebellen gegen die ISIS befreit wurde, und töteten zahlreiche Frauen und Kinder. Es ist demnach begrüßenswert, wenn US Truppen mal auch in der Gegend der ISIS eins überbrennen, denn außer der FSA und den Kurden macht das keiner. Dass die Obama Administration weiterhin keinen Plan hat, kann ich hingegen zustimmen. Aber das geht schon seit dem Giftgasangriff Assads auf Ghouta so. Diese lahme Ente Obama ist mit seiner Untätigkeit gefährlicher als ISIS und Assad zusammen.
FehlGeleitet1 08.06.2015
4. Nur noch mehr Bomben und Terror
Absolut planlos mit Null Strategie werden also noch mehr Menschen abgeschlachtet, gleichzeitig als Folge damit noch mehr neue Extremisten erschaffen und zuguterletzt das syrische Land + Umwelt für Millionen Jahre mit abgereicherten Uran vergiftet.....Ganztoll, Bravo
Snozzlebert 08.06.2015
5.
Abgesehen davon, dass Nusra und Islamic front nicht so öffentlichkeitswirksam Westlern die Köpfe abschneiden, nehmen sich die idiologisch nicht viel. Das die USA jetzt den IS bombadieren zeigt nur, dass Assad zu stürzen scheinbar noch wichtiger ist als ernsthafte Terrorbekämpfung. Zurvor hat man Nusra genauso bombadiert. Der IS wollte wohl die chance nutzen und in der Aleppo-Provinz terretorium erobern während Islamic Front und JN als Jaish al-Fatah ihre kämpfer zusammengezogen haben und auf die Küste zugerast sind. Damit die sich jetzt weiter auf Latakia konzentrieren können gibt es in Aleppo Luftunterstützung von der Koalition. Bald ist Assad gestürzt und dann ist es Salafisten gegen IS, wird langsam Zeit erstere als gemäßigte Salafisten zu verkaufen...
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