Duma US-Regierung sieht Giftgasangriff durch syrische Armee als erwiesen an

Das US-Außenministerium will nun Beweise dafür haben, dass die syrische Armee die Stadt Duma mit Chemiewaffen angegriffen hat. Laut einem Medienbericht gibt es Streit in der US-Regierung über das Ausmaß eines möglichen Militärschlags.

Menschen in Duma nach dem Angriff
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Menschen in Duma nach dem Angriff


"Die Attacke fand am Samstag statt und wir wissen mit Sicherheit, dass es sich um eine Chemiewaffe handelte", sagte Außenamtssprecherin Heather Nauert in Washington: Die US-Regierung sieht den Chemiewaffenangriff in Ost-Ghuta durch die syrische Armee nunmehr als erwiesen an. Zudem habe man ein "hohes Maß an Überzeugung", dass Machthaber Baschar al-Assad für den Angriff auf die Stadt Duma verantwortlich sei.

Nach Angaben von Hilfsorganisationen war in der Nacht zum Sonntag eine Fassbombe mit Chemikalien über der syrischen Stadt Duma abgeworfen worden. Dutzende Menschen sollen dabei umgekommen sein.

Ermittler der Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) sollen den mutmaßlichen Angriff untersuchen. Sie sollen herausfinden, ob in der damals von Rebellen kontrollierten Stadt Chemiewaffen eingesetzt wurden.

Russland hatte behauptet, der Giftgasangriff auf Duma sei inszeniert worden. "Unsere Nachrichtendienste sagen das Gegenteil", sagte dagegen die Sprecherin des Weißen Hauses Sarah Sanders. Die Regierung sei sehr sicher, dass die syrische Regierung für den Giftgasangriff verantwortlich sei. Mehr könne sie jedoch nicht sagen. Eine Analyse der aktuellen Fakten lesen Sie hier.

Im Video: Analyse zum US-Militärschlag gegen Syrien

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US-Präsident Donald Trump hatte am Mittwoch mit einem Angriff auf syrische Stellungen gedroht. Laut einem Bericht des "Wall Street Journal" hatte das US-Militär bereits mehrere Zeitfenster für einen Angriff vorbereitet, unter anderem eines in der Nacht zum Freitag. Verteidigungsminister James Mattis soll diese abgesagt haben, weil er mit Trump uneins war über das Ausmaß des Angriffs.

Laut dem Bericht soll Trump mit den ihm bisher präsentierten eher zurückhaltenden Optionen nicht zufrieden gewesen sein und sich dafür stark gemacht haben, mit einem Militärschlag nicht nur die syrische Regierung zu treffen, sondern auch Russland und den Iran "bezahlen zu lassen".

Die USA werfen Russland vor, den Einsatz von Chemiewaffen in Syrien erst möglich gemacht zu haben. "Wenn Russland seine Verpflichtungen erfüllt hätte, würde es heute keine Chemiewaffen in Syrien geben", sagte die amerikanische Uno-Botschafterin Nikki Haley in einer Sitzung des Sicherheitsrats. Russland habe sein Veto-Recht im Rat zwölf Mal genutzt, um die Regierung von Präsident Baschar al-Assad zu schützen - unter anderem, um Ermittlungen über Giftgasangriffe im Land zu stoppen.

Assads Regierung habe nach Schätzungen der USA mindestens in 50 Fällen Chemiewaffen eingesetzt, sagte Haley. In anderen Schätzungen sei sogar von 200 Fällen die Rede.

Uno-Generalsekretär António Guterres hatte zu Beginn der Ratssitzung von einem "Chaos im Nahen Osten" und einer Rückkehr des Kalten Krieges gesprochen. Ein erstes Ermittlerteam der OPCW sei bereits in Syrien eingetroffen, um den Vorfall zu untersuchen. Das zweite Team werde am Freitag oder Samstag erwartet. "Aber wir müssen mehr tun" sagte Guterres.

koe/vet/AFP/Reuters/dpa

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